Es ist etwas in Bewegung bei den Kindertagesstätten und den Kosten, das ist klar – wie sich das für die Münchner Eltern auswirken wird, ist allerdings noch schwer zu greifen. Die Entwicklungen: Mitte November sagte der Freistaat zu, seine Förderung für die Kitas zu erhöhen, zwei Wochen vorher beschloss der Münchner Stadtrat, den Essenszuschuss zu streichen. Und dann steht im März die Kommunalwahl an, und es ist davon auszugehen, dass danach darüber gesprochen wird, wie teuer ein Kitaplatz in München überhaupt sein darf – und sein muss, in Zeiten klammer Kassen.
Dass Bayern die Kitas mit mehr Geld ausstatten will, hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zusammen mit der Ankündigung bekanntgegeben, das Kinderstartgeld in Höhe von 3000 Euro, das von Januar kommenden Jahres an geplant war, zu streichen. Das hatte viele Eltern empört. Die Kita-Träger indes zeigen sich vorsichtig optimistisch: Künftig sollen ihre Betriebskosten zu 80 Prozent statt wie bisher zu 60 Prozent finanziert werden.
Ob das für Eltern mehr Kitaplätze, mehr Personal oder niedrigere Gebühren bedeuten kann? Das ist offen, Details zur Gesetzesänderung sind noch nicht bekannt.
Noch tun sich die großen Kita-Träger schwer damit zu beurteilen, wie sich ihre finanzielle Situation konkret verändern wird. „Was aus der angekündigten Erhöhung des Freistaats tatsächlich bei den Kitas ankommt, bleibt erst abzuwarten. Weder wissen wir momentan, welchen Einrichtungen das Geld zur Verfügung stehen wird, noch in welcher Form“, sagte Gabriele Kaufmann aus dem Fachbereich Kita der Caritas. Die finanzielle Planung beeinflusse die Ankündigung aus dem Kabinett also bisher nicht.
Die geplante Änderung stabilisiere aber grundsätzlich das Kitasystem, sagte Karin Majewski vom Paritätischen: „Familien brauchen ein verlässliches und stabiles Kitasystem – dieses war zuletzt ernsthaft gefährdet, erste Einrichtungen waren bereits insolvent.“ Die finanzielle Situation der privaten Kitabetreiber werde sich mit einer höheren Förderung durch den Freistaat ein bisschen verbessern, sagte Benjamin Tajedini, Vorstandsvorsitzender des Dachverbands der privaten Kitaträger (DBTK). Das sei auch nötig: „Dieses Jahr war schwierig für die privaten Träger. Die Geburtenraten sind gesunken, und das Leben ist für alle teurer geworden.“

Auch wenn noch nicht feststeht, was konkret im Baykibig, dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz, geändert wird und wie sich das auf die Münchner Kitalandschaft auswirken wird – auch im Bildungsreferat geht man davon aus, dass mit der verbesserten Betriebskostenförderung alle Kommunen und Träger in Bayern entlastet werden.
Im Moment müssen sie sich noch in Söder-Exegese üben
Das hoffen auch die großen Fraktionen im Stadtrat, von denen nach der Kommunalwahl am 8. März 2026 wohl zwei, in welcher Koalition auch immer, entscheiden werden, wie es mit den Gebühren für die Eltern und der Förderung der Kitas durch die Stadt weitergehen wird. Im Moment müssen sie sich noch in Söder-Exegese üben, weil niemand weiß, wie seine Ankündigungen zu den Kitas im Gesetz genau umgesetzt werden. „Wir hängen da noch voll in der Luft“, sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Sebastian Weisenburger.
Seine SPD-Kollegin Anne Hübner und auch CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl betonen wie auch Weisenburger, dass sie die Gebühren in den kommunalen Kitas und den von der Stadt geförderten Einrichtungen am liebsten so günstig halten wollen wie bisher. Ob das auch gelinge, sagt der Grüne Weisenburger, „hängt unmittelbar damit zusammen, wie viel Geld vom Freistaat hereinkommt“.
Auch für Anne Hübner soll es nicht am Willen der Stadt liegen. „Wir werden alles uns Mögliche tun, um Familien auch künftig so gut es geht zu entlasten“, sagt sie. Sollte aber vom Freistaat zu wenig Geld ins Kitasystem fließen und die Stadt das finanziell nicht mehr ausgleichen können, sei es möglich, dass „insbesondere besserverdienende Eltern wieder einen etwas höheren Eigenanteil leisten müssen“. Es wäre nicht ehrlich, jetzt zu versprechen, „dass die Gebühren auf Dauer eingefroren werden können“.
CSU-Fraktionschef Pretzl hält eine Staffelung jedoch für schwierig. Als die günstigen Gebühren beschlossen worden seien, habe die Verwaltung erklärt, dass sich ein solches System nicht rechne. Denn es werde dadurch weniger Geld eingenommen als für die Berechnung und Kontrolle gestaffelter Gebühren ausgegeben werden müsste. „Wir müssen alles dafür tun, die Belastung für junge Familien möglichst gering zu halten.“

Grundsätzlich gehe die Reform des Freistaats „in die richtige Richtung“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Hübner. Denn ein Großteil der Einrichtungen kann derzeit nicht wirtschaftlich arbeiten, weshalb die Stadt kräftig zuschießt. Mit der Münchner Kitaförderung (MKF) gleicht sie die Defizite der teilnehmenden Kitas aus. Die Löcher in der Finanzierung sollen durch die Gesetzesreform kleiner werden. Da sich aber immer mehr Einrichtungen unter den Schutzschirm der MKF begeben, steigt die Fördersumme insgesamt an. Gut möglich, dass es am Ende auf ein Nullsummenspiel im Haushalt der Stadt hinausläuft.
Jede genehmigte Kita in Bayern erhält eine Förderung über das Baykibig, in München sind das rund 1550 Einrichtungen. Etwa 460 davon sind städtische Kitas, die übrigen Kitas werden von freien Trägern aus der Wohlfahrt, von Kirchen, privaten Unternehmen oder Eltern-Kind-Initiativen betrieben. Von diesen rund 1100 freien Kitas werden Mitte November 629 Kitas zusätzlich zum Baykibig städtisch gefördert, über die sogenannte Münchner Kitaförderung (MKF). Zum Januar planen nach Angaben des Dachverbands der privaten Kitas (DBTK) weitere private Einrichtungen den Einstieg in die kommunale Förderung. Die anderen Kitas finanzieren sich über höhere Elternbeiträge.
Ein Kita-Platz kann bis zu 1000 Euro im Monat kosten
Das führt dazu, dass die Kitakosten in der Stadt sehr unterschiedlich sind: Ein Krippenplatz für bis zu acht Stunden kostet in städtisch geförderten Kitas 198 Euro, in anderen Kitas kann er bis zu 1000 Euro im Monat kosten. Der Besuch des Kindergartens ist für die meisten kostenlos, es gibt aber auch Einrichtungen, in denen ein Platz mehrere Hundert Euro monatlich kostet. Hinzu kommt das Essensgeld.
Und das beschäftigt derzeit viele Eltern, denn in vielen Einrichtungen wird das Essensgeld in den kommenden Wochen erhöht. Nicht betroffen sind die städtischen Kitas. Bisher hatte die Stadt das Essen mit bis zu 3,50 Euro pro Kind und pro Tag in 275 MKF-geförderten Einrichtungen bezuschusst – der größere Teil dieser Kitas hatte den Zuschuss nicht in Anspruch genommen. Ab dem kommenden Jahr fällt der Zuschuss weg; um den auszugleichen, dürfte das monatliche Essensgeld um 60 bis 70 Euro erhöht werden, sagte eine Sprecherin des Bildungsreferats.

Doch daran ist keine Kita gebunden. Erhalten sie keinen Zuschuss mehr von der Stadt, können die Kitas – mit Ausnahme der städtischen – selbst entscheiden, wie viel Essensgeld sie von den Eltern verlangen. Bei den privaten Trägern sind das bereits jetzt durchschnittlich 250 bis 280 Euro im Monat, sagte Tajedini vom DBTK. Mit Ausreißern nach oben, wie der Summe von 349 Euro monatlich beim Träger Infanterix. „Das Essensgeld darf aber keine zweite Kita-Gebühr werden“, fordert SPD-Fraktionschefin Hübner.
In den Kitas des Paritätischen werde das Essensgeld zum neuen Jahr erhöht. Auf welche Höhe, dazu machte der Verband keine Angaben. „Das Ziel aller Träger ist es, die finanzielle Belastung für Familien so gering wie möglich zu halten“, sagte Karin Majewski.
Die Diakonie erhöht das Essensgeld von 140 auf 220 Euro monatlich, bisher hatte man den städtischen Zuschuss in allen Einrichtungen in Anspruch genommen, sagte Andrea Betz, Vorstandssprecherin der Diakonie München und Oberbayern. „Wir haben lange mit dieser Entscheidung gerungen. Denn wir wissen, dass diese Erhöhung für eine Reihe von Familien eine zusätzliche finanzielle Belastung ist.“
Auch in den 18 Caritas-Kitas wird das Essensgeld zum Januar erhöht, auf 240 Euro dort, wo Kinder drei Mahlzeiten pro Tag bekommen, und auf 192 Euro dort, wo es nur ein Mittagessen gibt, teilte eine Sprecherin mit. Im entsprechenden Caritas-Schreiben an die Eltern wird die Einstellung des möglichen Zuschusses der Stadt auch prominent erwähnt. Allerdings hat die Caritas diesen nach Angaben des Bildungsreferats bisher nicht in Anspruch genommen.
Das Sozialreferat hatte schon früh gewarnt: Wenn der Zuschuss der Stadt zum Mittagessen wegfällt, könnten noch einmal deutlich mehr Eltern die Wirtschaftliche Jugendhilfe (WJH) beantragen. Wie hoch die zusätzlichen Ausgaben sein werden, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös beantwortet werden, teilte ein Sprecher des Sozialreferats mit, da nicht bekannt sei, wie stark die Kita-Träger die Essenspauschalen tatsächlich anheben werden. Ebenso wenig lasse sich voraussagen, ob und wie sich die erhöhte Kitaförderung des Freistaats auf die Elternbeiträge und somit auf die Ausgaben der WJH auswirken werde. Klar ist nur: Es ist einiges in Bewegung in der Kitafinanzierung.

