Schon als Kind war Natalie Zohner, 24, von Kreativität umgeben. Ihre Mutter arbeitet als Münzrestauratorin und nahm sie regelmäßig zum Flohmarkt mit. Dort fanden sie kleine Schätze und restaurierten sie. „Mein Kindertagebuch ist voll mit Erzählungen davon“, sagt Natalie. Heute studiert sie an der Akademie der Bildenden Künste, ihre Leidenschaft für Handarbeit fließt in ihre Kunstwerke mit ein.

Fotos baumeln von der Decke, sie alle sind durchzogen von schwarzen Fäden. Natalie hatte die Fotos zuvor in einer Performance zusammengenäht. Am Ende entsteht eine Fotoinstallation im Stil eines Kindermobiles. „Jede Familie hat ihre Probleme. Ich wünsche mir, dass meine Kunst einen Raum schafft, in dem darüber offen gesprochen werden kann“, sagt Natalie.

Schwarze Fäden durchdringen die Fotos einer glücklichen Familie. Sie wirken wie eine Narbe, die verrät, dass es einst eine tiefe Wunde gab. „Runterkommen“ heißt Natalies Fotoinstallation. Es ist eins der vielen Werke, in denen Natalie verschiedene Materialien miteinander verschmelzen lässt. Experimentieren ist Natalie wichtig. Noch mehr aber Kunst zu erschaffen, die zum Austausch anregt – auch über schwierige Themen.

Auch Natalie musste in ihrer Familiengeschichte schwierige Erfahrungen machen. Später setzte sie sich in einem Philosophie-Seminar mit der Vorstellung der glücklichen Familie auseinander, beides inspirierte sie zu einer Reihe an Werken. Sie sollen mit dem Ideal der perfekten Familie aufräumen. „Ich möchte mit dem Tabu brechen, über familiäre Probleme zu sprechen“, sagt Natalie. Dafür nutzt sie unterschiedliche Elemente: Fotografie, Performance und Näharbeit.

„Ich habe viel Spaß dabei, Materialien zu erforschen“, sagt Natalie. Das wird in ihren Werken sichtbar: Arbeiten aus Keramik, Bronze und auch ein gestricktes Haus lassen sich in ihrem Atelierfinden. „Als ich für ein Jahr in Warschau lebte, teilte ich mir eine Zweizimmerwohnung mit vier anderen Leuten. Wir waren durch Rigipswände voneinander getrennt, jeder aß allein“, sagt Natalie. Ihre Gefühle und Erfahrungen lassen Naht für Naht ein gestricktes Haus entstehen.

„Wenn man eine Masche öffnet, geht eine ganze Reihe auf“, sagt Natalie. Das soll zeigen: Man kann auch Dinge verändern, die unumstößlich wirken. So möchte Natalie auch mit ihrer Kunst ebendiese Veränderung bewirken. In ihren Performances und Arbeiten findet man eine sanfte Art der Stärke wieder, eine Verletzlichkeit, die einen Raum öffnet. Einen, indem man seine Narben zeigen darf.

