Zum Tod von Klaus HahnzogDer Libero der Demokratie

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Klaus Hahnzog starb im Alter von 88 Jahren in München.
Klaus Hahnzog starb im Alter von 88 Jahren in München.
Angelika Bardehle

Klaus Hahnzog war Jurist und SPD-Politiker aus Überzeugung. Der ehemalige Münchner Bürgermeister und „Libero des Landtags“ verteidigte nicht nur den Ball, sondern auch die Verfassung. Ein Nachruf.

Von Corinna Koch

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Vieles war Klaus Hahnzog wichtig und nichts war ihm egal. Über Jahrzehnte engagierte er sich leidenschaftlich und mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn für zahlreiche gesellschaftliche und politische Belange. Anstatt nur Paragrafen zu wälzen, wirbelte der promovierte Jurist gerne auch mal Staub auf.

Geboren wurde Hahnzog 1936 in Stuttgart. Die ersten Kriegsjahre erlebte er als Kleinkind, floh von der Stadt aufs Land, erinnerte sich an Angriffe von Tieffliegern. „Das alles hat mich so geprägt, dass ich von klein auf wusste: Ich stehe auf der anderen Seite.“

Die andere Seite bedeutete: Er hat sich sein Leben lang für Frieden engagiert. Aber zunächst kam das Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main, Berlin und München; Hahnzog schloss es mit der Promotion ab. Es folgten Stationen als Staatsanwalt, Richter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht. Eine prägende Zeit, die auch sein politisches Engagement weiter befeuerte.

Seiner Zeit manchmal voraus

Nachdem er 1968 in die SPD eingetreten war, blieb er über 50 Jahre lang Mitglied der Partei, sollte in dieser Zeit auch großen Einfluss auf die sozialdemokratische Landes- und Kommunalpolitik nehmen. Dabei war Hahnzog seiner Zeit auch manchmal voraus. Als er 1973 Münchner Kreisverwaltungsreferent wurde, organisierte er das Amt kurzerhand neu. Manche seiner Handlungen waren für die damalige Zeit geradezu revolutionär: Während seiner Zeit im Rathaus erlaubte Hahnzog das erste Münchner Straßenfest und zog außerdem gegen die Stadt vor Gericht: Er erstritt ein eigenes Antragsrecht für städtische Referenten gegen den CSU-OB Erich Kiesl.

Der promovierte Jurist war der Auffassung, dass Demokratie gelebt werden müsse: „Die Verfassung ist nichts Abstraktes, sie ist eine Werteordnung, die für jeden Einzelnen konkret von Bedeutung ist.“ Auch Konfrontationen scheute er nicht, war immer wieder auch auf Demonstrationen gegen Neonazi-Aufmärsche auf der Straße zu sehen. Dabei kannte er die Spielregeln des Gesetzes so gut wie kaum ein anderer.

Vielen in München blieb er wohl auch in seiner Funktion als dritter Bürgermeister im Gedächtnis. Das Amt bekleidete Hahnzog von 1984 bis 1990, dort widmete er sich politisch den Themen Soziales, Umwelt, Kultur, Ausländerfragen und Sport. Von 1990 bis 2003 saß er außerdem als Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Anschließend war er noch viele Jahre lang nichtberufsrichterliches Mitglied des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs.

Er spielte Fußball in der Landtagsmannschaft

In seinem politischen Leben machte er sich für die Belange von Menschen stark, die dies nicht selbst konnten. Hahnzog forderte unter anderem mehr Bürgerbeteiligung, „Vorrang für sozial Schwache“ und ein humanitäres Einwanderungsrecht. Als überzeugten Sozialdemokraten trieb ihn ein starker Sinn für Gerechtigkeit an. Er war in zahlreichen Initiativen, Vereinen und Organisationen Mitglied, engagierte sich unter anderem auch in der Gedenkarbeit, für die KZ-Gedenkstätte Dachau und die Weiße-Rose-Stiftung. Für sein Engagement wurde ihm die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold verliehen.

Mit Leidenschaft kämpfte er auch in seiner Freizeit für Fairness. Selbst im hohen Alter spielte Hahnzog noch Fußball in der Mannschaft des Bayerischen Landtags, die er als Kapitän anführte. Dort gilt der „Libero des Landtags“ als sportliche Legende.

Kurz vor seinem 89. Geburtstag starb Hahnzog im Kreis seiner Familie am vergangenen Montag. Die Trauerfeier findet am 23. September, 10.30 Uhr,  auf dem Friedhof am Perlacher Forst statt.

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