Wenn Sparmaßnahmen in der Kultur diskutiert werden, geraten Kinder und Jugendliche leicht aus dem Blick. Dem will Schauburg-Intendantin Andrea Gronemeyer entgegensteuern: „Auch die Schauburg muss sparen, aber wir haben uns bewusst entschieden, nicht beim Programm für die Allerkleinsten zu sparen und ihm auch weiterhin einen hohen Stellenwert in unserem Programm einzuräumen. Gerade jetzt ist es wichtig, ein deutliches Zeichen zu setzen: Theater für Kinder darf nicht nur dort stattfinden, wo zufällig genug Geld übrig ist. Es ist kein Luxus, sondern Basis der Kulturarbeit und der kulturellen Bildung.“
Genau hier setzt das „Theaterfestival Kuckuck für Anfänger“ an, das auch im Jahr 2026 gemeinsam von der Schauburg, dem Figuren-Theater-Forum im Stadtmuseum und der Familienbildungsstätte Elly Heuss-Knapp ausgerichtet wird. Neun Produktionen aus Belgien, Deutschland, Italien, Frankreich und den Niederlanden bieten Erfahrungen mit allen Sinnen schon für die Jüngsten ab sechs Monaten.
Es sind Stücke, die mit Zirkus, Tanz, musikalischen Performances, Figuren- und Schattentheater die Neugierde von Babys, Kleinkindern und ihren Begleitpersonen wecken und alle gemeinsam zum Staunen, Fühlen und Entdecken einladen. Der Vorverkauf ist gestartet, die Nachfrage nach den Tickets erfahrungsgemäß groß. Denn ihre Anzahl ist mit Rücksicht auf die jungen Besucher oft begrenzt.
Am Samstag, 14. März, wird das Festival mit der Produktion „Blickfänger“ eröffnet, die um 14.30 und 16.30 Uhr in der Schauburg am Elisabethplatz gezeigt wird: Die Entdeckungsreise mit Tanz und Musik für Kinder von zwei bis fünf Jahren kommt von der Tanzkompanie „de Stilte“ aus den Niederlanden. Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 haben sie sich zum meistbesuchten Jugendtheaterproduzenten ihres Landes entwickelt. Mit zwei Tänzerinnen, einer Musikerin und ungewöhnlichen Instrumenten zeigt de Stilte, wie jede Berührung zum Beginn eines neuen Abenteuers werden kann. Im Anschluss an die erste Vorstellung werden Andrea Gronemeyer, Toni Müßgens und Cailtlin van der Maas, die zusammen die Festivalleitung innehaben, „Kuckuck“ im Foyer der Schauburg eröffnen.

Um das Glück der Begegnung geht es auch in dem Stück „Als der kleine Koriander kam“ vom Figurentheater Hattenkofer aus Prien am Chiemsee: In einer Küche lebt eine Gemeinschaft von Tuchlingen. Vergnügt trommeln, kichern und tollen sie durch ihr Zuhause. Eines Tages erreicht sie ein Brief von der Bürgermeisterin: Die Tuchlinge sollen einen gewissen „Koriander“ bei sich aufnehmen. Wer ist das überhaupt? Bestimmt ein Großer, der allen Platz für sich haben will, alles kaputt und dreckig macht! Fest steht für die Tuchlinge: Der soll nicht kommen!
Aber Koriander steht trotzdem vor der Tür. Tatsächlich ist er gar nicht groß, doch Dreck macht er dafür reichlich. Aber warum nur? Es ist ein Stück über die Begegnung mit dem Unbekannten, das sogar noch unerwartet gut schmecken kann für Kinder ab drei Jahren. Erfunden hat es die Figurenspielerin Stefanie Hattenkofer, die mit ihrer Ein-Frau-Tourneebühne im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs ist. Am 15. und 16. März gastiert sie in der Seidlvilla sowie am 21. März im Gasteig HP8.
Zwei verliebte Pinguine, verspielte Robben, eine träge Kamelkarawane – in „Elephant walk“ treten die unterschiedlichsten Tiere auf und bewegen sich in ihrem jeweils eigenen Takt. Sie wackeln und watscheln, trippeln und tanzen. Elefanten, Hühner, Hund und Katze – die Choreografin Célestine Hennermann hat sich in ihrer zweiten Arbeit für die Allerkleinsten mit den Bewegungen von Tieren auseinandergesetzt. Die Tänzerinnen Urte Daugirdaite und Victoria Söntgen bringen sie auf die Bühne und laden Kinder ab einem Jahr in eine Welt der Überraschungen ein (19. März, Evangelische Familienbildungsstätte Elly Heuss-Knapp).

Vergnügliche Menschen-„Tiere“ in Aktion gibt es auch in dem Festival-Beitrag der Schauburg „Die Kuh Rosmarie“ zu sehen, der vor zwei Monaten Premiere hatte. Tom Gerhartz und Hardy Punzel verkörpern ein sich im Schlamm suhlendes Schwein, ein stolz gackerndes Huhn, einen begeistert fressenden Hund – und natürlich auch die besserwisserische Titelheldin des Stücks, die Kuh Rosmarie. Aber auch die wird glücklicherweise eines Besseren belehrt, auch wenn der Bauer sie dafür zunächst einmal weit weg schicken muss (am 18. und 19. März wieder in der Schauburg).
Welche Kinder lieben es nicht, unter den Tisch zu kriechen, während die Erwachsenen oben tafeln, und sich dabei spielerisch Abenteuer auszudenken. In der visuellen Performance „Sous la table“ der Künstlerinnen Isabelle Pauly und Anne Sara Six von „Les Zerkiens“ aus Belgien schlüpfen Kinder und Eltern gemeinsam unter den Tisch, um Schattenspiele zu beobachten: Dabei verwandelt sich die Tischplatte über ihren Köpfen in eine riesige Leinwand, auf der farbenfrohe Bilder zu sehen sind. Bald ist der Tisch gedeckt und das Publikum verfolgt versteckt von unten eine Mahlzeit, bei der Absurdität und Poesie den Alltag fröhlich auf den Kopf stellen (20., 21. und 22. März im Hoch X).

Irrwege und Entdeckungen hält die Produktion „Das Labyrinth“ des Künstlerduos Daniel Gol und Laura Marchegiani von Teatrodistinto aus Italien bereit, die in der Schauburg Deutschlandpremiere hat. Bei ihnen ist das Labyrinth kein Ort, an dem man sich verläuft, sondern einer, an dem sich die Welt mit jeder kleinen Wendung neu zeigt. Ohne Worte entwickelt sich ein stiller Prozess des Suchens und Findens, geeignet für Kinder ab vier Jahren (20. und 21. März, Schauburg).

BasarKus ist ein seltsames Wesen: Es hat zwei Köpfe, vier Arme und vier Beine. Doch eines Tages bemerkt es, dass es auch zwei Herzen hat. Damit ändert sich alles. Was, wenn BasarKus in Wirklichkeit zwei ist? Mutig wagt BasarKus die Trennung. In dem philosophischen Abenteuer „Die fabelhafte Geschichte von BasarKus“ aus Frankreich verbinden der Akrobat Basil Le Roux und der Jongleur Markus Vikse auf virtuose Weise Zirkus, Objekt und Tanz, um die Grenze zwischen dem eigenen Ich und dem Anderen auszuloten. Die Deutschlandpremiere am 14., 15. und 16. März im Hoch X ist für Kinder ab drei Jahren geeignet.
Theaterfestival „Kuckuck“ für Anfänger, 14. bis 22. März, Schauburg, HochX, GasteigHP8, Evangelische Familienbildungsstätte Elly Heuss-Knapp, Seidlvilla, Vorverkauf gestartet, www.kuckuckfestival.com

