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Personalnot:Stadt plant Werbekampagne für mehr Erzieherinnen

In München fehlt viel Fachpersonal in Kitas und Heimen.

(Foto: Robert Haas)
  • 39 Kitas sollen in den kommenden Jahren neu errichtet werden, ab 2025 besteht Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. Doch der Stadt fehlt es "massiv" an Erzieherinnen und Kinderpflegern.
  • Eine neue Werbestrategie des Bildungsreferats soll 2020 starten. Die kalkulierten Kosten belaufen sich auf mehrere Hundertausend Euro. Auch das Sozialreferat will eine eigene Kampagne starten.
  • Die kirchlichen und gemeinnützigen Sozialverbände kritisierten das Vorhaben der Stadt jedoch scharf.

Die Stadt hat schon viel versucht. Sie hat zum Beispiel das Gehalt ihrer Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen seit 2006 um mehr als die Hälfte erhöht. Sie wirbt in mehreren Ländern um Personal, und sie erprobt auch neue Ausbildungswege, um mehr Menschen für die Arbeit in einer Kindertagesstätte zu begeistern, zum Beispiel "Optiprax", eine verkürzte Ausbildung, oder die erst 2019 eingeführte Schulung zur "Fachkraft für Grundschulkindbetreuung". Doch es reicht nicht.

München wächst und wächst. Die Zahl der Krippen- und Kindergartenkinder ist seit 2006 um 30 Prozent auf etwa 100 000 angestiegen. Am Dienstag haben mehrere Ausschüsse des Stadtrats beschlossen, 39 Kitas in München neu zu errichten oder zu erweitern. Doch um diese auch zu betreiben, braucht es Personal. Der Bedarf wird zusätzlich steigen, wenn 2025 der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz kommt, den die Bundesregierung plant. Und die Lage hat sich trotz allem Bemühen der Stadt noch verschärft.

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Der Personalmangel sei "eklatant gestiegen", heißt es in einer Vorlage des Bildungsreferats, über die der Kinder- und Jugendhilfeausschuss des Stadtrats am Dienstagnachmittag beraten hat. Derzeit seien in den städtischen Kindertagesstätten sowie Grund- und Förderschulen jeweils mehr als elf Prozent der Vollzeitstellen für Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen unbesetzt. Insgesamt gibt es laut Bildungsreferat 3063 Stellen für Erzieherinnen, davon sind 350 offen; außerdem bietet die Stadt 1653 Vollzeitstellen für Kinderpflegerinnen an, 191 davon sind nicht besetzt. Dem Sozialreferat ergeht es noch schlimmer: Von 182 Vollzeitstellen für Erzieherinnen sind 30 Prozent offen. Im Münchner Kindl-Heim, dem Waisenhaus, dem Marie-Mattfeld-Haus und dem Jugendhilfeverbund "Just M", in denen Erzieherinnen im Schichtdienst arbeiten, sind sogar 36 Prozent der Stellen nicht besetzt.

Abhilfe schaffen soll ein ganzes Bündel an Maßnahmen, unter anderem sollen Einstellungen künftig schneller ablaufen. Vor allem aber soll eine neue Werbekampagne helfen. Die Stadt hat damit gute Erfahrungen gemacht: Schon 2013 begann das Bildungsreferat, mit Anzeigen, Plakaten und anderem gezielt um Erzieherinnen zu werben, und das brachte Erfolg. Bis einschließlich 2016 stiegen die Bewerberzahlen an. Mittlerweile aber gehen sie wieder zurück. Eine neue Kampagne soll jetzt für neuen Schwung sorgen und sich nicht mehr nur an Erzieherinnen richten, sondern auch an Kinderpfleger sowie an Heil-, Kindheits- und Sozialpädagogen - und zudem gleichermaßen an Frauen und Männer; so lasse sich zusätzlich der Männeranteil in den städtischen Kitas erhöhen. Dieser liegt derzeit bei nur sieben Prozent.

Die neue Werbestrategie des Bildungsreferats soll für 250 000 Euro entwickelt werden; der Start der Kampagne 2020 soll weitere 100 000 Euro kosten. Von 2020 an will das Referat dann jährlich 100 000 Euro investieren. Es setzt so große Hoffnung auf die Werbung, dass es sich auch von Vorgaben des Stadtrats nicht bremsen lässt: Der hatte im Juli nur 100 000 Euro im Jahr freigegeben. Die darüber hinaus anfallenden 250 000 Euro will das Referat jetzt einfach selbst bezahlen. Das Bildungsreferat habe keine schwarze Kassen, sagte Stadtschulrätin Beatrix Zurek am Dienstag im Rathaus. Die Kampagne sei aber so wichtig, dass man eben anderswo spare, etwa bei Dienstreisen und Fortbildungen, erklärte Susanne Herrmann, Leiterin des Geschäftsbereichs Kita im Bildungsreferat.

Und dabei bleibt es nicht, denn parallel plant nun auch das Sozialreferat eine eigene Kampagne. Bisher hätten die Einrichtungen des Stadtjugendamts nicht von der Werbekampagne des Bildungsreferats profitiert, heißt es in einer Vorlage des Sozialreferats. Für 50 000 Euro will das Referat daher 2020 selber Werbung machen.

Der Sozial- sowie der Kinder- und Jugendhilfe-Ausschuss des Stadtrats haben den Plänen der zwei Referate am Dienstag zugestimmt. Nur Sebastian Weißenburger (Grüne) mahnte, die Stadt müsse aufpassen, dass sie damit nicht einfach den freien Trägern die Fachkräfte ausspanne. Das Ziel müsse sein, dass es in München insgesamt mehr Erzieherinnen gebe.

Die kirchlichen und gemeinnützigen Sozialverbände kritisierten das Vorhaben der Stadt scharf. Sie sei verwundert, sagte Andrea Betz, die Sprecherin der sechs großen Münchner Verbände. "Es geht doch um die Betreuung von allen Münchner Kindern!" 2016 habe der Stadtrat beschlossen, eine trägerübergreifende Werbekampagne zu konzipieren. Es seien bereits Vorschläge gesammelt und Ideen formuliert worden. 2018 aber sei dieses Projekt gestoppt worden - und nun plane die Stadt eine Werbekampagne nur für sich selbst. Wenn der Stadtverwaltung nicht an einer Zusammenarbeit mit den freien Trägern gelegen sei, würden diese beantragen, eine eigene Werbekampagne ins Leben zu rufen.

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