bedeckt München 18°
vgwortpixel

Englischer Garten:Eine Schlammwüste wird wieder zum See

Kleinhesseloher See

Der Kleinhesseloher See wird nach langer Zeit wieder mit Wasser befüllt.

(Foto: Catherina Hess)

Erstmals seit 36 Jahren wurde der Kleinhesseloher See im vergangenen Winter ausgebaggert - dabei lief nicht alles nach Plan. Nun wird er wieder mit Wasser befüllt.

Der Bach gurgelt. Dort, wo monatelang hinter Gittern eine Mondlandschaft war, bildet sich langsam wieder eine Wasserfläche. Millimeter um Millimeter steigt der Pegel an, die Inseln werden langsam umspült, der trockengefallene Kleinhesseloher See entsteht endlich wieder neu. Mehr als fünf Monate lang sahen Spaziergänger im Englischen Garten nur eine Schlammwüste hinter Absperrgittern. Doch seit vergangenen Dienstag wurde der Oberstjägermeisterbach wieder geöffnet und der See geflutet - eigentlich sollte spätestens an Ostern der 1803 künstlich angelegte See wieder gefüllt sein.

Die lange Zeit, in der der Kleinhesseloher See im Englischen Garten trocken lag, hat nicht nur Naturschützer empört. Denn die Inseln im Kleinhesseloher See dienen Gänsen als wichtiges Brutgebiet. Doch die in München seltenen Streifengänse konnten nun offenbar nicht brüten. "Die Graugänse vom Kleinhesseloher See haben sich aufgeteilt", sagt Biologin Silke Sorge, die seit vielen Jahren die Münchner Gänsepopulationen beobachtet. "Einige sind am Japanischen Teehaus", andere seien im Olympiapark und am Poschinger Weiher, wo nun zwei Grauganspaare brüten.

Kleinhesseloher See

Mehr als fünf Monate lang sahen Spaziergänger im Englischen Garten nur eine Schlammwüste hinter Absperrgittern.

(Foto: Catherina Hess)

Heimatlos seien auch die Mittelmeermöwen vom Englischen Garten geworden, so Sorge. Seit 2012 leben die Vögel dort und brüten dort erstmals 2016. Mittlerweile seien auch sie in den Olympiapark umgezogen. Auch die Fische im See haben natürlich eine neue Heimat bekommen. Beim Abfischen im November holten Mitglieder des Vereins "Isarfischer" unter anderem Karpfen heraus, sie wurden in den Tierpark Hellabrunn umgesiedelt. Hechte und Bitterlinge schwimmen nun im Hinterbrühler See und im Poschinger Weiher.

Weshalb die Bauarbeiten am Kleinhesseloher See deutlich länger dauerten als ursprünglich geplant, deuten die Beteiligten durchaus unterschiedlich. Die Bayerische Schlösserverwaltung verweist darauf, dass nach dem Ablassen des Sees die Aushubarbeiten der dicken Sedimentschicht am Seegrund erst später begonnen werden konnten. Grund seien unter anderem häufige Niederschläge gewesen, die den Schlamm noch schwerer gemacht hatten. Zudem entdeckten die Arbeiter, dass der Abfluss marode war und eine Mauer neu gebaut werden musste. Und die Sedimentschicht war stellenweise deutlich dicker als vermutet, statt 75 Zentimeter mehr als einen Meter. Der Schlamm war auch der Hauptgrund, weshalb der See überhaupt abgelassen wurde. Denn das künstliche Gewässer droht immer wieder zu verschlammen und im schlimmsten Fall umzukippen. Deshalb hatte die Schlösserverwaltung eine Spezialfirma beauftragt, den Seeboden erstmals seit 36 Jahren auszubaggern.

Voraussichtlich bis Ende der Woche wird es noch dauern, bis der See wieder gefüllt ist, die Wege für die Baufahrzeuge zurückgebaut und die Gitterwand entfernt werden können, schätzt die Schlösserverwaltung. Dann werden von den Isarfischern auch wieder neue Fische eingesetzt, natürlich nicht die, die längst eine neue Heimat gefunden haben.

Für viele Gänse, die derzeit in Richtung München ziehen, könnte die Öffnung des Sees gerade noch rechtzeitig kommen. Mitte Mai beginnt für viele Vögel die Mauser, dann brauchen sie etwa vier Wochen lang einen geschützten Ort, weil sie dann nicht fliegen können. Die Inseln im See scheinen ideal zu sein, zumindest fliegen viele Gänse bis zu 1000 Kilometer, um den kleinen See im Englischen Garten zu erreichen.

© SZ vom 05.05.2020/kafe
Biber

SZ-Serie: München natürlich
:Familienstress in der Biberburg

Die Nachwuchsnager müssen sich im Frühjahr ein neues Zuhause suchen - doch in München herrscht Wohnungsnot.

Von Thomas Anlauf

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite