Bei der Biennale Architettura 2025 in Venedig wird der Münchner Videokünstler und Fotograf Christoph Brech im Deutschen Pavillon dabei sein und unter anderem seine Installation „Schwarm“ zum Thema „Stresstest“ zeigen. Man ahnt es, es geht um den Klimawandel, darum, wie sich das Leben in unseren überhitzen Städten verändert.
Doch braucht man nicht nach Venedig zu fahren. Brechs Gedanken und Visionen über die Einflussnahme des Menschen auf die Natur und die verheerenden Folgen werden auch in Metamorphosis – Change For Nature sichtbar, einem multimedialen Konzertprojekt, das er gemeinsam mit Mitgliedern der Münchner Philharmoniker am 6. März in der Muffathalle vorstellt.
In kammermusikalischer Besetzung sind dort Richard Strauss’ „Metamorphosen“, John Adams’ „Shaker loops“ und der fünfte Satz aus Beethovens „Pastorale“ zu hören sein. Brech, der sich in den meisten seiner Arbeiten mit der Visualisierung von Musik beschäftigt und selbst Instrumente spielt, begleitet jedes dieser Stücke mit einem Video.
Um schon mal etwas zu spoilern: Es wird um Fernambuk gehen, jenes seltene Holz, aus dem seit Jahrhunderten hochwertige Bögen für Streichinstrumente gefertigt werden. Der Baum ist stark gefährdet. Die Phili-Musiker unterstützen zwei Wiederaufforstungsprojekte. Das Publikum sollte unbedingt auf die Bögen der Musikerinnen und Musiker achten, sie werden eine besondere Rolle spielen.
Denn Christoph Brech und sein Team – Korbinian Bubenzer und Hubert Sedlatschek – haben sich da etwas einfallen lassen, das man so wohl noch nicht gesehen hat. Allerdings hat ihnen die Höhe der Muffathalle ziemliches Kopfzerbrechen bereitet. Brech ist aber optimistisch, dass am Konzertabend alles hinhauen wird. Vergleichsweise problemlos lief der Dreh in Hellabrunn, wo Brech – unter Aufsicht von Tierpflegern – Wanderheuschrecken filmte. Sie werden zu John Adams’ „Shaker loops“ an Blättern knabbern.

John Adams ist in diesem jungen Jahr bei den Philharmonikern präsent wie nie. In ihrer Schwerpunktreihe „American Dreams“ war Mitte Januar sein „Christian Zeal and Activity“ beim Konzert mit Pianistin Alice Sara Ott zu hören. Jetzt wird Adams, einer der bedeutendsten zeitgenössischen amerikanischen Musiker, in der Doppelrolle als Dirigent und Komponist zum ersten Mal nach München kommen. Ein „portrait en miniature“ des 78-Jährigen ist angekündigt für den 12. und 13. März in der Isarphilharmonie.
Mit „Nixon in China“ (1987), dem vielleicht einflussreichsten Musiktheaterstück der Nachkriegszeit, wurde Adams über die Minimal-Music-Szene hinaus bekannt. Nixon, Kissinger und Mao Tse-tung singend auf einer Opernbühne – kein Wunder, dass das Werk zum moderne Klassiker wurde und quasi überall gespielt wird. Was die Frage aufwirft: Wann widmet sich Adams dem aktuellen 47. US-Präsidenten?
Beim Konzert in der Isarphilharmonie allerdings dirigiert Adams sein großes Orchesterwerk „Harmonielehre“ und die atemlose Orchesterfanfare „Short Ride in a Fast Machine“, die er 1986 ganz unter dem Eindruck einer verstörend rasanten Ausfahrt im italienischen Sportwagen eines Freundes geschrieben hatte. Knapp 100 Jahre zurück führen Debussys „Cinq poèmes de Baudelaire“ 1889, vier der fünf Lieder aus dem legendären „Les Fleurs du Mal“ hat Adams orchestriert. Dass sie an diesem Abend von der wundervollen Sopranistin Christiane Karg interpretiert werden, ist ein Glücksfall.

