Kardinal Reinhard Marx über den Papst und Friedrich Merz„Das geht so nicht“

Lesezeit: 2 Min.

„Aus eigener Erfahrung weiß ich: Reha, Pflege, Krankenhaus – das könnten wir dichtmachen ohne Zuwanderung": Kardinal Reinhard Marx im Interview mit der Wochenzeitung  Die Zeit .
„Aus eigener Erfahrung weiß ich: Reha, Pflege, Krankenhaus – das könnten wir dichtmachen ohne Zuwanderung": Kardinal Reinhard Marx im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit. Alessandra Schellnegger

Der Münchner Erzbischof mahnt: Eine synodale Kirche braucht einen synodalen Papst. Und Deutschland müsse als Einwanderungsland gestaltet werden.

SZ bei Google bevorzugen

Aus Sicht von Kardinal Reinhard Marx müssten Veränderungen in der katholischen Kirche auch das Amt des Papstes einschließen. Er habe Papst Franziskus einmal gesagt: „Wenn Sie sich eine wirklich synodale Kirche wünschen, Heiliger Vater, das ist mehr als eine Kirche, die Synoden macht. Dann braucht es ‚synodale‘ Bischöfe und letztlich dann auch einen ‚synodalen‘ Papst.“

Franziskus versuche, viel aufzubrechen, „aber im Grunde gilt unverändert, der Papst bestimmt allein“, sagte der Münchner Erzbischof Marx der Wochenzeitung Die Zeit. Der Kardinal berichtet von einem Besuch bei Franziskus, kurz bevor dieser vor einigen Wochen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. „Die Audienz war um halb acht Uhr morgens, wegen einiger Wirtschaftssachen, für die ich zuständig bin. Da ging es ihm bereits gesundheitlich nicht so gut“, sagte Marx in dem Interview. Nach 20 Minuten, in denen sie zusammen Unterlagen durchgegangen sind, habe schon der Nächste in der Schlange mit seinen Akten gestanden. „Und da habe ich gedacht, das geht so nicht“, erinnerte sich der Münchner Erzbischof.

Am nächsten Tag habe er dem 88 Jahre alten Franziskus geraten, sich eine Pause zu gönnen. „Denn ich möchte eigentlich, dass er noch einige Zeit als Papst wirken kann“, sagte Marx. Einen Rücktritt des Argentiniers als Kirchenoberhaupt erwarte er nicht: „Solange er arbeiten kann, wird er arbeiten.“

Von CDU-Chef Friedrich Merz erwartet Marx ein Signal, dass er als Bundeskanzler Zuwanderung gestalten will und Deutschland als Einwanderungsland sieht. „Aus eigener Erfahrung weiß ich: Reha, Pflege, Krankenhaus – das könnten wir dichtmachen ohne Zuwanderung. Wir sind ein Einwanderungsland, und das ist gut so“, findet der Münchner Erzbischof.

Es sei falsch, Migration nur als Gefährdung der inneren Sicherheit darzustellen. „Wir müssen das Thema breiter sehen“, so der katholische Theologe. Er habe angesichts des Wahlergebnisses der Unionsparteien nicht den Eindruck, dass CDU und CSU mit der Verschärfung des Themas Migration erfolgreich waren.„Wenn Sie die Amokläufe und Anschläge anschauen, dann waren da genauso Rechtsradikale unterwegs wie Islamisten. Und wie viele Täter sind hier auffällig und radikal geworden, nicht in ihren Herkunftsländern?“, fragte Marx und fügte hinzu: „Das sollte uns doch auch einmal zu denken geben!“

In den laufenden Verhandlungen zu einer schwarz-roten Koalition dürfe es „nicht darum gehen, wo man bei der Migration überall die Schrauben anziehen kann“. „Wir brauchen Humanität und Ordnung – das auch! –, um Zuwanderung positiv zu gestalten“, sagte der Kardinal.

© SZ/epd - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Widerstandskämpfer Georg Elser
:Der Mann, der Hitler mit einer Bombe töten wollte

Georg Elser plante sein Attentat im Münchner Bürgerbräukeller akribisch – und scheiterte um 13 Minuten. Noch kurz vor Kriegsende wurde er im KZ Dachau ermordet. Über einen Widerstandskämpfer, der beinahe in Vergessenheit geraten wäre.

SZ PlusVon Christina Lopinski

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: