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Kieferngarten:Verzögerte Kommunikation

Drei Punkthäuser mit 43 Wohnungen sollen am Kieferngarten neu entstehen, bestehende Gebäude um 15 Wohnungen aufgestockt werden. Simulation: Vonovia

Der Immobilienkonzern Vonovia verspricht, seine Mieter an der Burmesterstraße stets über die Nachverdichtung des Quartiers zu informieren. Von den Plänen selbst erfahren sie allerdings erst mit einem halben Jahr Verspätung

Von Nicole Graner, Kieferngarten

Eines Tages wurde der oberirdische Parkplatz plattgemacht. Dann im Oktober 2020 der Spielplatz abgebaut. Und im Februar wurden Bäume gefällt. "Hoppla, haben wir Anwohner uns gefragt", erinnert sich Franz Obst, Sprecher der Mietergemeinschaft Burmester-/Bauernfeindstraße, "was ist denn da los? Was passiert hier in unserem Quartier?"

Die Antwort darauf bekamen die Anwohner erst später, Anfang März. Der Immobilienkonzern Vonovia, dem die drei Häuser und drei Gebäuderiegel gehören, informierte in seinem neu herausgebrachten "Quartiersboten Freimann" (Ausgabe Februar), den die Anwohner bekommen haben, über ein Bauvorhaben größeren Ausmaßes: Zusätzlich zu den bestehenden Wohnungen sollen insgesamt 58 neue entstehen. Es werden drei Punkthäuser mit 43 Wohnungen gebaut, durch Aufstockungen der bestehenden Gebäuderiegel entstehen dann noch einmal 15 Wohnungen.

Dass sie so spät von diesem Bauvorhaben der Vonovia erfahren haben, ärgert die Anwohner. Denn es sei, so sagt Franz Obst, schließlich nicht das erste Mal, dass sie unzureichend informiert würden. Erst im November 2019 habe es mit der Vonovia viel Ärger wegen Nebenkostenabrechnungen gegeben und dazu eine sehr aufgeladene Jahreshauptversammlung der Mietergemeinschaft. Informationen müsse man sich, resümiert Obst, dem der Ärger über die vergangenen Auseinandersetzungen immer noch anzumerken ist, stets von der Vonovia "erbetteln".

Die Stimmung ist also nicht gut bei den Anwohnern der Wohnsiedlung an der Burmester- und Bauernfeindstraße. Eigentlich, so sagt Franz Obst, "richtig schlecht". Deswegen sind mit Franz Obst einige Anwohner in die jüngste Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Schwabing-Freimann gekommen, um sich weitere Informationen zu holen. Denn dort stellt der Immobilienkonzern mit Sitz in Bochum in einer Online-Präsentation sein neues Bauprojekt vor, das er "Quartier am Kieferngarten" nennt.

An die 20 Millionen Euro soll die Erweiterung des Quartiers aus den Siebzigerjahren kosten. In zwei der drei Punkthäuser an der Bauernfeindstraße, die ganz neu sozusagen neben den bereits bestehenden Riegelbauten entstehen werden, soll es 13 und im dritten Gebäude 17 Wohneinheiten geben. Insgesamt 26 Wohnungen werden als geförderter Wohnraum errichtet. Wie Senta Englert von der Vonovia erklärt, fänden alle Baumaßnahmen statt, ohne dass die Mieter vorübergehend ausziehen müssten. Eine Ankündigung, die vor allem jene Anwohner mit Skepsis betrachten werden, die in den Gebäuden wohnen, die aufgestockt werden. Die Freiraumflächen im Quartier sollen neu gestaltet und stärker begrünt werden, mit 190 Solitärgehölzen, Beet-, Pflanz- und großen Grünflächen. Spielflächen sollten entstehen und Sitzgelegenheiten. Insgesamt, so Englert, gebe es dann mehr Aufenthaltsqualität "als vorher". 43 neue Stellplätze sind geplant sowie 148 Fahrradstellplätze. Außerdem würden, informiert Englert weiter, die Mieter befragt, ob sie an einem Car-Sharing-Modell interessiert seien. Und damit der Bauzaun, der an der Burmesterstraße errichtet wird, schön aussieht, arbeite die Vonovia gerade an einem Kunstprojekt mit der Grundschule an der Burmesterstraße. Viele Bilder sollen den Bauzaun zieren. "Wir sind schon sehr gespannt, was da alles kommen wird", freut sich Englert.

Doch auch der BA weiß von den Streitigkeiten der Anwohner mit der Vonovia, und so ist es Dagmar Föst-Reich (FDP) wichtig, nach der Präsentation klarzustellen, dass die Vonovia auf die "Anwohner eingehen" müsse. Gerade was die Aufstockungen der Gebäude betreffe und die Dachwohnungen. "Schließlich wohnen die Menschen während der Bauzeit dort." Englert erwidert: "Wie schwierig diese Situation ist, ist der Vonovia bewusst." Und man wolle unbedingt vermeiden, in die Wohnungen gehen zu müssen.

Auch wird im BA die Frage nach Mieterhöhungen laut. Die werde es, verspricht Englert "nicht geben". Härtefall-Situationen oder Mietminderungsanträge würden geprüft. Wenn sie gerechtfertigt seien, dann werde man darauf eingehen.

Der Vonovia ist ein Miteinander mit den Anwohnern wichtig geworden. So habe man, wie Konzern-Pressesprecherin Katja Mazurek, mit einer Info-Box im Quartier, in der sich die Anwohner über die Pläne und den Baufortschritt informieren könnten, einem Quartiersmanager, der für Fragen offen sei, und eben auch mit dem "Quartiersboten", Maßnahmen getroffen, die es "so vorher noch nicht gab". Man wolle, dass es "für alle gut läuft", dass die Vonovia "immer im Gespräch mit den Anwohnern bleibt".

Glauben will das Franz Obst noch nicht so ganz. Der Anfang sei wegen der späten Information über das Bauprojekt nicht so gut gelaufen. "Absolute Transparenz" sehe für ihn anders aus. Er wünscht sich von der Vonovia eine "Öffentlichkeit, die auch bei den Mietern ankommt".

© SZ vom 14.06.2021/van
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