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Zum Tod von Joseph Hannesschläger:Mehr Münchner als Bilderbuchbayer

Schauspieler Joseph Hannesschlaeger gestorben

Mit 57 Jahren gestorben: Schauspieler Joseph Hannesschläger.

(Foto: Sven Simon/imago images)

Der 57-Jährige war für seine Rolle als gemütlicher Ermittler in der Serie "Rosenheim-Cops" bekannt. Nun ist er an einer Krebserkrankung gestorben. Über einen Schauspieler, mit dem sich die Zuschauer identifizierten.

Über den Schauspieler Joseph Hannesschläger las man in der jüngeren Vergangenheit viele Artikel in den bunten Blättern. Zunächst, im Sommer 2018, war er in den Schlagzeilen, weil er Bettina Geyer heiratete, die er erst in seinen Fünfzigern kennengelernt hatte; er bezeichnete sie als seine große Liebe. Dann, Liebe und Leid lagen tragisch nahe beieinander, wurde im Herbst 2019 bekannt, dass Hannesschläger an Krebs leide, der palliativ behandelt werden müsse. Er starb nun an diesem Montag, mit nur 57 Jahren. "Dass es so schnell ging, haben wir nicht erwartet", sagte seine Frau.

Die Kolleginnen Marisa Burger und Karin Thaler, die mit ihm seit fast 20 Jahren bei den Rosenheim-Cops zusammen gearbeitet hatten, ließen über ihre Agentur mitteilen, dass sie "unendlich traurig" seien und "eine Ära" zu Ende gehe. "Freund ist für mich ein Ehrentitel", sagte Max Müller, der den Polizisten Michi Mohr spielt. "Joseph war und ist ein Freund. Dementsprechend geht es mir." Und der Programmdirektor des ZDF, Norbert Himmler, würdigte Hannesschläger als "großen Volksschauspieler", der seine Rolle "mit seiner unvergleichlichen Mischung aus bayerischem Charme und hintergründiger Schlitzohrigkeit" ausgefüllt habe.

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Hannesschläger spielte den gemütlichen, nuschelnden Ermittler Korbinian Hofer, der zusammen mit seiner Schwester (Karin Thaler) auf einem Bauernhof lebte und gerne mit einem Weißbier auf der Sonnenbank saß.

Joseph Hannesschläger sah sich privat eher als Münchner denn als Bilderbuchbayer. Er war ausgebildeter Sänger und Gitarrist, er spielte Jahrzehnte lang in der Band Discotrain, und er war auch ansonsten für vieles begabt. Ursprünglich wollte er Paläontologe, Historiker oder Biologe werden, aber als er in der Schule Theater spielte, sagte eine Lehrerin: "Du musst Schauspieler werden!" Er wurde dann erst mal Koch. Musik und Theater (später auch Kabarett) liefen eine Zeit lang nebenher.

Das Theaterspielen wurde bald sein Hauptberuf, mit "Warten auf Godot" hatte er 1990 seinen Durchbruch. Bis zu seinem Tod machte er in 45 Theater- und 40 Kino-und Fernsehproduktionen mit.

Von 2002 an spielte er den Korbinian Hofer bei den Rosenheim-Cops, die 2015 in einer Umfrage zur "beliebtesten Fernsehserie" gewählt wurde. Hannesschläger erklärte den Erfolg der Süddeutschen Zeitung damals so: "Der Zuschauer sieht gerne schöne Landschaften, es gibt einen spannenden Fall, der nicht zu brutal, sondern mit bayerischem Humor erzählt wird." Und dann sagte er einen schönen Satz über seine Figur, den Kommissar Hofer, der "dicker ist als der durchschnittliche Zuschauer, von denen viele aber auch mit Gewichtsproblemen kämpfen". Mit anderen Worten: Man konnte sich mit ihm identifizieren.

Hannesschläger verletzte sich anfangs der 2010er-Jahre mehrmals am Bein und musste aussetzen, andere Kommissare übernahmen. 2019 gab er den Ausstieg aus der Serie bekannt, der schweren Krankheit wegen.

In den vergangenen Wochen kam Hannesschläger häufig in den Münchner Boulevardblättern zu Wort, und er sagte tapfer das, was Menschen oft sagen, bei denen es um Existenzielles geht: dass man das Leben jeden Tag genießen solle; dass er trotz allem dankbar sei; dass seine Frau Bettina Übermenschliches leiste. Vor kurzem kam er ins Hospiz. Dort besuchte ihn der frühere Oberbürgermeister Christian Ude, der danach ein Foto auf Facebook teilte und schrieb: "Wir danken dir für die Freundschaft, deinen ansteckenden Humor und die Vermittlung der Einsicht, was wirklich wichtig ist im Leben." Als Hannesschläger am Montagmorgen starb, soll seine Frau bei ihm gewesen sein.

© SZ vom 21.01.2020/syn
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