Ein Herz hat viel zu tun. Es ist ein Hochleistungsorgan. Fünf bis sechs Liter Blut pumpt ein gesundes Herz in der Minute durch den Körper. Das sind mehr als 7000 Liter täglich und 250 Millionen Liter im Laufe von 80 Jahren. Mit zunehmendem Alter kann sich die Struktur des Herzmuskels verändern. Erkrankungen wie die Herzinsuffizienz, die koronare Herzerkrankung oder Herzrhythmusstörungen häufen sich.
In der München Klinik Schwabing gibt es nun ein Herzkatheter-Labor, das kardiologische Erkrankungen wie auch den akuten Herzinfarkt behandelt; und ein neues Patientenhaus, das Haus sechs. Mehrere Jahre hat die Modernisierung und Umgestaltung gedauert. Nun waren die neuen Räumlichkeiten bei einem „Tag der offenen Tür“ zu besichtigen.
Zu diesem kamen „mehr, als wir gedacht haben“, sagt Markus Deichstetter, Leitender Arzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie an der München Klinik Schwabing. Wie glücklich er über die neuen Versorgungsmöglichkeiten in Schwabing ist, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Und so erklären er und sein Team den Gästen in einem kleinen, medizinischen Crashkurs für Anfänger, was eine Herzinsuffizienz ist, wie Herz-Stents eingesetzt werden und warum.

An die vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzinsuffizienz. Also an einer Herzschwäche, die Oberärztin Corinna Böttiger als das „Unvermögen des Herzens“ beschreibt, „ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen, um ihn mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen“.
Und sie zeichnet ein Bild des kranken Herzens: Es sei ungefähr so, wie wenn man eine Zinkwanne mit einem Eimer befüllen wolle, um ein warmes Bad zu bekommen. Mit einem guten Eimer laufe man hin und her, habe die Wanne schnell voll und könne warm baden. „Hat der Eimer aber ein Loch, läuft das Wasser aus und man benötigt lange, um die Wanne zu füllen. Man ist fix und fertig.“
Müdigkeit, Atemnot, vermehrt nächtlicher Harndrang und Übelkeit können erste Symptome für eine Herzschwäche sein. Sie müsse unbedingt behandelt werden, sagt Böttiger.
Ursprünglich waren die Patientenzimmer der Kardiologie im Haus drei auf dem Schwabinger Klinikgelände untergebracht. Schon lange sollten neue Patientenzimmer entstehen, weil sie nicht mehr zeitgemäß waren. Doch dann kam Corona.
Das Haus drei wurde in ein Covid-Haus umgewandelt, der Umbau der neuen Kardiologie verzögerte sich, erklärt Ellen Hoffmann. Sie ist Chefärztin für Kardiologie in Bogenhausen und in Schwabing. Beide Kliniken arbeiten zusammen – wenn etwa ein Herzklappeneingriff notwendig ist. Der kardiologische Funktionsbereich in Bogenhausen wurde 2025 modernisiert. Dort gibt es vier Herzkatheter-Labore. Sie gehören zu den modernsten in Europa.
Auf dem Tisch in einem der neuen Schwabinger Behandlungsräume im Haus sechs liegen dünne, röhrenartige Drahtgeflechte. Unterschiedlich lang, aber ganz fein. Es sind Gefäßstützen, sogenannte Stents. Sie werden eingesetzt, wenn Blutgefäße verengt oder sogar verschlossen sind. Sie bewirken, dass die Gefäße „offenbleiben“, sagt Deichstetter. Funktionsassistent Paul Main erklärt, wie das funktioniert und was es mit einem kleinen Ballon auf sich hat.

Der Ballonkatheter wird über das Armgefäß eingeführt und bis zur Engstelle im Herzgefäß vorgebracht. Der Ballon öffnet sich auf Druck am Haltegriff. Ablagerungen im Gefäß werden zur Seite geschoben und das Gefäß geweitet. Jetzt kann der Arzt das feine Drahtgeflecht, den Stent, einführen.
Der Eingriff geschieht im Herzkatheter-Labor unter örtlicher Betäubung, ohne große Narkose. „Eine Vollnarkose wird nicht benötigt“, erklärt Oberärztin Böttiger. Wichtig sei es außerdem, mit dem Patienten während des Eingriffs sprechen zu können. Das mildere die Angst. Ein Eingriff dauert meist etwa 20 Minuten.
„Es ist schon toll, was alles möglich ist“, sagt eine Besucherin. Eine andere ist bereits Patientin der Schwabinger Kardiologie: Die 78-Jährige kennt die Räume schon, die seit Ende Januar in Betrieb sind. „Ich bin begeistert, was hier möglich gemacht wird“, sagt sie. Sie hätte Vorhofflimmern gehabt und sei wieder gesund.

An einem anderen Tisch liegen kleine Kästchen. Es sind Herzschrittmacher. Ganz alte, die schwer sind und groß. Und neue, die klein sind und leicht. „Zwei bis drei werden in der Woche eingesetzt“, sagt Mayerlin Rua Patino. Die 45-Jährige ist kardiologische Fachassistentin und seit 2015 in der Kardiologie der München Klinik.
Das Herzkatheter-Labor in Schwabing ist hell, man blickt durch große Fenster nach draußen. Die schmale, lange Liege ist himmelblau. Rundherum modernste Geräte: ein schwenkbares Röntgengerät, ein Strahlenschutzsystem, Monitore, Defibrillator, Intensiv-Überwachungsgeräte, eine riesige Kontrastmittel-Spritze. Das Kontrastmittel hilft, die Engstellen in den Gefäßen sichtbar zu machen.

Lange stehen interessierte Zuhörer an diesem Nachmittag im Herzkatheter-Labor und hören Markus Deichstetter zu, der deutlich macht, dass man bei starken Schmerzen oder einem Engegefühl in der Brust, verbunden mit Atemnot und Schweißausbrüchen nicht zögern sollte, die 112 anzurufen. „Es kann ein Herzkranzgefäß komplett verschlossen sein“, sagt er. Dann zähle jede Minute.
Und plötzlich geht dann alles auch ganz schnell. Die Besucher müssen von der einen Minute auf die andere gehen. Ein Notfall. Das neue Herzkatheter-Labor wird gebraucht.

