Dieter Reiter (SPD) und Markus Söder (CSU) haben gute Laune an den Eisbach mitgebracht. Es ist ja auch eine erfreuliche Nachricht für alle Surferinnen und Surfer, die Münchens Oberbürgermeister und der bayerische Ministerpräsident am Mittwochmorgen verkünden: Das Surfen an der Dianabadschwelle wird legalisiert. Bislang war das Wellenreiten dort verboten, wurde jedoch geduldet. Nun soll es offiziell erlaubt werden.
Der Wunsch danach bestehe bei den Sportlern schon lange, erklärt der OB. „Wir machen das möglich.“ Söder geht einen Schritt weiter. München sei ein „Paradies“ für Surfer, Bayern gar „das Kalifornien von Deutschland“. Klar, dass dem weiß-blauen Sunshine State da eine weitere offizielle Welle gut zu Gesicht steht. Und das „schnellstmöglich“, wie Reiter betont. Womöglich könnten im Spätsommer die ersten legalen Wellenritte möglich werden.
Dafür orientieren sich Söder und Reiter am Vorbild der großen Eisbachwelle am Haus der Kunst. Dort hatten Stadt und Freistaat vor rund 15 Jahren einen Grundstückstausch vorgenommen. Bis dahin gehörte der Eisbach als Teil des Englischen Gartens dem Freistaat. Durch den Tausch wurde die Welle Eigentum der Stadt, die das Surfen durch eine Allgemeinverfügung auf eigene Gefahr erlaubte.
Nach dem Tod einer 33-jährigen Surferin im April war der Spot zwei Monate lang gesperrt worden, seit knapp zwei Wochen ist das Surfen dort wieder mit neuen Regeln erlaubt. So müssen die Sportler unter anderem eine selbst lösende Leash nutzen. Zudem ist das Wellenreiten nur noch in Begleitung und nachts gar nicht mehr erlaubt.
Diese Vorgaben sollen nach Reiters Vorstellungen in Zukunft auch an der Dianabadschwelle gelten. Zudem will die Stadt den Ein- und Ausstieg erleichtern, sobald die Grundstücksgeschäfte mit dem Freistaat abgeschlossen sind.
Das ist für viele Surfer bislang ein Problem: Auf der zum Park gelegenen Westseite ließ die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung 2012 einen Zaun errichten, um das bislang geltende Surfverbot durchzusetzen. Der Zugang von dieser Uferseite wurde somit quasi unmöglich. Reiter möchte auf dieser Seite eine „vernünftig erreichbare Welle“ schaffen. Baulich halte sich der Aufwand dafür in Grenzen.
Auf der anderen Seite an der Oettingenstraße konnten die Surfer lange Zeit problemlos ein- und aussteigen – bis zu diesem Winter. Da ließen Anwohner den Zaun auf ihrem Grundstück fast direkt ans Wasser versetzen, weil sie sich von den Sportlern gestört fühlten. Auf dieser Seite des Eisbachs dürfte die Freude über die Legalisierung der Welle also deutlich geringer ausfallen als bei den Sportlern.
Die sind naheliegenderweise höchst erfreut. „Das sind natürlich gute Nachrichten“, sagt Franz Fasel von der Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM). Seit der Versetzung des Zauns sei das Thema E2, wie die Welle an der Dianabadschwelle heißt, „akut“ geworden, erklärt Fasel. Die IGSM sei deshalb bereits seit Längerem mit der Stadt im Gespräch.
Nach dem tödlichen Unfall auf der E1 am Haus der Kunst habe die Debatte darüber pausiert. Dass das Surfen nun auch auf der zweiten Welle im Eisbach erlaubt wird, sei ein gutes Signal. Denn durch die Legalisierung werde das Surfen vor allem eines: sicherer.
Für Fasel und die IGSM geht es nun vor allem darum, zusammen mit der Stadt die genaue Planung zu klären. Wie lassen sich Ein- und Ausstieg möglichst komfortabel gestalten? Lässt sich die Mauer ein wenig absenken, um den bislang recht hohen Sprung ins Wasser abzumildern? Immerhin sind an der Dianabadschwelle meist weniger geübte Surfer unterwegs als am Haus der Kunst. „Das klären wir jetzt alles ab“, sagt Fasel. Wenn alles gut geht, könnte es in etwa zwei Monaten losgehen, hofft er.
Unklar ist auch, ob es neue Regelungen zum Schwimmen im Eisbach geben wird. Das ist auf Anordnung des Freistaats untersagt. Dennoch lassen sich im Sommer viele Menschen den Eisbach hinuntertreiben – und stoßen an der Dianabadschwelle auf die Surfer.

Bislang organisieren sich die Wassersportler untereinander: Die Schwimmer halten sich an einem dort angebrachten Seil fest und warten, bis ein Surfer seinen Wellenritt beendet hat. Oder die Surfer lassen die Schwimmer passieren und springen dann erst auf ihr Brett.
Für Stadt und Freistaat gilt es zudem, noch größere Fragen zu klären. Welches Grundstück gibt die Stadt für das rund 1300 Quadratmeter große Areal an der Dianabadschwelle an den Freistaat ab? Am Mittwoch war dazu noch nichts bekannt. Auch der genaue Zeitplan muss noch erarbeitet werden: Das Baureferat, das für die Umgestaltung an der Welle zuständig sein wird, teilte mit, die Stadt habe erst am Mittwoch „offiziell die Bestätigung erhalten, dass ein Grundstückstausch möglich ist“.
Somit werde es noch dauern, bis das Geschäft abgeschlossen und mit dem Umbau begonnen werden kann. Und das Umweltreferat, das die Allgemeinverfügung für die E1 erarbeitet hat, erklärt auf SZ-Anfrage, man könne sich „zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht zu diesem Thema äußern“. Auf die Referate dürfte aber beträchtliche Arbeit zukommen – und das, nachdem sie erst vor Kurzem den Betrieb auf der großen Eisbachwelle ermöglicht haben.
Könnte die Verantwortung für das legale Surfen an der Dianabadschwelle also nicht der Freistaat als Eigentümer übernehmen? Immerhin könnte man sich so den Grundstückstausch sparen, der ja mit weiterem Verwaltungsaufwand verbunden ist. An der Welle lächelt Söder die Frage weg. Dann verkündet er, durch die gebündelte Zuständigkeit sei alles in einer Hand. Und die Stadt habe schließlich die Profis dafür.


