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Münchner Innenstadt:So sehen die Pläne für das neue Karstadt-Areal aus

FINGER WEG - NICHT FREIGEGEBEN !!!

Der Gebäudekomplex zwischen Stachus und Hauptbahnhof soll umgebaut werden.

Der Signa-Konzern will den Komplex am Hauptbahnhof grundlegend umgestalten. Unter anderem ist eine durchgehende unterirdische Passage bis zum Stachus geplant.

Von Heiner Effern und Sebastian Krass

Karstadt behält nur noch die Flächen im denkmalgeschützten Warenhaus-Gebäude am Bahnhofplatz (mit Ausnahme des Dachgeschosses), dahinter entsteht an der Stelle des bisherigen Kaufhaus-Anbaus ein neuer dreiteiliger Komplex, der hauptsächlich für Büros, aber zu großen Teilen auch für Geschäfte und Gastronomie vorgesehen ist: Dieses Vorhaben hat der Signa-Konzern des österreichischen Investors René Benko Ende vergangenen Jahres den Stadtratsfraktionen vorgestellt. Entsprechende Pläne und Simulationen des Münchner Architekturbüros Allmann Sattler Wappner liegen der SZ vor, zuerst hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet. Eine weitere wesentliche Neuerung ist die von Signa geplante durchgehende unterirdische Passage vom Hauptbahnhof bis zum Stachus. Im Stadtrat stößt das Vorhaben grundsätzlich auf Wohlwollen. Signa gab auf Anfrage keinen Kommentar ab.

Die Tradition dieses Kaufhaus-Standorts reicht bis ins Jahr 1905 zurück, als dort eine Filiale der Kette Hermann Tietz, später Hertie, eröffnete. In den Siebzigerjahren kam der Anbau hinzu, der sich entlang der Schützen- und der Prielmayerstraße bis hinter das Hotel Königshof erstreckt. Damit wurde dieses Kaufhaus, das seit 2007 als Karstadt firmiert, mit einer Fläche von etwa 40 000 Quadratmetern zum zweitgrößten in Deutschland nach dem Kadewe in Berlin. Seit 2017 gehört die Immobilie komplett dem Signa-Imperium, wie auch das Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof (GKK). Signa hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Immobilien in der Münchner Innenstadt angesammelt, darunter das Kaufhaus Oberpollinger, der Kaut-Bullinger in der Rosenstraße und die Alte Akademie an der Neuhauser Straße, die derzeit zu einem Shopping-Büro-Wohn-Gastro-Komplex umgebaut wird.

Beim Karstadt nun plant Signa, den Altbau oberirdisch vom Rest zu trennen: Der Durchgang oberhalb der Luitpoldstraße soll weg. Zudem sollen die Neubauten durch eine Passage unterbrochen werden. Aus einer Grafik zum "Nutzungskonzept" geht hervor, dass künftig knapp die Hälfte des Gesamtkomplexes für Büros vorgesehen ist, gut ein Drittel für Läden und Gastronomie und nur noch weniger als ein Viertel für das Karstadt-Kaufhaus, auch im Dachgeschoss des Altbaus sind andere Läden oder Gastronomie vorgesehen. Ein Dorn in den Planungen der Signa ist offenbar noch das Gebäude des Hotel Luitpold an der Schützenstraße 14, das mit dem Kaufhaus-Anbau verbunden ist. Dieses ist in den Neubauplänen nicht integriert, offenbar weil es der Signa bisher nicht gehört. In der Präsentation war die Rede von "Ankaufsgesprächen". Die Gebäude Schützenstraße 8 bis 12, die ebenfalls nicht zum Karstadt gehören, sind dagegen bereits in die Abriss- und Neubaupläne integriert.

Die Idee, mehr Durchgänge zu schaffen, um die sperrende Wirkung des bisher sehr langen Riegels aufzubrechen, sei in ihrer Fraktion gut angekommen, berichtet Anna Hanusch, Fraktionsvorsitzende von Grünen/Rosa Liste. Ebenso wie das Vorhaben, mit verschiedenen Geschäften "eine größere urbane Mischung" herzustellen. Gut findet Grün-Rot auch, dass das denkmalgeschützte Gebäude aufgewertet und besonders herausgestellt werden soll. Ihn habe der jetzige Zustand "schon lange gewurmt", sagte Christian Müller, Fraktionsvorsitzender von SPD/Volt. Eine Öffnung des Komplexes und eine neue ansprechende Architektur seien "in jedem Fall gut". Das brächte neues Leben in ein Areal mitten in der Innenstadt, das "im Moment kein Leben ausstrahlt".

Auch in der Opposition sind die Einschätzungen recht positiv. "Ich bin froh, das jetzt was passiert", sagt CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. Er betont, für die weitere Planung brauche es "eine intensive Beteiligung der Münchner Bürgerschaft und einen Architektenwettbewerb". Das sieht Jörg Hoffmann, Fraktionschef von FDP/Bayernpartei, ähnlich: "Derzeit sieht der Komplex scheußlich aus. Deshalb finden wir alles positiv, was man in die Hand nimmt, um es leichter zu gestalten." Ein Wettbewerb etwa zur Fassadengestaltung würde "neue Perspektiven reinbringen".

Brigitte Wolf von der Fraktion Die Linke/Die Partei mahnt, dass in so einem großen Komplex auch eine hinreichende soziale oder kulturelle Nutzung entstehen müsse. Ihr Fraktionskollege Thomas Lechner habe die Idee eingebracht, dass im Untergeschoss eine Heimat für einen Club entstehen könnte. Bei der unterirdischen Passage aber fragt Wolf, ob sich eine Ladenzeile zwischen den bereits konsumorientierten Untergeschossen von Hauptbahnhof und Stachus tragen werde, "irgendwann erschöpft es sich auch".

Signa ist es offenbar gar nicht recht, dass die Pläne nun öffentlich sind. Die Münchner Statthalter sagten bisher, dass sie zu gegebener Zeit darüber informieren wollten. Nun geht Signa auf Tauchstation. Der Münchner Projektleiter verweist an den Pressesprecher, der in Berlin sitzt. Der aber geht bei mehreren Versuchen nicht ans Telefon und lässt Mailboxnachrichten ebenso unbeantwortet wie E-Mail-Anfragen. Es ist eine kuriose PR-Strategie für ein Milliardenunternehmen, aber sie passt zu Signa, das extrem darum bemüht ist, seine Projekte so lang wie möglich abseits der Öffentlichkeit voranzutreiben und dabei die maximale Kontrolle zu behalten.

Teil der Präsentation für den Stadtrat war auch eine Zeitleiste, die eine sechsjährige Bauzeit abbildet. Der erste Abschnitt wäre demnach die zweieinhalbjährige Sanierung des Altbaus. Parallel dazu soll bei der Stadt ein Bebauungsplanverfahren für den Neubau laufen, für den dreieinhalb Jahre Bauzeit geplant sind. Wann es losgeht, ist aber offen. Bisher sind nach Auskunft des Planungsreferats noch keine "förmlichen Verfahren" gestartet, "für die Nennung von Terminen zu weiteren Schritten ist es daher zu früh". Deshalb könnte man sich auch nicht zu Details der Pläne äußern, bis auf eines: "Die Geschossfläche bleibt vermutlich gleich", erklärt das Planungsreferat.

Allerdings deuten die Simulationen an, dass der Neubau mit einem aufgesetzten Dach ein Stück höher werden soll als der bisherige Bau. Ob das doch für einen Wunsch nach mehr Quadratmetern spricht, bleibt offen. Signa lässt die Frage wie alle anderen unbeantwortet. Auch die Frage, ob es einen Architektenwettbewerb geben wird und welcher Art der sein könnte, ist noch offen. Das werde "erst bei der Erarbeitung des Bebauungsplans geklärt", heißt es aus dem Referat.

© SZ vom 20.01.2021/van/mmo
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