Was läuft in der KlassikMünchner Konzert-Höhepunkte im Juni

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„Es ist einzigartig, und es ist eines der unterschätztesten Meisterwerke der Musikgeschichte“, schwärmt Pianist Igor Levit im BRSO-Programmheft über Ferruccio Busonis Klavierkonzert  C-Dur, op. 39.
„Es ist einzigartig, und es ist eines der unterschätztesten Meisterwerke der Musikgeschichte“, schwärmt Pianist Igor Levit im BRSO-Programmheft über Ferruccio Busonis Klavierkonzert  C-Dur, op. 39. Hannes P Albert/picture alliance/dpa

Im Museum Brandhorst treffen Klangbilder von John Cage auf die Gemälde von Cy Twombly, in der Isarphilharmonie präsentieren Igor Levit und Antonio Pappano ein großes Klavierwerk von Busoni.

Von Jutta Czeguhn

In diesem Saal verdichtet sich alles aufs Schönste, bildende Kunst, Poesie – und nun kommt noch die Musik hinzu. Wo sind wir? Im Museum Brandhorst, im Obergeschoss des Hauses. US-Künstler Cy Twombly hat für diesen lichten, großen Raum 2008 sechs riesige Rosengemälde geschaffen. Die kräftigen Farben rinnen, tropfen, wer genauer hinsieht, erkennt zudem zarte Buchstabenreihen auf den Holztafeln. Es sind Verse berühmter Dichterinnen und Dichter, der Rose gewidmet. Rainer Maria Rilkes selbstverfasste Grabinschrift etwa, oder Emily Dickinsons „The Soul has Bandaged Moments“. Bei allen hat Twombly (1928–2011) kleine Änderungen vorgenommen, erzeugt feine Irritationen in der Versstruktur.

Was ihn mit John Cage (1912–1992) verbinden dürfte, dem großen Klangavantgardisten. Wer die Ausstellung „Fünf Freunde. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“ noch nicht gesehen hat, sollte dies unbedingt nachholen (bis 17. August). Das Brandhorst zeigt Kunstwerke, Partituren, Bühnenrequisiten, Kostüme, Fotografien und Archivalien dieser Künstler, die in einem intimen Austausch waren und die den ästhetischen Diskurs der Nachkriegszeit in Musik, Tanz und bildender Kunst so nachhaltig geformt haben. Zudem präsentiert das Museum in Kooperation mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Rosensaal spannende Kammermusikabende.

Wie geschaffen für die Begenung von Kunst und Musik: Der sogenannte Rosensaal im Museum mit den Werken des US-Künstlers Cy Twombly.
Wie geschaffen für die Begenung von Kunst und Musik: Der sogenannte Rosensaal im Museum mit den Werken des US-Künstlers Cy Twombly. Florian Peljak

Am 17. Juni, 19 Uhr, spielen Mitglieder des BRSO dort John Cages „Atlas Eclipticalis“ (1961/62). Erstaunlich ist allein schon die Entstehungsgeschichte des Werkes: Der Komponist arbeitete mit dem gleichnamigen Sternenatlas des tschechischen Astrologen Antonín Becvár, legte transparentes Notenpapier über die Karte und setzte darauf einen Punkt, wo immer durch das Papier ein Stern „durchschien“. Für die Musikerinnen und Musiker eröffnen sich jedoch bei jeder Aufführung neue, unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten bei der Interpretation dieses ungewöhnlichen Notenmaterials. Im zweiten Teil des Abends im Rosensaal sind Erik Saties Klavierzyklen „Gymnopédies“ (1888) und „Gnossiennes“ (1889–1897) zu hören, sie zählen zu den berühmtesten Werken des französischen Avantgardisten.

Musik und bildende Kunst. Hier kam es Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem beeindruckenden, kuriosen Akt der Verbildlichung. Ferruccio Busoni wandte sich 1904 an den Worpsweder Künstler Heinrich Vogeler und gab bei ihm für sein Klavierkonzert op. 39 eine Lithografie in Auftrag. Das architektonisch-landschaftlich-symbolistische Bild fertigte dieser dann nach einer Skizze des Maestro an. Eine ziemlich mystisch verschnörkelte Darstellung kam dabei heraus, auf der unter anderem der Vesuv raucht, eine Wunderblume und ein Wundervogel einen Tempel umranken, vor dem eine Sphinxfigur wacht.

Es ist jedenfalls viel los auf dieser Jugendstilgrafik, was Busonis opulentem Werk auch voll und ganz entspricht. Man kann es erleben am 19. und 20. Juni in der Isarphilharmonie, wenn dort Igor Levit zusammen mit dem Symphonieorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks musiziert. Esa-Pekka Salonen musste seine Mitwirkung bei diesen Konzerten absagen. Für ihn übernimmt Antonio Pappano.

Einen, den Ferruccio Busoni hoch verehrt haben muss, ist Franz Schubert, denn er hat etliche seiner Werke für Klavier arrangiert. Einen Original-Schubert, den „Schwanengesang“ nach Liedern von Ludwig Rellstab und Heinrich Heine, zudem Lieder von Henri Duprac präsentieren im Rahmen des Nymphenburger Sommers der Tenor Christoph Prégardien und der Pianist Amadeus Wiesensee. Das Konzert am 24. Juni, 19.30 Uhr, findet nicht im Hubertussaal des Schlosses, sondern in der Allerheiligen-Hofkirche. statt. Auf Grund von Renovierungsmaßnahmen steht der Hubertussaal derzeit nicht zur Verfügung.

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