Theater in MünchenNachbesetzung von Mundel: Kammerspiele-Mitarbeiter schreiben offenen Brief

Lesezeit: 2 Min.

Kammerspiele-Intendantin Barbara Mundel
Kammerspiele-Intendantin Barbara Mundel
Johannes Simon
  • Rund 90 Kammerspiele-Mitarbeiter fordern in einem offenen Brief die Vertragsverlängerung von Intendantin Barbara Mundel über 2028 hinaus.
  • Die Stadtspitze hält an der geplanten Neubesetzung fest, obwohl Mundel gerne zwei weitere Jahre arbeiten würde.
  • Die Linke reicht bei der Regierung von Oberbayern eine Aufsichtsbeschwerde wegen mangelnder Transparenz im Besetzungsverfahren ein.
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Das Drama um die Intendantin des bedeutenden Münchner Theaters geht weiter: Nun wenden sich die Beschäftigten an die Stadtpolitik. Was sie fordern – und wie die Verantwortlichen reagieren.

Von Anna Hoben und Yvonne Poppek

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Das Stück zur Nachbesetzung der Kammerspiele-Intendanz geht in einen weiteren Akt. In einem offenen Brief fordern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor der Sitzung des Kulturausschusses im Stadtrat an diesem Donnerstag die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Barbara Mundel als Intendantin. Und sie kritisieren die Stadtspitze dafür, dass sie nicht mit Mundel und der Belegschaft in den Dialog getreten sei.

Der Brief datiert vom 13. Juli und ist unterzeichnet von ungefähr 90 Beschäftigten aus verschiedenen Abteilungen, von Ensemble, Dramaturgie und Regie bis zu Technik und Maske. An den Kammerspielen arbeiten gut 300 Menschen. Mundels Vertrag endet am 31. August 2028 und soll nicht verlängert werden. Hinter den Kulissen läuft längst die Suche nach einer Nachfolge, doch Mundel würde nun gern noch zwei Jahre lang weitermachen.

Adressiert ist der Brief an Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), Kulturbürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne), Kulturreferent Marek Wiechers (parteilos) sowie den Stadtrat. Die aktuelle Intendanz sei geprägt von „künstlerisch hochwertigen, innovativen und preisgekrönten Theaterabenden“, schreiben die Unterzeichnenden. Das inklusive Ensemble sei einzigartig. Die Kammerspiele beschäftigen mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderungen, etwa den querschnittsgelähmten Samuel Koch. Auf diese „Pionierarbeit“ wolle man aufbauen, so die Beschäftigten.

Weiter heißt es: „Dass weder mit Barbara Mundel über eine Möglichkeit der gemeinsamen Weiterarbeit gesprochen wurde, noch die Mitarbeiter*innen in die Überlegungen der Stadt miteinbezogen wurden, wirft die Frage auf, wie fundiert dieser Entscheidungsprozess aktuell gehandhabt wird.“ Der Brief schließt mit einem Appell: „Uns fehlt ein Dialog mit der Stadtpolitik. Wir, die Belegschaft, sind das Theater. Wir müssen gehört werden.“

In einem Antwortschreiben vom 14. Juli bietet Bürgermeisterin Mona Fuchs den Beschäftigten einen Gesprächstermin an. Das Anliegen der Beschäftigten nehme sie „sehr ernst“. Barbara Mundel habe die Kammerspiele „künstlerisch geprägt, wichtige Debatten angestoßen und das Haus als Ort des gesellschaftlichen Diskurses weiterentwickelt“, schreibt Fuchs. Und dennoch: „Mir war nicht bewusst, dass sich Frau Mundel eine weitere Tätigkeit als Intendantin über das turnusmäßige Vertragsende hinaus vorstellen kann.“

Auch Kulturreferent Wiechers verschickte am 14. Juli ein Antwortschreiben, in dem er dem Theater seine Wertschätzung ausspricht, aus dem aber hervorgeht, dass die Stadt an der geplanten Neubesetzung festhält. In der Findungskommission, die das Bewerbungsverfahren begleiten soll, sei auch der Personalrat mit einem Sitz vertreten. Die Einschätzung nach einer mangelnden Berücksichtigung der Perspektive der Beschäftigten teile er deshalb nicht, so Wiechers. Abgesehen davon werde der Wunsch nach einer Fortführung der inklusiven Arbeit des Theaters „selbstverständlich berücksichtigt und ist ohnehin in unser aller Sinn“.

Unterdessen schlagen die Vorgänge weitere Wellen. Die Linke im Stadtrat hat bei der Regierung von Oberbayern eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Aus Sicht der Fraktion liegt bei der Nachbesetzung ein Verstoß gegen die „Ausschreibungsrichtlinien bei Stellenbesetzungen durch den Stadtrat“ vor. Die Linke moniert, dass der Ältestenrat nicht mit der Sache befasst worden sei.

„Das Kulturreferat hat bei anderen Verfahren gezeigt, dass Transparenz möglich ist“, sagt Fraktionschef Stefan Jagel. Im Fall der Kammerspiele wähle der Referent stattdessen „den Weg an Stadtrat und Ausschuss vorbei und lässt Teile des demokratisch gewählten Gremiums bei einer der wichtigsten Kulturentscheidungen dieser Wahlperiode einfach außen vor“. Das sei „kein Versehen, sondern eine bewusste Entscheidung gegen Transparenz und Beteiligung“.

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Politikum
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Intendantin Barbara Mundel wäre bereit, ihren Vertrag zu verlängern – doch die Stadt plant bereits den Neustart. Die Linken im Stadtrat sind empört, andere halten den Wechsel für überfällig.

Von Heiner Effern

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