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Gesund und nachhaltig:Jeder kann Gemüsebauer werden

Kartoffelkombinat

1800 Haushalte beliefert mittlerweile das Münchner Kartoffelkombinat. Angebaut wird das Gemüse im Landkreis Fürstenfeldbruck.

(Foto: Günther Reger)

Das Münchner Kartoffelkombinat ist ein Musterprojekt der solidarischen Landwirtschaft und versorgt schon 1800 Haushalte. Zum Ernteanteil bekommt man auch Rezeptvorschläge, etwa für eine "Herbstliche Kürbis-Apfel-Suppe".

Kolumne von Franz Kotteder

Kartoffeln aus Ägypten, Äpfel aus Neuseeland, Tomaten aus Spanien - eigentlich ist das ja ein ziemlicher Quatsch. So dachte sich um 2012 herum eine Handvoll umweltbewegter Münchner und tat sich zusammen, um eine landwirtschaftliche Genossenschaft zu gründen: das Kartoffelkombinat. Die Idee war, Obst und Gemüse selbst in der näheren Umgebung der Stadt anzubauen und damit die eigenen Familien und Freunde zu versorgen. "Solidarische Landwirtschaft" nennt man so etwas.

Und wie es mit dem Pflanzen und dem Anbau von Feldfrüchten nun einmal so ist: Die Idee wuchs sich ganz schön aus und wurde zu einem Münchner Musterprojekt. Arbeitete man anfangs mit einer kleinen Biogärtnerei in Eschenried zusammen, so bewirtschaftet man jetzt einen eigenen Betrieb bei Mammendorf mit 24 festangestellten Mitarbeitern.

1800 Haushalte beliefert man Woche für Woche mit frischem Gemüse und Obst. Das kostet monatlich 75 Euro und einmalig - als Genossenschaftsanteil - 150 Euro. Die Warteliste für die Aufnahme ist lang, derzeit rechnet das Kartoffelkombinat damit, erst im nächsten Herbst wieder neue Mitglieder aufnehmen zu können. Vorzeitig nachzurücken ist allerdings immer mal drin.

Man kann draußen auf den Äckern und in den Gewächshäusern in Mammendorf selbst mitarbeiten, muss es aber nicht. Es gibt auch keine verpflichtenden Mitmach-Aktionen, obwohl der Verein, der die Genossenschaft unterstützt, weitergehendes Engagement natürlich schon gerne sieht. Schließlich geht es ja auch darum, der industrialisierten Landwirtschaft eine biologisch-ökologische Alternative entgegenzusetzen. Deshalb trägt man ja auch sämtliche Kosten für Gärtnerei, Logistik, Löhne und Saatgut gemeinsam. Dafür bekommt man jährlich 46 Kisten, die man an einer der mehr als 130 Verteilpunkte in der Stadt abholen kann.

Der Inhalt ist davon abhängig, was die Saison und der Acker so hergeben. In der vergangenen Woche waren das Lauch, Hokkaido-Kürbis, Asiasalate (pikante Blattsalate), Radicchio und Äpfel. Kartoffeln gibt es natürlich auch immer wieder, das ist man schon dem eigenen Namen schuldig. Und die Ernte fiel heuer gut aus: 47,5 Tonnen waren es Ende Oktober.

Heimisches Obst und Gemüse liefert die Genossenschaft.

Zum Ernteanteil bekommt man jeweils auch Rezeptvorschläge, vergangene Woche war das zum Beispiel Folgendes:

Herbstliche Kürbis-Apfel-Suppe

Zutaten: eine Zwiebel, eine Knoblauchzehe, ein Hokkaidokürbis (orange oder grün), zwei große Äpfel, 0,5-0,75 Liter Gemüsebrühe, ein Schuss Sahne oder pflanzliche Sahne, ein bis zwei Esslöffel Kürbiskerne, etwas Zitronensaft, etwas Öl. Gewürze: Currypulver, Pfeffer, Salz.

Zubereitung: Zwiebel und Knoblauchzehe klein schneiden. Kürbis waschen, halbieren, Fruchtfleisch (ohne Kerne) würfeln, Kerne beiseitelegen. Äpfel waschen, vierteln, Kerngehäuse entfernen und ebenfalls klein schneiden. Butter oder Öl in einem Topf erhitzen und Zwiebeln und Knoblauch darin anbraten. Kürbis und Apfel zugeben und kurz mitdünsten lassen. Mit etwas Gemüsebrühe aufgießen und etwa 15 Minuten lang köcheln lassen, bis der Kürbis gar ist. Mit einem Schuss Sahne oder pflanzlicher Sahne aufgießen und fein pürieren. Mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft und Currypulver würzen. Kürbiskerne in einer Pfanne ohne Fett anrösten. Auf der Suppe verteilen.

© SZ vom 09.11.2020
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