bedeckt München 29°

Minihaus in Obermenzing:Wenn Öko-Superhelden die Welt retten

Das wissen die Kinder im Minihaus schon ziemlich gut, das Sortieren wird geübt.

(Foto: Catherina Hess)

Den Wald aufräumen? Müll sortieren? Für manche Kinder ist das Alltag.

Von Jakob Wetzel

Der kleine Knud sei im Wald spazieren gegangen, erzählt Elke Hefele den Kindern. Da sei er müde geworden und habe sich hingelegt - und dann hätten Leute einfach lauter Müll auf ihn gelegt. "Macht man das?" Nein, rufen die, natürlich nicht. Hefele ist Erzieherin im Minihaus an der Menzinger Straße, einer privaten Kindertagesstätte in Obermenzing. Es ist ein Freitag, gerade sitzt sie mit sechs vier bis fünf Jahre alten Kindern im Kreis in einem Raum im Untergeschoss, überall sind Folien, Papierfetzen und Plastikflaschen verteilt, und in der Mitte liegt Knud: ein kleines grünes Stofftier mit Rucksack und einer Art gelben Blume auf dem Kopf, begraben unter einem Berg Zeitungspapier. Vom Müll haben ihn die Kinder rasch befreit - und jetzt geht es an den Rest des Zimmers. "Wollt ihr Knud helfen, den Wald wieder sauber zu machen?", fragt Hefele. Und los geht's: Die Kinder ziehen sich Handschuhe und Warnwesten an, das Papier kommt in eine blaue Metallkiste, Plastik in eine gelbe, Pfandflaschen in einen roten Korb. Nach wenigen Minuten ist alles blitzblank. Und zum Schluss singen die Kinder: "Zusammen sind wir stark und retten die Welt, denn jeder von uns ist ein Öko-Superheld."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Kinder im Minihaus an der Menzinger Straße das Sortieren von Müll geübt haben. Die Kita bemühe sich seit Jahren um Umweltbildung, sagt Hefele. Doch im vergangenen Jahr hat der Träger seine Bemühungen intensiviert. Sieben Minihäuser betreibt er in München, alle haben jeweils eigene Projekte zur Umweltbildung entwickelt, und alle sieben sind dafür vom Landesbund für Vogelschutz mit dem Siegel "Ökokids" ausgezeichnet worden.

Wo gehört der Abfall hin?

(Foto: Catherina Hess)

An der Menzinger Straße haben Hefele und ihre Kollegin Katharina Getz das Projekt angeschoben und begleitet. Sie haben nicht nur Müllsammeln geübt; mit den Kindern haben sie sich auf mehrere Projekte geeinigt und etwa ein Insektenhotel gebastelt, Schmetterlinge gezüchtet und Blumenkästen angelegt, in denen sie Tomaten angebaut haben, die freilich im Pfingstunwetter 2019 kaputt gegangen seien, sagt Getz. Beim Sommerfest verzichtete die Kita dann auf Luftballons, Strohhalme und Einweggeschirr - bei keinem Sommerfest bisher, sagt Getz, hätten sie hinterher so schnell aufräumen können.

In diesem Jahr will sich das Minihaus wieder um das "Ökokids"-Siegel bewerben. Und es sind weitere Projekte geplant: Zum Beispiel stünden sie in Kontakt mit dem Förster von der Angerlohe, vielleicht könne man im Wald Müll sammeln gehen, sagt Elke Hefele. Das sei wenige Stationen mit dem Bus entfernt, und die Kita lege ohnehin wöchentlich einen Waldtag ein. Bereits jetzt spricht das Minihaus mit Zulieferern, um den Müll zu reduzieren; der Bäcker etwa liefere statt in Tüten schon in großen Boxen, sagt Hefele. Um auch die Eltern einzubinden, hat die Kita den Kindern zuletzt Stofftaschen mitgegeben, als Ersatz für Plastiktüten.

Für das diesjährige Sommerfest wollte die Kita aus dem gesammelten Abfall eigentlich ein großes Müllmonster bauen und es als Mahnmal in den Vorgarten stellen. Daraus wurde wegen der Coronakrise vorerst nichts; nach den Sommerferien soll die Idee aber wieder aufgegriffen werden. Die Zwangspause wegen des Coronavirus hat die Kita dagegen unter anderem dafür genutzt, um einen Nistkasten zu bauen. Die Kinder erhielten Anleitungen, zum nachbasteln. An der Kita hängt der Kasten inzwischen - und es lebt auch schon eine Starenfamilie darin.

© SZ vom 21.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite