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Festival "Kino der Kunst":Wer wird denn gleich in die Luft gehen

Unter dem Titel "Verbotene Schönheit" findet die vierte Ausgabe von "Kino der Kunst" nun mit halbjähriger Verspätung statt - und lässt die Puppen tanzen.

Von Evelyn Vogel

Die Planungen für die vierte Ausgabe des Festivals "Kino der Kunst" waren im Frühjahr so gut wie abgeschlossen, als der coronabedingte Lockdown kam. Statt dass die "Verbotene Schönheit", so der Titel der Ausgabe, Ende April über Kinoleinwände flimmern und bei Symposien und Künstlertalks, in Projekten und artverwandten Ausstellungen in Museen diskutiert werden sollte, ist das Festival nun von 27. Oktober bis 1. November in München zu sehen.

Erneut soll die Mischung aus Filmfestival und Kunstausstellung zeigen, dass filmische Arbeiten von Bildenden Künstlern einen anderen ästhetischen Zugang zum Medium Film finden, dass hier der Ort ist für eine etwas andere, eine innovative Filmsprache. Blockbusterkriterien und Vermarktungsargumente spielen bei dieser Art von Künstlerfilmen kaum eine Rolle. Denn hier muss kein Massenpublikum angelockt werden, statt dessen wollen hier Museumsdirektoren, Kuratoren und Sammler überzeugt werden.

Die etwa 45 Filme von bildenden Künstlerinnen und Künstlern aus fast 30 Ländern, die in diesem Jahr eingeladen wurden, werden nun, da die Zuschauerzahlen limitiert sind, zeitversetzt in drei Kinos gezeigt: in der HFF, im City und im Theatiner. Vielleicht können dadurch die Zuschauer sogar noch mehr Filme sehen, als das unter normalen Bedingungen der Fall gewesen wäre. Ein Lichtblick im Coronadunkel.

Bei vielen Kurz- und Langfilmen stehen aktuell viel diskutierte gesellschaftliche Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Konsum, Umwelt, Rassismus und Feminismus im Mittelpunkt. Halil Altındere beispielsweise lässt in Ballerinas and Police Schönheiten gegen schwerbewaffnete Polizisten und damit gegen staatliches Autoritätsgebahren antanzen. Um Homophobie, Rassismus, Terror und politische Gewalt geht es bei Neïl Beloufa. Aber auch Filme, die die Schönheit auf ihre Art und Weise feiern, werden gezeigt. Und einige europäische Uraufführungen sind auch zu sehen: Unter anderem Lessons of the Hour von Isaac Julien und Redoubt von Matthew Barney. Die Preisverleihung findet dann am Sonntag, 1. November, um 21 Uhr statt, und zwar online hier.

Kino der Kunst, 27. Okt., bis 1. Nov., HFF, Bernd-Eichinger-Platz 1; City Kinos, Sonnenstr. 12; Theatiner Filmkunst, Theatinerstr. 3; Programm unter www.kinoderkunst.de

© SZ vom 22.10.2020

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