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Klimawandel:Münchner Sommer könnten künftig einen Monat länger dauern

Im schlimmsten Fall kann es sogar 70 zusätzliche Sommertage mehr im Jahr geben.

Im schlimmsten Fall kann es sogar 70 zusätzliche Sommertage mehr im Jahr geben.

(Foto: dpa)

Was zunächst angenehm klingt, wird vor allem in den Nächten negative Auswirkungen haben.

Einen ganzen Monat länger könnte der Sommer in München in etwa 30 Jahren sein. Was zunächst angenehm klingt, wird vor allem in den Nächten negative Auswirkungen haben. Die Wärmebelastung der vergangenen Jahre wird sich auch in Zukunft fortsetzten. Dies geht aus einer Modellrechnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hervor, der in Kooperation mit der Stadt München das Stadtklima, die sommerlichen Temperaturverhältnisse und den Regionalwind in München untersucht hat.

Am Freitag stellten Tobias Fuchs, Leiter des Geschäftsbereich Klima und Umwelt beim DWD und Stephanie Jacobs, Referentin für Gesundheit und Umwelt, die Auswertung der lokal gesammelten Daten vor. Ein Anstieg um 15 Sommertage, also Tage an denen mindestens 25 Grad Celsius gemessen werden, ist bis 2041 kaum vermeidbar. Im schlimmsten Fall kann es sogar 70 zusätzliche Sommertage mehr im Jahr geben. Zudem steigt die Anzahl an heißen Tagen, an denen es über 30 Grad hat, immer weiter an. Zwischen 1955 und 1991 zählte der DWD im Schnitt 4,4 heiße Tage jährlich. Zwischen 1993 und 2018 waren es durchschnittlich bereits zwölf heiße Tage im Jahr. Pro Dekade verzeichnete München einen Temperaturanstieg von etwa 0,3 Grad Celcius.

Vor allem die dicht bebaute Innenstadt wird von dem Temperaturanstieg betroffen sein. Dort ist es bis zu vier Grad wärmer als im Umland. Anders als Großstädte in Kessellage profitiere München vom "alpinen Pumpen", erklärt Fuchs: "In der Nacht kommt kühle Luft aus den Alpen runter in die Stadt. Ab etwa 12 Uhr strömt die heiße Luft wieder zurück Richtung Alpen." Mit dem Stadtklimaprojekt konnte der DWD nachweisen, dass das Alpine Pumpen existiert und wie wichtig seine Funktion für München ist. Durch die Frischluft aus den Bergen verlagert sich der wärmste Bereich der Stadt vom Zentrum weiter in den Norden. Um die Abkühlung durch das Alpine Pumpen zu nutzen, müssen Schneisen erhalten bleiben, die Frischluft in verdichtete Wohnbereiche wie Schwabing strömen lassen.

Solche Frischluftschneisen verteidigen möchte Umweltreferentin Jacobs. "Trotz Verdichtung durch Zuzug und Bebauung in München, müssen wir diesen gewaltigen Segen, das Alpine Pumpen, bestmöglich nutzen," sagt sie. So soll die Bebauung angepasst und sollen Stadtbäche wieder an die Oberfläche geholt werden. Denn neben den Alpen sorgen ja auch die Grünflächen und Gewässer für kühle Luft. "Die Corona-Krise wird uns als Herausforderung für dieses Jahrzehnt begleiten. Die Klimakrise jedoch wird uns das ganze Jahrhundert beschäftigen", betont Jacobs. 300 Millionen Euro hat München deshalb seit 2008 in Klimaschutz investiert. Bis 2035 soll die ganze Stadt klimaneutral funktionieren.

© SZ vom 27.06.2020/lfr

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