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Änderungen ab Herbst:Was Eltern über die neue Kita-Förderung wissen sollten

Lesezeit: 4 min

Wer von den Neuerungen betroffen ist, wie viel ein Kita-Platz künftig kostet - und was, wenn man die hohen Gebühren nicht zahlen kann? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Kathrin Aldenhoff

Es steht fest: München verändert die Art und Weise, wie die Stadt Kitas bezuschusst. Dafür stehen jedes Jahr 170 Millionen Euro zur Verfügung. Am Mittwoch hat die Vollversammlung des Stadtrats das neue Fördermodell beschlossen, bis zuletzt war nachgebessert worden. Denn es gab und gibt viel Kritik an dem neuen Modell. Ein Überblick, was sich nun ändert - und was nicht.

Ab wann gelten neue Elterngebühren in den Kitas?

Die Gebühren ändern sich zum 1. September 2024, also zum Beginn des neuen Kindergartenjahres. Dann läuft die Münchner Förderformel (MFF) aus und wird von dem sogenannten Defizitausgleichssystem ersetzt. Dem können sich alle freien Träger, also Eltern-Kind-Initiativen, kirchliche Träger, Wohlfahrtsverbände und private Träger anschließen - sie müssen aber nicht.

Für wen ändern sich die Gebühren?

Neue Gebühren treffen die Eltern, deren Kita aus dem Fördersystem der Stadt aussteigt. Das sind nach jetzigem Kenntnisstand vor allem mehrere Kitas von privaten Trägern, aber auch vereinzelt Kitas anderer freier Träger. Aktuell werden von der Münchner Förderformel 190 von insgesamt 350 Kitas der privat-gewerblichen Träger bezuschusst, sie bieten 9600 Betreuungsplätze an. Wie viele davon in Zukunft weiter bezuschusst werden, ist noch unklar. Vor allem um diese Plätze geht es in dem Streit um eine faire Kitaplatz-Förderung.

Für wen ändert sich nichts?

Für die Eltern, die einen Platz in einer städtischen Kita bekommen haben, bleiben die Gebühren niedrig - auch wenn sie insgesamt wegen der Inflation und der Preissteigerungen etwa angehoben werden. Auch die Eltern, deren Kita dem neuen Fördermodell beitritt, zahlen weiter günstige Gebühren. Für die meisten Eltern, deren Kind in einer Eltern-Kind-Initiative (Eki) betreut wird, wird sich auch erst einmal nichts ändern. Die meisten Ekis werden nach einem eigenen Modell bezuschusst, und das gilt noch weitere drei Jahre. Erst danach müssen sie entscheiden, ob sie beim Defizitausgleichssystem mitmachen wollen oder nicht. Auch für die Eltern, deren Kinder in einer Kita betreut werden, die bisher nicht über die MFF gefördert wird, bleibt alles beim Alten. Außer, diese Kitas sollten nun dem neuen Fördermodell beitreten.

Warum gibt es Kitas, die dem neuen Fördermodell nicht beitreten?

Das neue Fördermodell gleicht die Defizite von Kitas aus - Gewinne sind dabei nicht vorgesehen, bestimmte Kosten werden nicht ausgeglichen, andere nur bis zu einer gewissen Höhe. So könne man nicht wirtschaftlich arbeiten, es könnten keine Rücklagen gebildet werden und die langfristige Finanzierung der Kitas wäre gefährdet, heißt es von privaten Kita-Trägern, die dem Modell nicht beitreten wollen. Viele kritisieren auch einen hohen Verwaltungsaufwand.

Wie viel kostet ein Kitaplatz ab September 2024?

Das hängt davon ab, ob die Kita dem neuen Fördermodell beitritt oder nicht. In einer städtischen Einrichtung soll ein Krippenplatz bei einer Betreuungszeit von bis zu acht Stunden 198 Euro kosten, der Kindergarten bleibt kostenlos. Ein städtischer Hortplatz soll für bis zu sechs Stunden 139 Euro monatlich kosten. Hinzu kommen die Kosten für das Mittagessen. Bei den Kitas, die dem neuen Fördermodell beitreten, werden die gleichen Elterngebühren fällig -egal ob das beispielsweise ein privat-gemeinnütziger, ein kirchlicher oder ein privat-gewerblicher Träger ist.

Welche Ermäßigungen gibt es?

Bei den städtischen Kitas bleiben die Gebühren weiterhin nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt. Die Eltern, die gemeinsam ein Einkommen von weniger als 80 000 Euro im Jahr haben, zahlen auch weniger. Bei den anderen Kitas gibt es diese Staffelung dem Einkommen nach nicht mehr - anders als es bei der Münchner Förderformel war. Tritt die Kita dem neuen Fördermodell bei, dann gilt aber auch hier wie bei den städtischen Kitas: Eltern zahlen für das zweite Kind nur die Hälfte der Gebühren, ein drittes Kind wird kostenlos betreut. Eltern, die einen München-Pass haben, also armutsgefährdet sind, zahlen künftig gar nichts mehr für die Betreuung ihrer Kinder.

Wie stark steigen die Gebühren bei den Kitas, die von der MFF bisher gefördert wurden, aber beim neuen Fördersystem nicht mitmachen?

Das unterscheidet sich von Einrichtung zu Einrichtung - manche Kitas haben bereits neue Gebührentabellen erstellt. In manchen Krippen steigen die Elternbeiträge um rund 600 Euro, andere Kitas erhöhen um rund 1100 Euro - dazwischen ist alles möglich. Für den Kindergarten steigen die Kosten zum Teil um 400 Euro. Die Vertreterin eines Kita-Trägers schätzt, dass je nach Kosten der einzelnen Einrichtung, also unter anderem Mietkosten, die Gebühren um 400 bis 800 Euro steigen könnten.

Was macht man, wenn man die höheren Gebühren nicht zahlen kann?

Wer die hohen Gebühren nicht aufbringen kann, kann sich an die Wirtschaftliche Jugendhilfe wenden. Die übernimmt je nach Einkommen und Vermögen der Eltern ganz oder teilweise die Betreuungskosten. Das Sozialreferat arbeitet an einem Onlinerechner, mit dem Eltern prüfen können, ob ihnen Geld aus der Jugendhilfe zusteht und wenn ja, wie viel.

Welcher Kita-Träger bietet wie viele Betreuungsplätze an?

Insgesamt gibt es in München 1530 Kitas mit 106 200 Betreuungsplätzen. Die städtischen Kitas bieten 43 800 Plätze, die freien gemeinnützigen Träger 38 500 Plätze, die privat-gewerblichen Kitas 18 300 Plätze, die Eltern-Kind-Initiativen 5600 Plätze.

Welche Kita-Träger werden an dem neuen Fördermodell teilnehmen?

Bisher hat sich die Diakonie zum neuen Fördermodell bekannt, sie wird mit ihren Einrichtungen teilnehmen und weiter günstige Elternbeiträge anbieten. Auch einige große Wohlfahrtsverbände haben signalisiert, daran teilnehmen zu wollen. Es gibt auch private Träger, die bereits angekündigt haben, mit einigen Kitas dem neuen Fördermodell beizutreten.

Bis wann müssen sich die Kitas entscheiden, ob sie an dem neuen Fördersystem teilnehmen?

Das Bildungsreferat hat die Träger gebeten, sich bis zum Stichtag 13. März zu entscheiden - bis dahin müssen Eltern ihre Kinder und den Betreuungsbedarf im Kitafinder angemeldet haben, um bei der ersten Runde der Platzvergabe berücksichtigt zu werden. Verpflichtend ist dieses Datum aber nicht, die Träger haben bis September Zeit, darüber nachzudenken und dem neuen Fördersystem beizutreten.

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