Nationalsozialismus:"Die Synagoge neben deiner Schule brennt"

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Nationalsozialismus: In der Jüdischen Volksschule gab es viele Beispiele großen persönlichen Mutes. Lehrer Ferdinand Kissinger (hinten rechts) war einer, der bis zuletzt durchhielt.

In der Jüdischen Volksschule gab es viele Beispiele großen persönlichen Mutes. Lehrer Ferdinand Kissinger (hinten rechts) war einer, der bis zuletzt durchhielt.

(Foto: Stadtarchiv München)

Der Brand in der Reichspogromnacht war auch der Anfang vom Ende der Jüdischen Volksschule. Lehrer und Schüler hielten lange am Unterricht fest - bis die Nationalsozialisten ihn ganz verboten.

Von Berthold Neff

Sie wurden schon über Jahre diskriminiert, ausgegrenzt, verächtlich gemacht, und doch zeigten sie großen Mut, als das in Flammen aufging, was ihnen das Heiligste war. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen uniformierte SA-Männer in die Synagoge der orthodoxen jüdischen Gemeinde Ohel Jakob an der Herzog-Rudolf-Straße ein, grölten das Horst-Wessel-Lied, verwüsteten die Kultgegenstände und verschütteten Petroleum und Benzin, um alles in Brand zu setzen. Der Rabbiner Ernst Ehrentreu versuchte noch, die 70 Thorarollen vor den Flammen zu retten, aber er schaffte es nicht. Das Feuer beschädigte auch die Jüdische Volksschule gleich nebenan, wo er als Lehrer tätig war. Der Unterricht ging dann später zwar weiter, aber es war der Anfang vom Ende. Zum 30. Juni 1942, also vor 80 Jahren, wurde jeglicher, auch ehrenamtlicher Unterricht für jüdische Kinder durch einen Erlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung verboten, am 1. Juli trat das Verbot in Kraft.

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