Warnsystem:Katastrophenwarnung ohne Sirenengeheul

Lesezeit: 2 min

Warnsystem: Startknopf gedrückt: Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller-Gradl und Wolfgang Schäuble, Chef der Branddirektion.

Startknopf gedrückt: Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller-Gradl und Wolfgang Schäuble, Chef der Branddirektion.

(Foto: Florian Peljak)

Wie kann man im Ernstfall möglichst viele Menschen schnell alarmieren? Die Stadt München und die MVG setzen jetzt auch auf Informationen im öffentlichen Raum und in Verkehrsmitteln.

Von Nils Frenzel

Der rote Knopf, der den Start eines verbesserten Warnsystems einläutet, wird - fast schon symbolisch - geräuschlos gedrückt. Gemeinsam mit städtischen Vertretern haben die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und die Firma Ströer am Dienstagmorgen an der U-Bahn-Haltestelle Marienplatz ein neues System vorgestellt. Dessen tragende Säulen werden künftig in aller Stille vor Katastrophen warnen.

Denn die Warnmeldungen der Landeshauptstadt werden in Zukunft vor allem auf digitalen Infoscreens in U- und S-Bahnhöfen sowie auf den Stadtinformationsanlagen an der Straße angezeigt. Ausgelöst wird die Anzeige durch eine amtliche Warnung, die in München die Integrierte Leitstelle der Feuerwehr ausgeben wird, im Fall von bundesweiten Warnungen das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

"Kommunikation ist in Krisen das A und O", sagte Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller-Gradl und warb für das verbesserte Warnsystem. Den öffentlichen Verkehr in München nutzten täglich mehr als eine Million Menschen. Und da Kommunikation in Krisen möglichst viele Menschen erreichen müsse, seien die Warnmeldungen auf den Anzeigetafeln ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Die Infotafeln sind ein zusätzlicher Baustein in der Meldungskette

Die neue Technik bietet Chancen: Über eine Eingabemaske werden künftig fast gleichzeitig die Warnungen über die bekannten Warn-Apps Katwarn und Nina jetzt auch auf den neuen Anzeigetafeln veröffentlicht. Dabei besteht das Warnsystem der Stadt aus mehreren Säulen. Neben Rundfunkmeldungen und denkbaren Durchsagen mit Lautsprecherwagen der Feuerwehr werden Warnungen auch über soziale Netzwerke verbreitet. Durch die Warnmeldungen an den Infotafeln werde so ein weiterer wichtiger Baustein in das Warnsystem integriert, hieß es bei der Präsentation am Dienstag.

Dabei fällt auf, dass einer dieser Bausteine bereits seit geraumer Zeit weggebrochen ist. Schon seit Jahren gibt es in München keine funktionsbereiten Sirenen mehr. Nach dem Ende des Kalten Krieges fehlte eine Gefährdungslage durch kriegerische Auseinandersetzungen, die Sirenenanlagen wurden folglich nach und nach abgebaut.

Bundesweiter Warntag am Donnerstag

Jetzt sucht man deshalb andere Möglichkeiten, Warnungen an die breite Bevölkerung auszusprechen, so Wolfgang Schäuble, Leiter der Branddirektion München. Dabei ersetzt das neue Warnsystem kein klassisches Sirenengeheul. "Es ist eigentlich eher eine Zusatzleistung. Man ist bei der Sirenen-Warnung immer sehr in der Diskussion, ob es ein zeitgemäßes Medium ist, wie sie modernisiert werden kann, sodass sie auch eine gewisse Zukunftsfähigkeit hat", sagte Schäuble.

Die Vorstellung des verbesserten Warnsystems kommt zu einem guten Zeitpunkt. Am Donnerstag, 8. Dezember, findet von 11 Uhr an die nächste bundesweite Warn-Übung statt, bei der Warnsysteme in ganz Deutschland getestet werden. Ob in München alles reibungslos ablaufen wird, bleibt abzuwarten. Beim bisher letzten Warntag im September des vergangenen Jahres blieben in München nicht nur die Sirenen stumm, auch die Warn-Apps fielen damals aus.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusUkrainische Kriegsopfer
:"Diese Schrapnell-Geschosse sind furchtbar, zerfetzen alles"

Stefan Gress ist plastischer Chirurg. Als Russland in der Ukraine einmarschiert, denkt er: Man muss doch etwas tun. Also holt er verwundete Soldaten nach München, um sie hier operieren zu lassen.

Lesen Sie mehr zum Thema