Unbekannte haben in der Nacht zum Dienstag eine israelische Flagge mit roten Händen beschmiert und anschließend am Obelisken auf dem Münchner Karolinenplatz gehisst. Das verunglimpfte Symbol des jüdischen Staates hing damit in Sichtweite des israelischen Generalkonsulats – und am Tatort des Terroranschlags, der im vergangenen September auf die konsularische Vertretung verübt worden war.
Polizisten auf Streife entdeckten die mit Farbe beschmierte Flagge gegen 1.15 Uhr und nahmen sie sofort ab. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung von Flaggen und Hoheitsabzeichen ausländischer Staaten ein. Das Strafgesetzbuch droht dafür Geld- oder Haftstrafe von bis zu zwei Jahren an. Das Kommissariat 43 der Münchner Kriminalpolizei sucht Zeugen.
Die roten Hände sind ein mehrdeutiges und höchst umstrittenes Symbol, das immer wieder von propalästinensischen Aktivisten verwendet wird. Deren Ziel ist es nach eigener Deutung, auf das Blut hinzuweisen, das von Israel und indirekt von dessen Unterstützern vergossen werde. Es kann aber auch auf die blutigen Hände der Täter nach einem Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in der palästinensischen Stadt Ramallah anspielen.
Anklage oder Drohung? Für beide Deutungen der blutroten Hände gibt es in München Anhaltspunkte. Als am 5. September vergangenen Jahres ein israelfeindlicher junger Österreicher auf das israelische Generalkonsulat und das benachbarte NS-Dokumentationszentrum schoss, endete sein Anschlagsversuch auf dem Karolinenplatz. Bei einem Feuergefecht mit Münchner Polizisten wurde der 18-Jährige dort getötet.
Propalästinensische Gruppen haben in den vergangenen Tagen aber auch gegen die israelische Flagge demonstriert, die seit den Anschlägen der Terrorgruppe Hamas als Zeichen der Solidarität mit dem jüdischen Staat am Münchner Rathaus weht. Die Flagge des „zionistischen Verbrecherregimes“ habe „in unserer Stadt nichts verloren“, schrieb die vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung „Palästina spricht München“ vor wenigen Tagen auf der Plattform Instagram.
„Diese Flagge ist Symbol einer rassistischen verbrecherischen Politik“, behauptete die Gruppierung. Nach der Kundgebung mit mehreren Hundert Teilnehmern – und nur wenige Stunden nach der Flaggenschändung auf dem Karolinenplatz – hieß es auf demselben Account: „Diese Flagge steht für unzählige Völkerrechtsbrüche, Kriegsverbrechen, Besatzung, Apartheid und Massenmord – und wer sie hisst, macht sich mitschuldig. (…) Wir kommen wieder – bis Schluss ist mit der Komplizenschaft.“

Arnulfpark:Google-Niederlassung in München beschmiert
Auch auf dem Arnulfsteg gab es Parolen über eine Gesamtlänge von 20 Metern. Die Polizei sucht Zeugen.
Bereits auf dem teilweise antiisraelischen Protestcamp, das propalästinensische Aktivistinnen und Aktivisten vergangenes Jahr vor der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität veranstaltet hatten, war eine ähnliche Symbolik aufgetaucht, ebenso bei mehreren Demonstrationen. Auf einem Schild war damals die israelische Flagge zu sehen – zwischen zwei blutroten Händen und einer ebenfalls rot verschmierten Kinderpuppe.
In der Neujahrsnacht hatten Randalierer im Münchner Stadtteil Pasing versucht, israelische Flaggen öffentlich zu verbrennen. Als Polizisten sie daran hindern wollten, griffen bis zu zehn Vermummte die Beamten mit Feuerwerkskörpern, Böllern und Flaschen an. Eine israelische Flagge war damals vollständig zerstört worden, eine weitere lag zur Verbrennung bereit. Nach Informationen des bayerischen Innenministeriums waren dazu die Rufe „Free Palestine!“ und „Allahu akbar!“ zu hören gewesen.

