Es müssen Szenen wie aus einem Gangsterfilm gewesen sein: Mit vorgehaltener Waffe sind zwei Männer am Mittwochnachmittag gegen 16.45 Uhr in ein Juweliergeschäft in der Goethestraße gegangen, haben die Mitarbeiter sowie einen Kunden gefesselt in einem Nebenraum eingesperrt und anschließend mehrere teure Uhren mitgehen lassen. Auf etwa 300 000 Euro beziffert die Polizei den Wert der geraubten Gegenstände.
Die mutmaßlichen Täter flüchteten mit einem Auto, das sie kurze Zeit später an der Theresienwiese abstellten, um in ein Taxi zu wechseln. Doch sie hatten die Rechnung ohne einen aufmerksamen Passanten gemacht: Dem Mann kamen die beiden Männer komisch vor, da sie sich immer wieder umblickten und verdächtig verhielten. Weil ein Mitarbeiter des Juweliers bereits die Polizei verständigt hatte, waren wohl bereits die ersten Martinshörner zu hören. Sicherheitshalber merkte sich der Zeuge das Nummernschild des Taxis und wählte den Notruf.

40 Streifenwagen und ein Hubschrauber fahndeten daraufhin nach den Flüchtigen. Und tatsächlich: Einer Streife fiel das Taxi mit dem gesuchten Nummernschild auf. Mehrere Polizeiwagen verfolgten das Fahrzeug mit den mutmaßlichen Räubern, ehe das Taxi um kurz vor 18 Uhr auf der A9 in Richtung Nürnberg kurz nach der Anschlussstelle Schwabing gestoppt werden konnte. Die beiden Gesuchten wurden festgenommen und am Donnerstag den Haftrichter vorgeführt.
Einer der beiden ist 21 Jahre alt und ohne festen Wohnsitz in Deutschland, der Zweite war bis Donnerstagmittag noch nicht zweifelsfrei identifiziert. Für den Einsatz musste die A9 für etwa eine Stunde gesperrt werden. Der Taxifahrer wurde ebenfalls vorübergehend festgenommen. Inzwischen ist der Mann aber wieder auf freiem Fuß – nach aktuellem Stand der Ermittlungen hat er nichts mit dem Überfall zu tun und wurde von den beiden Verdächtigen zufällig als Chauffeur ausgewählt. Ob die beiden Männer möglicherweise zum Flughafen wollten, um sich ins Ausland abzusetzen und sich so dem Zugriff der Polizei zu entziehen, war am Donnerstag noch nicht klar. Hierfür müsse man die weiteren Ermittlungen abwarten, erklärte ein Polizeisprecher.
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Nach der Festnahme der beiden Tatverdächtigen von München prüft die Polizei einen Zusammenhang mit zwei weiteren Überfällen in Oberbayern. Mitte Mai hatte sich ein Räuber auf einem Kleinanzeigen-Portal als Interessent für ein Produkt ausgegeben. So hatte er sich Zutritt zur Wohnung seines Opfers verschafft und unter Gewaltanwendung gegen den Bewohner mehrere hochwertige Uhren geraubt. Am vergangenen Freitag wiederum hatten zwei Männer einen Juwelier in Wolfratshausen ausgeraubt. Auch hier bedrohten die Täter die Mitarbeiter des Geschäfts mit einer Schusswaffe und entwendeten teure Uhren.
Beide Fälle würden „vom Modus Operandi einen Tatzusammenhang nahelegen“, erklärte Stefan Gruber, Leiter des Raubdezernats bei der Münchner Polizei, am Donnerstag mit Blick auf den Überfall in der Goethestraße. Das dortige Juweliergeschäft ist eher unscheinbar und hat keine Schaufenster. Die mutmaßlichen Täter scheinen sich den Laden sehr gezielt ausgesucht zu haben.
Ähnlich wie in Murnau gaben sie vor, sich für bestimmte Produkte zu interessieren und vereinbarten einen Termin, um in das Geschäft zu gelangen. Die Ermittler in München sowie der Ermittlungsgruppe „Froschteich“, die die Fälle in Murnau und Wolfratshausen untersucht, prüfen nun, ob es sich bei allen drei Überfällen um dieselben Täter handeln könnte.

