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Feier-Industrie:Geschäftsmodell Gruppenbesäufnis

Wer privat ein Bierbike oder ähnliches mieten will, muss die Auflagen der Behörden beachten - innerhalb der Stadtgrenze ist das tabu.

(Foto: Pissup Reisen)

Die Wünsche sind unterschiedlich: eine Stretchlimousine, Paintball - oder eine Stripperin. Nur Alkohol fließt fast immer. Das Unternehmen "Pissup" organisiert Junggesellenabschiede in München.

Von Linus Freymark

Am liebsten führen Patrick Burmeiers Kollegen ihre Kunden in München in Clubs wie das Pacha oder das Call me Drella. Oder in eine der Sausalitos-Filialen, da wissen sie, dass ihre Klienten dank der Kooperationsverträge willkommen sind. In anderen Wirtschaften kann das schon mal anders sein, da sind die Gruppen nicht immer gern gesehen. Der Augustinerkeller zum Beispiel hat vor einiger Zeit ein Schild am Eingang aufgestellt, "Keine Junggesellenabschiede" steht darauf. Man könnte meinen, dass ihm solche Gastronomen das Leben schwer machen. Aber Burmeier, zuständig für das Marketing beim größten europäischen Reiseveranstalter für Junggesellenabschiede "Pissup Reisen", sagt: "So etwas hilft uns eigentlich eher."

Pissup wurde 2001 in Großbritannien gegründet, inzwischen hat das Unternehmen seinen Hauptsitz nach Kopenhagen verlegt. Der Veranstalter bietet Ausflüge für Junggesellenabschiede in 26 europäische Städte an. Möglich wird das durch die Billigfluggesellschaften - ohne deren niedrige Preise würde das Geschäftsmodell von Pissup wohl kaum funktionieren.

Ein Wochenende in Tallinn, Barcelona oder Prag - heute ist das für fast jeden erschwinglich. Hinzu kommt, dass Hochzeiten immer durchgeplanter sind, nicht selten wird ein sogenannter Weddingplaner mit der Organisation betraut. Damit steigen offenbar auch die Ansprüche an den Junggesellenabschied. Pissup Reisen profitiert davon: 35 000 Kunden zählt das Unternehmen pro Jahr, knapp 20 000 davon aus Deutschland.

Umgekehrt ist Deutschland ziemlich beliebt bei Touristen: Neben Berlin und Hamburg gehöre München zu den attraktivsten Reisezielen ausländischer Gruppen, berichtet Burmeier. Vor allem bei Engländern sei die Stadt beliebt. "Und natürlich bei allen, die München bereits vom Oktoberfest her kennen."

Bucht eine Junggesellengruppe eine Reise nach München, kann sie zwischen verschiedenen "Aktivitäten" wählen, sagt Burmeier: Zum Beispiel eine Fahrt in der Stretchlimousine oder eine Runde Paintball, wo mit Farbkugeln aufeinander geschossen wird, eine Kneipentour oder - ganz klischeemäßig - der Auftritt einer Stripperin. "Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt", sagt Burmeier und korrigiert sich sofort: "Alles bieten wir nicht an." Wer mit seinen Freunden ins Bordell möchte, der sei bei ihm an der falschen Adresse.

Pissup übernimmt die komplette Organisation des Junggesellen-Programms. Zwischen 200 und 400 Euro pro Person kostet ein solches Partypaket je nach Destination, An- und Abreise muss die Gruppe selbst auf die Beine stellen. Trotzdem würde dem Trauzeugen, dem klassischen Organisator des Junggesellenabschieds, auf diese Weise viel Stress erspart bleiben, sagt Burmeier. Denn oftmals kenne sich die Gruppe nur über die Braut oder den Bräutigam, planen würde aber meist deren beste Freundin oder dessen bester Freund. Oft komme es dann zu Schwierigkeiten.

Gerade in München, einer Stadt, die wie der Wirt des Augustinerkellers auch so ihre Erfahrungen hat mit betrunkenen Gruppen, die sich an den Wochenenden in T-Shirts mit mehr oder weniger tiefsinnigen Aufdrucken ("Eine Ehe dauert nicht nur 90 Minuten", "Ich bin vom Umtauschrecht ausgeschlossen") durch die Fußgängerzone walzen und nicht selten versuchen, Unbeteiligte in das Spektakel einzubinden. Das kann einem durchaus auf die Nerven gehen. Hinzu kommen Auflagen des Kreisverwaltungsreferats wie etwa das Bierbike-Verbot innerhalb der Stadtgrenzen, die es privat organisierten Junggesellenabschieden schwerer machen, geeignete "Aktivitäten" zu finden.

Deswegen arbeitet Pissup mit Kneipen und Clubs zusammen, um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Da wisse man, dass die Gruppen nicht sofort wieder vor die Tür gesetzt werden. Er verstehe, dass die grölenden Gruppen mitunter "als unschön wahrgenommen werden", sagt Burmeier. Aber genauso verstehe er seine Kunden, die einfach noch mal gemeinsam feiern wollten, bevor Beruf und Familie die Zeit dafür knapp werden lassen. Dazu passt dann wohl auch der Name der Firma: Piss-up heißt auf deutsch so viel wie "Besäufnis".

© SZ vom 23.10.2019/zara
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