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Wirtschaft in München:Kaufhof-Filiale am Stachus bis September 2022 gerettet

Galeria Kaufhof am Stachus in München, 2020

Die Kaufhof-Filiale am Münchner Stachus

(Foto: Robert Haas)

Überraschend haben sich der Hauptvermieter des Gebäudes am Münchner Karlsplatz und der Konzern geeinigt: auf eine drastisch reduzierte Miete.

Von Sebastian Krass

Überraschende Wende im Ringen um eine Zukunft für den Kaufhof am Stachus: Am Freitagmittag haben sich die Hauptvermieter, die Münchner Unternehmerfamilie Zechbauer, und Arndt Geiwitz, Generalbevollmächtigter des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof (GKK), auf einen neuen Mietvertrag geeinigt, mit dem das Warenhaus bis Ende September 2022 offen bleibt. Das erklärte Michael Zechbauer auf Anfrage. "Es gab ein weiteres Entgegenkommen unsererseits und auch ein Entgegenkommen von GKK, so war die Einigung möglich", sagte Zechbauer, "wenn auch leider ohne eine Beteiligung der Stadt oder des Freistaats".

Geiwitz bestätigte am Nachmittag, dass "wir zu 99 Prozent einig sind, wir haben noch ein bisschen ein Laufzeitthema". GKK würde den Betrieb gern bis Ende Januar 2023 führen, um noch ein Weihnachtsgeschäft und einen Schlussverkauf mitzunehmen. "Das geht aber nur unter gewissen Voraussetzungen", sagt Zechbauer dazu, "es ist zu früh, da weitere Aussagen zu machen." An den vier Monaten werde es aber letztlich nicht scheitern, sagt auch Geiwitz.

Dominik Datz, der für die Gewerkschaft Verdi bei den Verhandlungen dabei war, erklärte, 200 direkt Beschäftigte und weitere 100 Arbeitskräfte von Dienstleistern würden vom Erhalt der Filiale profitieren. Die Beschäftigten vom Stachus sollten zudem nach den zwei Jahren in anderen Münchner Filialen weiter arbeiten können, ihre Jobs seien also gerettet. Datz betonte: "Die Familie Zechbauer hat eine unglaubliche soziale Verantwortung gezeigt, Wahnsinn." Der Betriebsratsvorsitzende der Filiale, Markus Niklas, sagte, er freue sich, dass die Beschäftigten "nicht in dieser Zeit raus auf den Arbeitsmarkt müssen. Und ich hoffe, dass der Einzelhandel sich in zwei Jahren erholt hat".

Noch am Mittwoch hatte Zechbauer, dessen Familie das Warenhausgebäude gehört, erklärt, er habe sich mit Geiwitz über finanzielle Bedingungen geeinigt, zu denen der Betrieb ein oder zwei Jahre weiterlaufen könne. Demnach hätten die Zechbauers für ein Jahr komplett auf die Miete verzichtet und für ein zweites Jahr 25 Prozent der bisherigen Miete verlangt. Es brauche aber unbedingt auch ein Entgegenkommen der öffentlichen Hand. Ein Teil der Kaufhof-Flächen im Untergeschoss gehört nämlich den Stadtwerken München (SWM), dafür sei ebenfalls ein erheblicher Mietnachlass vonnöten, so Zechbauer. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erklärte aber mit Berufung auf städtische Juristen und die Regierung von Oberbayern, die SWM dürften aus Gründen der Wettbewerbsneutralität keinen Mietnachlass gewähren.

Zechbauer hatte die Verhandlung am Freitag als allerletzte Chance bezeichnet, sich doch noch zu einigen. Andernfalls sähe er sich gezwungen, Mietverträge mit Interessenten für eine Zwischennutzung zu fixieren. Die Einigung wurde nach Darstellung Zechbauers dadurch möglich, "dass wir über die zwei Jahre auf 92,5 Prozent der bisherigen Mieteinnahmen verzichten". Zudem habe der Signa-Konzern des Österreichers René Benko, zu dem GKK gehört, sich bereit erklärt, die anderen Mietverhältnisse und die Nebenkosten weiter zu tragen. Es handele sich dabei um einen siebenstelligen Betrag, sagt Arndt Geiwitz.

OB Reiter erklärte, er freue sich über die Nachricht: "Eine tolle Botschaft vor allem für alle Beschäftigten am Standort! Ich danke allen Beteiligten, die an dieser schwierigen Lösung mitgewirkt haben."

Der ohnehin schon angeschlagene GKK-Konzern war durch die Corona-Krise noch mehr in Schieflage geraten und hatte sich Anfang April in ein Schutzschirmverfahren begeben, eine Art Vorstufe des Insolvenzverfahrens. Im Juni wurde bekannt, dass GKK bundesweit 62 von 172 Warenhäusern schließen will, in München vier von neun Filialen: neben dem Kaufhof am Stachus auch die Filiale im Olympia-Einkaufszentrum sowie den Karstadt am Nordbad und Karstadt Sport an der Neuhauser Straße. Die Zahl der Schließungen verringerte sich bis Anfang September auf 47. Nun wird die Liste um noch ein Haus kürzer.

Die Perspektive für weitere zwei Jahre entspricht dem, was für den Kaufhof am Stachus auch vor der Corona-Krise abzusehen war. Der bisherige Mietvertrag zwischen Zechbauer und GKK lief bis Ende 2022. Und es war klar, dass der Warenhaus-Konzern ihn nicht verlängern würde. Schließlich gibt es ein paar Hundert Meter weiter am Marienplatz eine florierende Filiale und vor allem direkt nebenan den großen Karstadt, der sich vom Stachus bis zum Hauptbahnhof erstreckt. Dort gehört dem Signa-Konzern auch die Immobilie. Deshalb hat dieses Haus Priorität. Die Planungen für einen groß angelegten Umbau dieses Komplexes laufen und sind bereits in Abstimmung mit der Stadt, die dafür den Bebauungsplan anpassen muss. Das angemietete Haus am Stachus wäre also mittelfristig ohnehin überflüssig geworden.

Die Zechbauers haben deshalb bereits begonnen, sich Gedanken über die künftige Nutzung ihrer Immobilie zu machen, deren Fassade und deren Stahlskelett denkmalgeschützt sind. Über Details will Michael Zechbauer noch nicht sprechen. Aber klar ist, dass ein groß angelegter Umbau für einen höheren achtstelligen Betrag nötig wird. Dass es künftig nur noch einen Nutzer geben wird, ist nahezu ausgeschlossen. Eine Hotelnutzung hält Zechbauer ebenfalls für unwahrscheinlich. Gut möglich, dass es auf eine Mischnutzung aus Einzelhandel und Büros hinausläuft.

Und welche Handelsunternehmen kommen als künftige Nutzer in Frage? Michael Zechbauer sagt, er führe durchaus Gespräche, und es habe gerade in den vergangenen Wochen viele, teils auch kuriose Anfragen gegeben. Namen nennt er aber nicht. Unter Immobilienmaklern kursieren als Interessenten für größere Flächen in der Münchner Innenstadt die Baumarktkette Obi und das Stuttgarter Modehaus Breuninger, das gerade seine Filiale in Nürnberg umgebaut und wiedereröffnet hat. Bekannt ist zudem das Interesse von Ikea. Eine Sprecherin des Konzerns erklärt auf Anfrage, man konzentriere sich in der "aktuellen Expansionsstrategie auf zentrale und innenstadtnahe Lagen, die ohne Auto gut erreichbar sind". Ein solches Haus gibt es bereits in Hamburg-Altona, Anfang September kam eine Filiale in Berlin-Pankow hinzu, "in einem weiteren Schritt schauen wir auch nach Möglichkeiten in München", so die Sprecherin weiter. Details gebe es dazu aber noch nicht.

© SZ.de/mmo

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