Kampf gegen Missbrauch:Initiative: G 7 versagen beim Schutz vor sexueller Gewalt an Kindern

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Kampf gegen Missbrauch: Hing nur kurz: die Gedenktafel für Missbrauchsopfer in der Katholischen Kirche, die Paul Zeitz, Agnes Wich, Patrick Sandford und Suresh Chhetry (von links) an der Kirche St. Peter enthüllten.

Hing nur kurz: die Gedenktafel für Missbrauchsopfer in der Katholischen Kirche, die Paul Zeitz, Agnes Wich, Patrick Sandford und Suresh Chhetry (von links) an der Kirche St. Peter enthüllten.

(Foto: Daniel von Rützen/OH)

"Brave Movement" will die G-7-Lenker zum Einschreiten bewegen - in einem "Camp der Überlebenden" und durch eine auf eigene Faust angebrachte Gedenkplakette für Opfer sexualisierter Gewalt an der Kirche Sankt Peter.

Von Annette Zoch

"Sexueller Missbrauch ist eine Pandemie", sagt Patrick Sandford, Theaterregisseur aus Großbritannien. "Wenn Politiker heute sagen: Das ist im Moment nicht unsere Priorität, dann meinen sie eigentlich: Es ist mir unangenehm, darüber zu sprechen. Ich möchte ihnen zurufen: Seien Sie mutig! Be brave!" - "Brave Movement" ist auch der Name einer internationalen Initiative von Missbrauchsbetroffenen.

An diesem Freitag, kurz vor dem G-7-Gipfel im nicht weit entfernten Elmau, haben Mitglieder des Brave Movement, darunter die Münchnerin Agnes Wich von der Betroffeneninitiative Süddeutschland, an der Kirche Sankt Peter in München auf eigene Faust eine Gedenkplakette für Opfer sexualisierter Gewalt enthüllt. Am Wochenende wollen sie in der Nähe des Tagungsortes auf Schloss Elmau außerdem ein "Camp der Überlebenden" errichten, und dort für mehr Anstrengungen der G-7-Staaten gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder kämpfen und unter anderem eine Petition mit 70 000 Unterschriften überreichen.

Kein einziger G-7-Staat hat Schutzmaßnahmen für Kinder im Internet getroffen

Denn bislang, so das Fazit des Brave Movement, versagten die G-7-Staaten dabei, Kinder gegen sexualisierte Gewalt zu schützen. Auf einer so genannten "Score Card" haben die Aktivisten Maßnahmen von Einzelstaaten miteinander verglichen. Demnach erzielen die USA, Frankreich und Japan die schlechtesten Ergebnisse beim Kinderschutz. Kein einziges G-7-Land verfüge über einen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung sexueller Gewalt. Kein einziger G-7-Staat habe zudem Schutzmaßnahmen getroffen, um das Internet zu einem sicheren Raum auch für Kinder und Jugendliche zu machen. Deutschland kann immerhin punkten damit, dass es als einziger G-7-Staat einen nationalen unabhängigen Betroffenenbeirat etabliert hat. Und Kanada hat am meisten Geld investiert, um sexuelle Gewalt an Kindern auch in Entwicklungsländern zu bekämpfen, allerdings seien diese Investitionen nach 2018 deutlich zurückgegangen.

Die Corona-Pandemie, der Krieg gegen die Ukraine und auch der Klimawandel führten zu einem massiven Anstieg von Übergriffen auf Kinder, so Patrick Sandford: "Jede humanitäre Krise macht es Tätern leichter, sich Kindern unter dem Vorwand, helfen zu wollen, zu nähern." Rosalie Rivera, kanadische Erzieherin, Betroffene und Spezialistin für Missbrauchsprävention, will den Blick der G-7-Lenker auch auf Missbrauch als ökonomischen Faktor lenken. Im Erwachsenenalter hätten Missbrauchsbetroffene zum Beispiel ein höheres Risiko, chronisch krank oder suchtkrank zu werden, viele nähmen sich selbst das Leben, sagt Rivera: "Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser langfristigen Folgen kosten die Welt Billionen von Dollar durch den Verlust nicht nur der Produktivität, sondern der gesamten Lebensqualität."

Die Gedenktafel am Alten Peter hing am Freitag übrigens nicht lang: Nur kurz nach der Pressekonferenz war sie schon wieder verschwunden.

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