Streit in SollnAnwohner klagen gegen Kita – nun soll eine Asylunterkunft kommen

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In der Villa an der Beuerberger Straße in Solln soll eine Kita unterkommen. Doch Anwohner wehren sich dagegen.
In der Villa an der Beuerberger Straße in Solln soll eine Kita unterkommen. Doch Anwohner wehren sich dagegen. (Foto: Johannes Simon)

Eine Immobilienfirma will Kinder in einer imposanten Villa betreuen lassen. Die Nachbarschaft hat darauf wenig Lust: zu laut, zu viel Verkehr. Dann kommt es zu einem mutmaßlichen „Revanchefoul“.

Von Patrik Stäbler

Das Grundstück ist von einem Metallzaun eingefasst, dahinter erhebt sich ein imposantes Haus, das auch im schicken Stadtteil Solln fraglos als Villa durchgeht – zumal es umgeben ist von dichten, hohen Bäumen. Idyllischer geht’s also kaum, und doch trügt der Anschein. Denn rund um jenes Anwesen in der Beuerberger Straße ist ein Streit entbrannt zwischen der Besitzerin, der Immobilienfirma BHB, und einigen Anwohnern. Letztere lehnen die geplante Umnutzung der Villa vehement ab und sammeln inzwischen auch Unterschriften für ihr Anliegen. Der zugehörige Flyer trägt die Überschrift: „Asylheim oder Kita im Viertel?“

Hintergrund dieser Frage sind zwei Anträge, mit denen sich auch der örtliche Bezirksausschuss 19 (BA) beschäftigt hat. Zunächst ging es dabei vor gut einem Jahr um das Begehren der BHB-Gruppe, in der leer stehenden Villa eine private Kita einzurichten. Laut Antrag sollte diese drei Krippen- und zwei Kindergartengruppen umfassen, insgesamt also 86 Betreuungsplätze. Der BA habe seinerzeit keine Einwände gegen das Vorhaben gehabt, erinnert sich Alexander Aichwalder (Grüne), Vorsitzender des Unterausschusses Bau und Planung. „Wir haben das als sinnvoll erachtet, auch weil es in dem Stadtteil eine leichte Unterversorgung an Betreuungsplätzen gibt.“ Überdies habe aus baurechtlicher Sicht nichts gegen die beantragte Nutzungsänderung gesprochen, sagt Aichwalder.

Einige Anwohner jedoch lehnten die Pläne strikt ab. Sie kritisierten in einem mehrseitigen Schreiben an den BA, dass hier ein „Luxuskindergarten“ entstehe, der angesichts hoher Gebühren „nur einer kleinen Minderheit zur Verfügung steht“. Vor allem aber machten sie die „enorme Lärmbelästigung“ für die Nachbarn geltend sowie die erwartete Verkehrszunahme samt steigendem Parkdruck. Die Kritiker beließen es nicht bei ihrer Beschwerde an den BA, sondern gingen auch juristisch gegen die Nutzungsänderung vor. „Zum großen Bedauern der BHB und der Kita-Betreiberin wurde durch drei Nachbarn jeweils Klage eingereicht“, bestätigt die Immobilienfirma. Eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus.

Derweil beruhigte sich die Lage vor Ort zunächst – bis vor wenigen Wochen ein weiterer Nutzungsänderungsantrag publik wurde, diesmal in Form einer Voranfrage. Sie zielte nicht mehr auf die Einrichtung einer Kita in der Villa, sondern erfragte die Möglichkeit einer Unterbringung von Geflüchteten in dem Anwesen. Auch hierfür wären laut Antrag weder Umbauten noch eine Fällung von geschützten Bäumen nötig. Vielmehr könnten Küche und Sanitäranlagen in dem Haus mit seinen gut 540 Quadratmetern Wohnfläche von den Geflüchteten genutzt werden – ebenso wie das vorhandene Schwimmbad im Keller.

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Der Bezirksausschuss hat zu der Voranfrage keine Stellungnahme abgegeben. Baurechtlich sei gegen eine Nutzung als Asylbewerberheim wohl nichts einzuwenden, sagt Alexander Aichwalder. Er vermutet hinter dem Antrag ein „Revanchefoul“ der Besitzerin infolge der Kritik und der Klagen seitens der Anwohner gegen die ursprünglichen Kita-Pläne. „Es sieht so aus, als wolle der Antragsteller zeigen, dass in dem Gebäude auch noch andere Nutzungen denkbar wären“, sagt Aichwalder. Seinem Eindruck nach werde der Protest nur von einigen wenigen, dafür aber sehr aktiven Anwohnern getragen. Sie lehnen jedenfalls auch die neuen Pläne ab, wie aus ihrem Flyer hervorgeht, der um Unterschriften gegen eine Umnutzung der Villa wirbt.

Unterdessen teilt die BHB-Gruppe mit, dass sie die Pläne für eine Kita in dem Haus nach wie vor priorisiere. Zugleich würden jedoch Alternativen geprüft – „darunter auch die Nutzung des Grundstücks für eine Flüchtlingsunterkunft“. Hierfür liegt der Firma laut eigenen Angaben ein Vorbescheid vor, der die generelle Zulässigkeit bestätigt. Auch für die Realisierung einer Kindertagesstätte gebe es eine Genehmigung durch die Stadt.

Zur Kritik der Anwohner, die vorwiegend die Verkehrs- und Lärmbelastung betreffen, teilt die BHB mit: „Beide Themen sind gutachterlich gewürdigt und rechtmäßig.“ Darüber hinaus nimmt die Geschäftsführerin der Firma, Melanie Hammer, explizit Stellung zu den Klagen über den erwarteten Kita-Lärm. „Urbanität setzt ein gewisses Maß an Toleranz und Solidarität voraus, indem zum Beispiel unterschiedliche Generationen einander Raum gewähren“, betont sie. „Kinder gehören zur Stadt, weil eine Stadt ohne Kinder ihre Zukunft verliert.“

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