Katholische KircheDer „Papstmacher“ redet Klartext

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Kardinal Reinhard Marx während einer Pressekonferenz im Vatikan am Tag nach der Wahl des neuen Papstes.
Kardinal Reinhard Marx während einer Pressekonferenz im Vatikan am Tag nach der Wahl des neuen Papstes. Marijan Murat/dpa

Kardinal Reinhard Marx warnt beim Jahresempfang des Erzbistums München und Freising vor Aufrüstung und Angriffen auf die Demokratie. Staatskanzleichef Herrmann bemüht bei der Gelegenheit einen seltenen Vergleich.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat den Jahresempfang des Erzbistums München und Freising für eine kämpferische Rede genutzt. „Wir müssen dagegenhalten“, sagte er mehrfach am Montagabend. Die Kirche dürfe „nicht auf der Seite der Restauration stehen“, der Kräfte, die die Entdemokratisierung der Gesellschaft betrieben und von einer Herrschaft aufgeklärter Eliten im Verbund mit Tech-Milliardären träumten. Kritisch äußerte sich Marx auch zum Ansehensverlust des Völkerrechts. Es sei ein Rückschritt zu sagen: „Die anderen halten sich nicht dran, also brauchen wir das auch nicht.“

Die Debatte um Aufrüstung sieht der Kardinal mit gemischten Gefühlen: „Ich bin kein Pazifist, natürlich brauchen wir die Bundeswehr. Aber ich möchte nicht erleben müssen, dass unterm Christbaum zu Weihnachten wieder Panzer verschenkt werden.“ Durch ein neues Wettrüsten werde die Welt nicht sicherer. „Wir müssen einsehen: Waffen lösen gar nichts, sondern nur der Versuch, miteinander zu sprechen, Interessen auszugleichen und Kompromisse zu finden.“

Mit einer ungewöhnlichen Danksagung wandte sich Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) beim Jahresempfang des Erzbistums an Kardinal Marx. Er bescheinigte Reinhard Marx eine entscheidende Rolle beim jüngsten Konklave und sei überzeugt, dass „Marx einer der Papstmacher“ gewesen sei, sagte Herrmann am Montagabend. Der erste Eindruck von Leo XIV. sei sehr positiv. „Deswegen sage ich: Sehr geehrter Herr Kardinal, danke für diesen Papst.“

Einen „Papstmacher“ nennt Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei,  Kardinal Reinhard Marx.
Einen „Papstmacher“ nennt Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei,  Kardinal Reinhard Marx. Felix Hörhager/dpa

Herrmann fügte hinzu, es sei faszinierend, wie es gelinge, dass 130 Kardinäle innerhalb von ein bis zwei Tagen solch eine weitreichende Entscheidung treffen könnten. „So ein Konklave scheint mir wie ein Parteitag und Gottesdienst zu sein.“ Im staatlichen Bereich sei so etwas völlig unvorstellbar. Neben dem Wirken des Heiligen Geistes im Konklave brauche es aber auch „einige Kardinäle, die sich auskennen, die angesehen sind, die wissen, was diese Zeit jetzt braucht“, sagte Herrmann. Dieses Profil treffe zweifellos auf Marx zu.

Herrmann äußerte sich auch zur aktuell wieder aufgelebten Diskussion über Kreuze in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden. „Wir sind dafür, im öffentlichen Raum dieses wichtige Symbol aufzuhängen“, sagte der Staatskanzleichef beim Empfang. „Wenn es unbedingt sein muss, umzuhängen, aber jedenfalls nicht abzuhängen.“

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