Schier unüberschaubar scheint die Anzahl junger Streichquartette, die auf den Klassikmarkt drängen. Zumeist sind es exzellent ausgebildete Absolventen internationaler Musikhochschulen, die im Ensemble ihren Weg auf die Bühnen der Welt finden wollen. Zehn Quartette werden sich beispielsweise am kommenden Wochenende (vom 10. April bis 12. April) beim „International String Quartet Competition“ im Kurhaus von Bad Tölz einer Jury stellen.
Kreativ im Quadrat sind auch die Namen: Alinea Quartett, Ast Quartet, Kandinsky Quartet, Quartetto Pegreffi, Moser String Quartet, Absalon String Quartet, Turicum Quartet, Atenea Quartet, Isla String Quartet und Quartet Kairi. Wer wird sich durchsetzen, welche dieser Namen wird man sich merken müssen?
Die Mitglieder des Berliner Leonkoro Quartet – der Name bedeutet Löwenherz in Esperanto – wissen definitiv, wie sich all ihre Kolleginnen und Kollegen fühlen, die jetzt in Bad Tölz antreten. 2019 von den Brüdern Jonathan (erste Violine) und Lukas Schwarz (Cello) gegründet, hat das Ensemble vom Start weg überall siegreich abgeräumt, unter anderem beim Wigmore Hall International String Quartet Competition in London oder beim Internationalen Streichquartettwettbewerb in Bordeaux.

Mittlerweile bespielen die Schwarz-Brüder sowie Emiri Kakiuchi an der zweiten Violine und Mayu Konoe an der Bratsche die ganz großen Konzertsäle wie etwa die Tonhalle Zürich, die Philharmonie Berlin, das Wiener Konzerthaus, sie touren durch Asien, Australien oder Nordamerika. Am 14. April aber sind die vier im Münchner Prinzregententheater, unter anderem mit Schuberts „Der Tod und das Mädchen“.
Auch sie ist jung – im August wird sie 32 – und auch sie hat sich im hart umkämpften Mark durchgesetzt, hält den Druck aus, ständig Eindruck machen zu müssen, wie es in einer sehr sehenswerten ARD-Doku über die russische Cellistin Anastasia Kobekina heißt. In „Jetzt oder nie!“ wird sie von einem Filmteam auf ihrem Weg vom ersten Solo-Album bis zu den BBC Proms in London begleitet. Es geht um Selbstvermarktung, Social Media, um das anstrengende Tourleben, die Erfüllung auf der Bühne. Am 20. April ist auch sie im Prinzregententheater zu erleben, zusammen mit dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg unter der Leitung von Aziz Shokhakimov. Ausgewählt für den Abend in München hat Kobekina Elgars melancholisches Cellokonzert op. 85 e-Moll.
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„Hayato Sumino thinks fashion is more radical in NYC than Tokyo.“ 10 900 Likes gibt es für diesen Instagram-Feed, das den Japaner zeigt, wie er im schwarzen Konzertanzug, mit Fliege, die Hände lässig in den Hosentaschen vergraben, auf einem Zebrastreifen in einer für New York geradezu dörflich verschnarchten Straße steht. Der 31-Jährige ist kein professionelles Model, obwohl er mit seinem gelockten, dunklen Haar und dem versonnenen Blick souverän als ein Laufsteg-Idol durchgehen könnte.
Doch Hayato Sumino, der sich auch Cateen nennt, ist einer der talentiertesten Pianisten der Welt. Das wissen auch seine knapp 500 000 Follower auf Instagram, auf Youtube begleiten den Musiker dreimal so viele Abonnenten, und acht Millionen klicken rein, wenn Cateen dort Chopin Etudes Op.25 No.11 spielt.
Live erleben kann ihn das Münchner Publikum am 22. April in der Isarphilharmonie, wenn er dort zusammen mit dem Aurora Orchestra aus London unter Leitung von Nicholas Collon auftritt. Das erstaunliche Programm des Abends: Ravels „Boléro“, John Adams „Short Ride in a Fast Machine“, Gershwins „Rhapsody in Blue“ und Strawinskys „Le sacre du printemps“.

Ebenfalls aus Japan stammt Nobuyuki Tsujii, den seine Fans „Nobu“ nennen. Auf seinem Youtube-Kanal postet der 37-Jährige eine Mini-Doku, die 2024 in Berlin gedreht wurde, als er dort für die Deutsche Grammophon sein Debütalbum aufnahm. Im Film erzählt Tsujii, wie er im Alter von acht Monaten Chopin hörte und dazu mit seinen Füßchen wippte. Mit zwei Jahren bekam der Junge ein Spielzeugpiano, auf dem er den ganzen Tag klimperte. Mit vier dann der erste Klavierunterricht, die Noten in Braille-Musikschrift, denn Nobuyuki Tsujii wurde blind geboren. Heute studiert er seine Stücke gemeinsam mit einem Assistenten ein, und memoriert sie. Bei seinem Klavierabend am 27. April im Prinzregententheater spielt Tsujii unter anderem Beethovens „Mondscheinsonate“ und Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“

