Original oder Fälschung? Oft bedarf es detektivischen Spürsinns, um die Echtheit von Objekten oder Informationen zu bestimmen. Nachahmungen sind wenig populär, alle streben nach dem Echten, Wahren, Unverfälschten. Doch was ist, wenn es das Original niemals gab? Wenn die Fälschung andere Fälschungen kopiert? Um solche Fragen dreht sich der Dokumentarfilm „Born to Fake“, der einen Medienskandal aus den Neunzigerjahren aufrollt. Eigentlich geht es aber um die viel grundsätzlichere Frage, was und warum wir etwas glauben (wollen).
Womit wir bei Günther Jauch und Michael Born wären: Der eine ist einer der bekanntesten Fernsehmänner Deutschlands und moderierte vor 30 Jahren bei RTL das Magazin „Stern TV“, der andere verkaufte dem Privatfernsehen als angeblicher Journalist jahrelang Fake-Dokus. So wurden in Jauchs Sendung Filme über Kröten leckende Drogensüchtige, ein Ku-Klux-Klan-Treffen in der Eifel oder Katzenjagden in deutschen Wäldern ausgestrahlt. Wenn man sich ansieht, wie dilettantisch Borns Dokus waren, wirft das einen peinlichen Schatten auf Jauch und seine Mitarbeiter. Es zeigt aber auch, dass möglichst krasse Geschichten beim Publikum schon immer gut ankamen. Auch lange vor der Social-Media-Ära.
Erec Brehmer und Benjamin Rost haben für ihren Film mit Gefährten und Vertrauten von Michael Born gesprochen, der sogenannte „Kujau des Fernsehens“ ist vor einigen Jahren verstorben. Sie interviewten eine Medienwissenschaftlerin, die auf verschiedene filmische Realitäten und das Beobachtungsparadoxon in Dokumentarfilmen hinweist. Und dann wendet sich Michael Born plötzlich persönlich ans Publikum und spricht mit ihm. Oder ist es die Fälschung vom Fälscher? Im KI-Zeitalter lassen sich solche Fragen noch schwerer beantworten.
Born to Fake, D 2025, Regie: Erec Brehmer und Benjamin Rost, Preview und Gespräch mit den Regisseuren am Donnerstag, 21. Mai, 19.30 Uhr in München im City Kino; Kinostart am 28. Mai


