Kultur- und Freizeittipps des Hoteliers und Sängers Jost DeitmarEntspannende und inspirierende Orte in München und der Region

Lesezeit: 4 Min.

Zwischen den Proben mit dem „MaxChor“ und anderen Aktivitäten relaxt Jost Deitmar gerne in der Therme Bad Aibling.
Zwischen den Proben mit dem „MaxChor“ und anderen Aktivitäten relaxt Jost Deitmar gerne in der Therme Bad Aibling. (Foto: AIB-KUR GmbH/dpa-tmn)

Der Hotelier und Sänger Jost Deitmar freut sich in der Woche von 24. bis 30. November auf sein Konzert in München, eine außergewöhnliche Kinodokumentation und eine Ausstellung über die Pop-Ikone David Bowie.

Die Liste der Gäste ist ganz großes Hollywood: Robert Redford, Michael Douglas, Morgan Freeman – sie alle haben schon im Hotel „Louis C. Jacob“ übernachtet. Fast 20 Jahre lang leitete Jost Deitmar, eine prägende Figur der deutschen Luxushotellerie, das Hamburger Hotel und entwickelte es zu einem Spitzenhaus und gesellschaftlichen Treffpunkt. Nach seiner Hamburger Zeit übernahm er das Romantik-Hotel „Das Lindner“ in Bad Aibling, bevor er 2024 die Betriebsgesellschaft verkaufte. Heute lebt er in München, sitzt im Aufsichtsrat der „Romantik Hotels & Restaurants“, berät Hoteliers – und singt. Er ist Bass im Münchner „MaxChor“, der am Freitag, 28. November, um 20 Uhr im Herkulessaal der Residenz Carl Orffs „Carmina Burana“ erklingen lässt.

Montag: Krimi der Architekturgeschichte

Der Film „E.1027 - Eileen Gray und das Haus am Meer“ dokumentiert einen Krimi der Architekturgeschichte.
Der Film „E.1027 - Eileen Gray und das Haus am Meer“ dokumentiert einen Krimi der Architekturgeschichte. (Foto: Rise and Shine)

Meine Woche startet mit Vorbereitungen für das Benefizkonzert des „MaxChors“ am kommenden Freitag. Seit ich in München lebe, singe ich mit großer Begeisterung im Konzert- und Kirchenchor von St. Maximilian im Glockenbachviertel. Da unsere Kirche gerade saniert wird, sind wir „on tour“ und treten diesmal im grandiosen Herkulessaal auf. Abends freue ich mich auf Kino im Gasteig HP8, da läuft unter dem Motto „Kino Europa“ der Film „E.1027 – Eileen Gray und das Haus am Meer. Ich bin Bauhaus-Fan, und einige Klassiker dieser Epoche stehen seit vielen Jahren in meiner Wohnung – zeitlos, klar, ohne Schnörkel. Der Film erzählt von der Architektin und Designerin Eileen Gray, die stille Bauhaus-Eleganz baut, und Le Corbusier, der Farbe und Ego ins Spiel bringt. Architektur als Beziehungskrimi.

Dienstag: Kulinarik auf hohem Niveau

Bodenständige österreichische Küche auf hohen Niveau bietet das Gasthaus Waltz. Unter anderem  einen Klassiker: das Wiener Backhendl.
Bodenständige österreichische Küche auf hohen Niveau bietet das Gasthaus Waltz. Unter anderem  einen Klassiker: das Wiener Backhendl. (Foto: Stephan Rumpf)

Heute zieht es mich in die Ausstellung „A Day With David Bowie“ im Pineapple Park. Die Schwarzweiß-Fotografien von Christine de Grancy zeigen den Künstler als nachdenklichen Beobachter, jenseits des Glam-Rock-Mythos. Bowie fasziniert mich seit Jahrzehnten: Seine Kunst hat mir gezeigt, dass Identität nichts Starres sein muss, sondern sich ständig neu gestalten darf. Diese Haltung prägt seit Langem mein Leben. Sie inspiriert, weil sie Mut macht, alte Rollen abzulegen, und sich selbst immer wieder neu zu entdecken, statt sich von Erwartungen oder Konventionen einengen zu lassen. Zum Abendessen treffe ich meinen Freund im Gasthaus Waltz in der Ickstattstraße. Dort wird in unprätentiösem Ambiente bodenständige, österreichische Küche auf höchstem Niveau geboten. Der lässige und kenntnisreiche Service macht Spaß und ist exzeptionell.

Mittwoch: Umstrittener Erfolgsautor

Der französische Schriftsteller Edouard Louis hat mit „Der Absturz“ ein Buch über das gescheiterte Leben seines Bruders geschrieben,
Der französische Schriftsteller Edouard Louis hat mit „Der Absturz“ ein Buch über das gescheiterte Leben seines Bruders geschrieben, (Foto: Henning Kaiser/picture alliance/dpa)

Ein kürzlich in dieser Zeitung erschienenes Interview mit Édouard Louis über sein neues Buch „Der Absturz“ hat mich neugierig gemacht. Es geht darin um das gescheiterte Leben seines Bruders und über die Verstrickungen von Herkunft, Gewalt und Liebe. Ich kaufe meine Bücher gern in meiner Lieblingsbuchhandlung „Wortwahl“ in der Reichenbachstraße. Zwischen hellen Regalen, gefüllt mit sorgfältig ausgewählten Büchern zu Fotografie, Design und Belletristik, spürt man die Liebe zur Buchkultur. Am Abend folgt die Generalprobe für unser Konzert im Herkulessaal: 200 Mitwirkende – drei Chöre, Solisten der Bayerischen Staatsoper, das Orchester Lodron und Pianistin Aenne Forster – bringen Stimmen und Instrumente erstmals gemeinsam zusammen. Ich singe Bass und freue mich auf das Zusammenspiel von drei Generationen, bei dem jeder Ton seinen Platz findet und alles zu einem Ganzen verschmilzt. Bis zum Konzert am Freitag werden wir alle ein wenig aufgeregt sein.

Donnerstag: Blick hinter Theaterkulissen

Die Ausstellung „Making Theatre“  gewährt einen Blick hinter die Kulissen des Münchner Residenztheaters (Szene aus „Romeo und Julia“ mit Lea Ruckpaul und Vincent zur Linden).
Die Ausstellung „Making Theatre“  gewährt einen Blick hinter die Kulissen des Münchner Residenztheaters (Szene aus „Romeo und Julia“ mit Lea Ruckpaul und Vincent zur Linden). (Foto: Birgit Hupfeld)

Als Kind und junger Erwachsener wollte ich unbedingt Schauspieler werden. Letztlich fehlte mir der Mut und ich wurde Hotelier. Theater und Hotel haben indessen viele Parallelen. Jede Rolle – am Empfang, im Service, in der Küche und im Housekeeping – muss mit Leidenschaft und Präzision zusammenspielen, damit der Gast das „Stück“ als gelungenes Erlebnis spürt. Meine Begeisterung für die Theaterwelt animiert mich zu der Ausstellung „Making Theatre“ im Theatermuseum. Sie gewährt einen Blick hinter die Kulissen des Münchner Residenztheaters. Werkstätten, Probebühne, Dramaturgie – alles arbeitet zusammen, um Shakespeares „Romeo und Julia“ lebendig werden zu lassen. Ein bisschen wie im Hotel. Auf dem Rückweg halte ich bei der Konditorei Mische, nahe St. Maximilian. Hier ist alles noch nach alter Konditorkunst handgemacht, von exzellenter Qualität und von der Familie Mische herzlich serviert. Tipp: der Butter- und Streuselkuchen!

Freitag: Wuchtiges Chorwerk

Benefizkonzert für ein Kinderkrankenhaus im Westjordanland: Der „MaxChor“ singt heute Carl Orffs kraftvolles Werk „Carmina Burana“ im Herkulessaal der Residenz.
Benefizkonzert für ein Kinderkrankenhaus im Westjordanland: Der „MaxChor“ singt heute Carl Orffs kraftvolles Werk „Carmina Burana“ im Herkulessaal der Residenz. (Foto: Benaglia)

Heute ist unser großer Abend: Mit Carl Orffs „Carmina Burana“ bringt der „MaxChor“ ein Werk auf die Bühne des Herkulessaals, das wie kaum ein anderes die Gegensätze des Lebens feiert: Rausch und Reue, Liebe und Leere, Lust und Los. Ein Programm, das das Leben in seiner ganzen Wucht zum Klingen bringt. Ich entspanne vormittags beim Spaziergang durch den Englischen Garten, zwischendurch gibt’s eine Currywurst an meinem Lieblings-Kiosk am See-Einlauf. Nachmittags studiere ich noch einmal den Abschnitt der Carmina „In Taberna“, der nur von Männern gesungen wird. Extrem anspruchsvoll – finde ich: schneller, höchst präziser Wechsel der lateinischen Silben und das im halsbrecherischen Tempo. 17 Uhr Anspielprobe. Drei Stunden später, wenn vor ausverkauftem Haus „O Fortuna“ erklingt, wird mich vermutlich das berührende Gefühl der Dankbarkeit überkommen, Teil dieses großen Ganzen sein zu dürfen.

Samstag: Entspannen in der Therme

Meine Wohnung ist voll, trotzdem zieht es mich zum Kunst- & Designmarkt im MVG-Museum. Zwischen alten Straßenbahnen und jungem Design entdeckt man immer Neues. Meist nehme ich ein kleines Objekt mit, das plötzlich unverzichtbar erscheint. Am späten Nachmittag geht’s mit dem Zug in die Therme Bad Aibling. Vermutlich gönne ich mir eine Ganzkörpermassage und mehrere Gänge in den 14 unterschiedlichen Saunen. Alles in Ruhe, ohne Gedränge.

Sonntag: Ort der Ruhe in der Stadt

Am 30. November lädt die Kirche St. Michael um 21 Uhr zum Spätgottesdienst mit Orgelmusik.
Am 30. November lädt die Kirche St. Michael um 21 Uhr zum Spätgottesdienst mit Orgelmusik. (Foto: Catherina Hess)

Heute besuche ich einen für mich besonderen Ort: die zauberhafte Marienwallfahrts-Kapelle Birkenstein in Fischbachau über dem Leitzachtal. Sofern das Wetter mitmacht, starte ich in Hundham. Seit ich in Bayern lebe, beginnt für mich alljährlich Weihnachten genau hier: mit einem kurzen Gebet in der Kapelle am Heiligabend. Danach singen wir Weihnachtslieder unter den drei Kreuzen am Ende des Leidenswegs. Die besondere Atmosphäre des Marienwallfahrts-Orts, verbunden mit dem vertrauten, weihnachtlichen Gesang, schafft ein tief berührendes Gefühl von Spiritualität und Heimat. Ich genieße diesen Ort der Einkehr aber auch heute. Am Abend geht es zurück nach München, zum Spätgottesdienst um 21 Uhr in St. Michael. Meditativer Gesang, Orgelmusik, Weihrauchritus und ein abschließendes Nachtlied runden die Woche ab – ein Moment der Ruhe nach einer Woche voller Kultur, Musik und Inspiration.

Jost Deitmar.
Jost Deitmar. (Foto: privat)

Jost Deitmar, geboren im Münsterland, absolvierte seine Ausbildung zum Hotelkaufmann im Fürstenhof Celle. Berufliche Stationen führten ihn unter anderem an den Genfer See, ins „Vier Jahreszeiten Hamburg“ und ins Savoy Hotel in London. Deitmar absolvierte das Professional Development Program der Cornell University New York, leitete 20 Jahre als geschäftsführender Direktor das Hotel Louis C. Jacob Hamburg und war bis 2024 Inhaber des Romantik Hotels „Das Lindner“ in Bad Aibling. Heute lebt und arbeitet er in München, seine Beratungsgesellschaft J.C.D.C. berät Hotels und Restaurants. Privat engagiert er sich im Vorstand des „MaxChors“ und singt dort selbst mit.

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