Die Wochen vor Weihnachten sind oft mit Hektik verbunden. Die Menschen besuchen Firmenfeiern und suchen Christkindlmärkte heim, schleppen Tannen nach Hause, backen Plätzchen und hängen Lichterketten auf, nebenbei müssen noch Geschenke besorgt, Karten geschrieben und Steuerunterlagen zusammengesucht werden. Kurzum: Im Advent sehnt man sich vielleicht noch ein bisschen mehr als sonst nach kleinen Auszeiten. Nach Stunden, in denen kein Handy klingelt und in denen man gedanklich abtauchen kann.
Womit wir direkt beim Kino wären: Dort gibt es Filme zu sehen, die garantiert nichts mit dem pappsüßen Weihnachtsfilm-Einerlei bei Netflix & Co. zu tun haben. Hollywood lockt mit Blockbustern wie Avatar: Fire and Ash (ab 17. Dezember), Krimikomödien wie Der Hochstapler – Roofman oder dem Horror-Hit Five Nights at Freddy’s 2, Europa hält mit Filmkunstperlen wie Sentimental Value (gerade achtfach bei den Golden Globes nominiert), Programmkino-Hits wie Dann passiert das Leben oder dem Star-gespickten Drama Rückkehr nach Ithaka dagegen. Für Familien ist die Auswahl ebenfalls groß, sie reicht von Zoomania 2 über Bibi Blocksberg bis hin zum Dauerläufer Pumuckl und das große Missverständnis.
Neu angelaufen ist der filmische Abschied von Wolfgang Becker: Der „Good Bye, Lenin“-Regisseur starb kurz nach Drehende seines Films Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße. Das war vor einem Jahr, jetzt ist die prominent besetzte Komödie über das Erinnern und Vergessen, über falsches Heldentum und die Tücken der Geschichtsschreibung im Rio, Leopold, City oder Kino Solln zu sehen. Hauptdarsteller Charly Hübner reist derzeit durch die Republik und stellt den Film dem Publikum persönlich vor. Am 14. Dezember kommt er nach München und wird abends im City-Kino erwartet.

Prominenter Besuch hat sich auch im Filmmuseum angekündigt: Am Wochenende vom 12. bis 14. Dezember findet der Werner-Herzog-Filmpreis statt, diesjähriger Preisträger ist der britische Schauspieler und Regisseur Harris Dickinson. Er ist bekannt aus Filmen wie „Triangle of Sadness“ oder „Babygirl“, den Preis erhält er für sein Langfilm-Regiedebüt Urchin. Das bereits in Cannes ausgezeichnete Drama wird im Filmmuseum aufgeführt. Sowohl Werner Herzog als auch Harris Dickinson kommen nach München: Wer Tickets ergattert hat, darf sich glücklich schätzen. Wer an anderen Tagen ins Filmmuseum will: Aktuell laufen noch Filmreihen zu Ehren von Frank Capra und dem Komponisten Oscar Straus, kurz vor Weihnachten startet die Retrospektive Luchino Visconti.
Noch bis 17. Dezember geht die Reihe „Die Filme von Michael Verhoeven“ im Theatiner Kino, Senta Berger stellt die Regiearbeiten ihres im vergangenen Jahr verstorbenen Mannes persönlich vor. Auf dem Programm stehen noch Die weiße Rose, MitGift oder Let’s go. Ab 20. Dezember gibt es im Theatiner eine neue Filmreihe zu Ehren der Regisseurin, Autorin und Dozentin Jeanine Meerapfel. Gezeigt werden Filme wie Die Verliebten oder Malou.

Ein Wiedersehen mit einem der schönsten Filme der Nullerjahre gibt es am 16. Dezember im City und am 19. Dezember im Monopol Kino: Das taiwanesisch-japanische Drama Yi Yi – A One and a Two wurde zu seinem 25. Geburtstag digital restauriert, es ist ein großer und drei Stunden langer Familienroman, der mit einer Hochzeit anfängt und einer Beerdigung endet. Dazwischen bezaubert ein kleiner Junge mit einem Fotoapparat und seiner eigenen Version des Spiels „Ich sehe was, was du nicht siehst“.
Am 21. Dezember ist der kürzeste Tag des Jahres, aus diesem Anlass feiern Kinos bundesweit den Kurzfilmtag. Im Studio Isabella gibt es nachmittags Winterkurzfilme für Kinder, das Werkstattkino präsentiert abends ein „Best-of“ des Kurzfilmfests „Bunter Hund“. Und wer ohne Weihnachtsfilme nicht durch den Advent kommt, kann ebenfalls ins Kino gehen: In München laufen viele jüngere Klassiker des Genres, von Tatsächlich … Liebe über Liebe braucht keine Ferien bis hin zu mehreren Petterson und Findus-Filmen.

