War da was? Während sich Kinos und Filmverleiher früher vor Fußball- oder anderen sportlichen Großereignissen wegduckten, geben sie sich heute deutlich selbstbewusster. Das mag mit dem grenzdebilen Gebaren zweier Präsidenten (Fifa, USA) zu tun haben, das liegt auch an der nachtschlafenden Austragungszeit vieler Spiele. Wie auch immer: Der Juni in München ist voller Kultur- und Freizeitangebote, garantiert ohne Fußball. Das bisherige Kinojahr läuft ohnehin gut, zumindest besser als im Vorjahr. Und im Vorvorjahr.
Das dürfte sich während der Fußball-WM fortsetzen, neben aktuellen Kinohits wie Scary Movie, Glennkill oder The Mandalorian and Grogu stehen noch brandneue Hollywood-Filme wie Steven Spielbergs Disclosure Day, der Horror-Hit Backrooms (ab 18. Juni) oder mit Supergirl der jüngste Film aus dem DC-Comic-Universum (ab 25. Juni) parat. Wer vorab die Hits von morgen sehen will, kann das in Münchner Kinos erledigen: Am 20. und 21. Juni wird im Leopold, Mathäser, Royal oder Gloria Toy Story 5 als Preview gezeigt, offiziell in die Kinos kommt der jüngste Pixar-Film erst nach der WM. Ebenfalls in Previews gezeigt wird der Anfang Juli anlaufende Animationsspaß Minions & Monster, am 28. Juni kommen zwei sehr prominente Gäste zur Premiere ins Mathäser: Bill und Tom Kaulitz haben Sprechrollen in diesem Film übernommen.

In München kommt man im Juni und Juli ohnehin kaum am Kino vorbei: Am 26. Juni startet das Filmfest, mit prominenten Gästen wie Toni Servillo, Sandra Hüller, Jutta Brückner oder Pedro Almodóvar, mit Partys, Panels und Preisverleihungen. Eröffnungsfilm ist das in Cannes bejubelte Historiendrama Vaterland, im Deutschen Theater gibt es wieder Gala-Vorstellungen mit prominenten Gästen. Das gesamte Filmfest-Programm wird am 17. Juni veröffentlicht.
Bereits am 15. Juni findet im Rio Filmpalast die Premiere des Dokumentarfilms Der Klang von Neuschwanstein statt; darin geht es um die Open-Air-Konzerte im Schlosshof des berühmtesten Bauwerks von König Ludwig II. Der Film von Andreas Morell berauscht sich an der Architektur Neuschwansteins, an der Alpenkulisse und Musik. Vor der Kamera stehen Klassikstars wie Klaus Florian Vogt, Rolando Villazón oder Golda Schultz.

Regiebesuch hat sich auch am 18. Juni im Maxim Kino sowie am 20. Juni im Rio Filmpalast angesagt: Der unermüdliche Autor, Filmemacher und Wüstenmobilfahrer Wolf Gaudlitz bringt sein irrlichterndes Roadmovie Blaue Wüste aus den Neunzigerjahren zurück in die Kinos. Mindestens ebenso unermüdlich ist sein Filmemacherkollege Jan Soldat, dem das Werkstattkino am 13. und 14. Juni eine Retrospektive widmet: Er ist für seine selbst produzierten Kurzfilme bekannt, in denen es oft um schwule Männer geht, um Intimität, Macht und Begehren. Jan Soldat wird bei allen Vorstellungen anwesend sein; aufgeführt werden Filme wie Zwangsouting, Aktportrait oder Zucht und Ordnung.
Das Theatiner Kino zeigt am 16. Juni in Erinnerung an die kürzlich im Alter von nur 56 Jahren verstorbene Comic-Künstlerin und Regisseurin Marjane Satrapi ihren größten Hit Persepolis: Ein autobiografischer und sehr bewegender Zeichentrickfilm über das Erwachsenwerden vor und während der Islamischen Revolution in Iran. Das Filmmuseum feiert im Juni den bevorstehenden 100. Geburtstag von Mel Brooks, auf dem Spielplan stehen noch Komödien wie History of the World, Part I oder To Be or Not to Be. Ebenfalls im Filmmuseum ist die Reihe „Henrik Ibsen und der NS-Film“ zu sehen, mit Filmen wie Ein Volksfeind oder Stützen der Gesellschaft.

Die laut Eigenauskunft „besten Bergfilme des Jahres“ gibt es beim Alpen Film Festival zu sehen, mit Dokumentarfilmen über Seilschaften oder Expeditionen auf den Nanga Parbat. Am 19. Juni macht das Festival Station im Rio Filmpalast, in den Wochen darauf geht es nach Bad Reichenhall, Erding oder Dießen am Ammersee. Am 17. Juli kehrt das Festival zurück nach München, dann ist es beim Kino-Open-Air am Königsplatz zu Gast.

