Klimaschutz:Stadt erlaubt nun doch Solaranlagen in der Nähe von Denkmälern

Lesezeit: 3 min

Florian Forster vor seinem Haus in Johanneskirchen

Noch ist Florian Forster vorsichtig optimistisch: "Ich bin gespannt, was kommt, vor allem was für Auflagen es sein werden."

(Foto: Florian Peljak)

Die Lokalbaukommission hatte ein Projekt in Johanneskirchen zunächst mit Verweis auf den Denkmalschutz abgelehnt, doch dann schaltete sich Bürgermeisterin Habenschaden ein: "Man sollte schon die richtigen Prioritäten setzen."

Von Sebastian Krass

Im Konflikt zwischen Eigentümerinnen und Eigentümern von Reihenhäusern in Johanneskirchen und der Stadt um die Genehmigung von Photovoltaikanlagen auf dem Dach zeichnet sich eine Wende ab: Nachdem sie bisher aus Gründen des Denkmalschutzes gegen den Bau der Anlagen war, bereitet die Lokalbaukommission (LBK) nun die "Erlaubnis" vor, wie LBK-Chef Cornelius Mager auf Anfrage mitteilt, und zwar "mit wenigen Auflagen zur Gestaltung".

Als Beispiele nennt er ein "einheitlich ruhiges Erscheinungsbild und möglichst nicht reflektierende dunkle Paneele". Er habe "dem Antragsteller die Erteilung so im Laufe der nächsten Woche in Aussicht gestellt", so Mager. "Wir rudern ein Stück weit zurück."

Florian Forster, einer der Hauseigentümer und eine Art Wortführer der Gruppe von Menschen aus dem Wildrosenweg, die mit einer Solaranlage auf nachhaltige Weise Strom gewinnen wollen, reagiert noch vorsichtig auf die Ankündigung der Stadt: "Ich bin einfach mal gespannt, was kommt, vor allem, was für Auflagen es sein werden." Für ihn stelle sich etwa auch die Frage, ob man das ganze Dach oder nur einen Teil mit einer Photovoltaikanlage bebauen könne.

Klimaschutz oder Denkmalschutz? Diese Frage dürfte sich in München noch öfter stellen

Forster hatte im Sommer von einem Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, die in der LBK angesiedelt ist, die Auskunft bekommen, der Photovoltaikanlage könne "nicht zugestimmt werden". Denn die knapp 20 Jahre alte Wohnanlage, in der Forster und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter leben, liegt wie eine Insel im Ensembleschutzgebiet "Ehemaliger Ortskern Johanneskirchen", in diesem Ensemble gibt es zudem Einzeldenkmäler, etwa die alte Dorfkirche St. Johann Baptist. Das erhaltenswürdige "traditionell-dörfliche Erscheinungsbild" würde durch die Photovoltaikanlagen gestört, so die Argumentation des Denkmalschutzes.

Im Herbst wandte Forster sich an die für das Thema Klima zuständige Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne). Sie bat Mitte November das Planungsreferat, zu dem die LBK gehört, zu prüfen, ob der Denkmalschutz in diesem Fall vor Klimaschutz gehe, "man sollte schon die richtigen Prioritäten setzen", erklärte sie.

Klimaschutz: Die Eigentümer entwickelten ein "gestalterisches Gesamtkonzept" für Solaranlagen auf sechs nebeneinander liegenden Häusern.

Die Eigentümer entwickelten ein "gestalterisches Gesamtkonzept" für Solaranlagen auf sechs nebeneinander liegenden Häusern.

(Foto: Concept-A)

Das Planungsreferat sprach daraufhin von einer "Präzedenzfallwirkung". Schließlich ist es erklärtes Ziel der Stadtregierung wie auch der designierten neuen Bundesregierung, künftig sehr viel mehr Strom auf Dächern zu erzeugen als bisher - was in einer von vielen Denkmälern geprägten Stadt wie München immer wieder zu Konflikten mit dem Denkmalschutz führen könnte. Parallel zum Dialog mit der Stadt erarbeitete die Gruppe aus Johanneskirchen ein "gestalterisches Gesamtkonzept" für Solaranlagen auf sechs nebeneinander liegenden Häusern.

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende

Auf die Frage, warum der Sinneswandel nun so schnell gegangen sei, schreibt Mager: "Wir hatten nach der negativen Rückmeldung im Juli zunächst auch personalbedingt Sendepause." Nach der "Intervention" des Antragstellers bei verschiedenen Stellen der Stadt sei ein "intensiverer Dialog" entstanden, der nun zu einem "konstruktiven Ergebnis" geführt habe. Mager betont, das vorgelegte Gesamtkonzept habe zur Lösung beigetragen, "weil es natürlich nicht nur um das eine Haus geht, das noch dazu vom Ortskern am weitesten entfernt ist, sondern um eine gute Lösung, die dann auch Vorbild für die andern Eigentümer werden kann".

Bürgermeisterin Habenschaden reagiert erfreut auf die neue Entwicklung und betont, die Stadt müsse "Genehmigungsverfahren vereinfachen und beschleunigen". Das Bekenntnis der Ampel-Koalition zum Ausbau erneuerbarer Energien sei "ein wichtiger Schritt. Das wird die Gewichte bei Genehmigungsverfahren hoffentlich deutlich in Richtung Klimaschutz verschieben."

Auch Münchens Stadtheimatpfleger Bernhard Landbrecht meldet sich in der Diskussion zu Wort. Er halte es für "eine fatale Diskussion, ja eine Katastrophe, wenn es darauf hinausläuft, dass der Denkmalschutz gegen die Photovoltaik steht". Es sei zwar zu wenig, "einfach nur ein paar Paneele auf Ziegeldächer zu bauen", erläutert Landbrecht, der als Stadtheimatpfleger allen Gremien angehört, die sich mit wesentlichen Änderungen des Stadtbildes beschäftigen. "Ich kann mir aber vorstellen", so Landbrecht, "dass wir neue Hauslandschaften entwickeln. Ich bin dabei, wenn es heißt: Machen wir etwas Neues mit Photovoltaik."

Zur SZ-Startseite
Ballons simulieren Hochhäuser in München

SZ PlusStadtplanung
:Zwei Türme spalten die Stadt

Der Streit zwischen den Befürwortern und Gegnern der Hochhäuser an der Paketposthalle spitzt sich zu. Nun kommt auch im Stadtrat Bewegung in die Sache: Dürfen bald die Münchner entscheiden?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB