München:Wie die Energiekrise den Alltag eines Kaminkehrers verändert

Lesezeit: 3 min

München: Kaminkehrer Dimitri Gkotses hat wegen der Energiekrise mehr zu tun als früher.

Kaminkehrer Dimitri Gkotses hat wegen der Energiekrise mehr zu tun als früher.

(Foto: Robert Haas)

Ist das Wohnzimmer geeignet für einen Holzofen? Gibt es Alternativen zur teuren Gasheizung? Seit die Energiepreise steigen, muss Dimitri Gkotses nicht nur Schornsteine reinigen, sondern auch jede Menge Fragen beantworten.

Von Melanie Strobl

Er geht hinauf, er geht hinunter und er geht auch in die Wohnungen hinein. Dimitri Gkotses ist Bezirkskaminkehrer in Laim und hat in diesen Tagen viel zu tun. Er reinigt Schornsteine auf dem Dach, misst Heizungswerte im Keller und begutachtet Feuerstätten in den Wohnungen seines Kehrbezirks. Aber vor allem die vielen Fragen zur Energiekrise sind es, die seinen Arbeitstag aktuell länger werden lassen. "Was die Kunden immer wissen wollen, ist, wie sie einsparen können beim Gas und Öl", sagt Gkotses. Außerdem habe er häufig Anfragen zum Feuerstättenwechsel - aktuell vor allem zu neuen Holzöfen. "Die Leute sind wahnsinnig interessiert momentan."

Es ist ein warmer Septembertag, Dimitri Gkotses fährt in seinem Auto von Haus zu Haus. Der 36-Jährige trägt ein schwarzes T-Shirt und eine schwarze Latzhose - nur seine blauen Sneaker stechen farblich hervor. 18 Jahre lang sei er schon im Beruf, wie er sagt. Seit viereinhalb Jahren betreut er als Bezirkskaminkehrer in Laim mehr als 1000 Liegenschaften.

In einer davon wohnt das Ehepaar Günthers. Wie so viele in München überlegen auch sie, wie man sich bestmöglich auf den kommenden Winter vorbereiten kann. Als Gkotses das Haus der Günthers betritt, hält er in der einen Hand seine Tasche mit Messgeräten, mit der anderen trägt er seine Schornstein-Kamera, die er später noch brauchen wird. Zuerst geht der Kaminkehrer in den Keller und kontrolliert die Abgaswerte der Gasheizung. Mit prüfendem Blick beobachtet Gkotses das Display seines Messgeräts, das unter anderem die Sauerstoff- und Kohlenmonoxidwerte anzeigt. "Alles in Ordnung", sagt er nach wenigen Minuten. Bisher hätten die Günthers etwa 30 000 Kilowattstunden verbraucht, was für ihr Haus mit mehreren Heizkörpern "eh gut" sei, meint Gkotses und ergänzt: "Ich habe bei mir im Vergleich in einer Altbauwohnung mit 70 Quadratmeter 16 000 Kilowattstunden."

München: Der Kaminkehrer berät Hauseigentümer bei Fragen rund um ihre Heizung.

Der Kaminkehrer berät Hauseigentümer bei Fragen rund um ihre Heizung.

(Foto: Robert Haas)

Um auf einen möglichen Gasmangel vorbereitet zu sein, machen sich die Günthers Gedanken, wie sie auch ohne den Rohstoff heizen könnten. Die Anschaffung einer Solaranlage beispielsweise komme nicht infrage, sie sei zu teuer und bei ihrem Hausdach auch gar nicht möglich, meint das Ehepaar. Eine Alternative wäre ein Kaminofen mit Wassertasche - dieser würde Wärme in den Heizkreislauf einspeisen. "Wir wollen auf der einen Seite nichts überstürzen. Auf der anderen Seite wird das Problem nicht nur dieses Jahr, sondern die nächsten Jahre sein. Und wir haben uns überlegt, dass wir einfach so einen Notheizer haben, wenn es mal Ausfälle gibt", sagt Carlo Günther.

Neue Holzöfen freizugeben und abzunehmen, ist für Gkotses neuerdings eine Aufgabe, die häufiger anfällt als sonst. "Normalerweise habe ich fünf bis zehn Holzöfen im Jahr. 2022 werden es etwa 50 werden", sagt er. Die Günthers möchten ihren Kaminofen im Wohnzimmer aufstellen. Gkotses schaut sich am gewünschten Aufstellort unter anderem an, ob ausreichend Raumvolumen und genügend Abstand zu brennbaren Bauteilen wie etwa dem Lichtschalter vorhanden ist. "Das geht", sagt er nach ein paar Minuten.

Als Nächstes muss er noch ins Dachgeschoss, um sich den Kamin der Günthers von innen anzuschauen. Gkotses öffnet die Wandtür zum Schornstein, lässt an einem langen Kabel seine Schornstein-Kamera in den dunklen Schacht hinuntergleiten und beobachtet auf dem dazugehörigen Monitor die Bildaufnahmen. Hätte der Kamin zu viele Schäden, müsste er von innen saniert werden, meint Gkotses - das sei hier aber nicht der Fall, und die Günthers haben damit die Freigabe für ihren Holzofen. Als er sich von ihnen verabschiedet, sagt er noch: "Ihr könnt mir auch per Mail schicken, welchen Ofen ihr haben wollt." Im Internet gebe es nämlich häufig falsche, in Deutschland nicht zugelassene Angebote.

München: Ohne Sicherung, aber mit geübten Schritten geht Gkotses über die Dächer Münchens.

Ohne Sicherung, aber mit geübten Schritten geht Gkotses über die Dächer Münchens.

(Foto: Robert Haas)
München: Gkotses überprüft mit einer Taschenlampe das Abzugsrohr eines Holzkamins.

Gkotses überprüft mit einer Taschenlampe das Abzugsrohr eines Holzkamins.

(Foto: Robert Haas)

An einem normalen Arbeitstag besucht Gkotses etwa zehn bis 15 Kundinnen und Kunden. Am häufigsten muss er Gasheizungen überprüfen - so wie er es auch bei den Günthers gemacht hat. In seinem Bezirk habe er über 90 Prozent davon: "Ich glaube, dass ich 600 bis 700 Neuanlagen in den letzten fünf Jahren gehabt habe, und da waren keine fünf neuen Ölheizungen dabei." Jetzt, da die Gaspreise teilweise um das Zehnfache gestiegen seien, würden den Kaminkehrer fast alle um Rat fragen. Eine Alternative zur Gasheizung wäre die Wärmepumpe - in Bestandshäusern ohne Fußbodenheizung wäre der Einbau aber wenig sinnvoll, meint Gkotses.

Seine Devise lautet daher: abwarten und Energie einsparen, so gut es geht. Zum Beispiel rät er seinen Kundinnen und Kunden, die Vorlauftemperatur vom Heizkessel zu reduzieren oder die Raumtemperatur auf etwa 21 Grad zu stellen anstatt auf 24 Grad. "Da macht schon jedes Grad zweistellige Prozente aus, was ich an Mehrverbrauch habe", sagt Gkotses. Zudem sei eine Heizungsabsenkung einmal am Tag sinnvoll - diese solle idealerweise über eine Zeitschaltuhr geregelt werden, meint der Kaminkehrer. Wenn nach einer mehrstündigen Absenkung nämlich vergessen werde, die Heizung wieder anzuschalten, habe man das Problem, dass der Raum zu stark abgekühlt sei. Dann müsse viel zu hoch geheizt werden, sagt Gkotses, und statt Energiekosten einzusparen, würde man genau das Gegenteil bewirken.

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