Ehemaliges Hotel wird umgebaut:Neue Unterkunft für geflüchtete Familien in Bogenhausen

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In Johanneskirchen entsteht eine neue Anker-Dependance. Etwa 300 Menschen sollen dort vorübergehend unterkommen. Doch die Einrichtungen stehen seit Jahren in der Kritik.

Von Thomas Anlauf

Die Regierung von Oberbayern baut derzeit ein ehemaliges Hotel in Johanneskirchen in eine sogenannte Anker-Dependance für Geflüchtete um. Der Gebäudekomplex an der Musenbergstraße 25-27 nahe der S-Bahnstation Johanneskirchen soll nach Angaben der Regierung Anfang kommenden Jahres in Betrieb gehen. Etwa 300 Menschen sollen dort vorübergehend unterkommen, "vorrangig Familien", wie ein Regierungssprecher auf SZ-Anfrage betont. Denn für sie bestehe ein besonderer Bedarf an Zimmern, da derzeit "teils größere Familienverbände" nach München kämen. Das ehemalige Hotel ist nach Ansicht der Regierung von Oberbayern "besonders gut geeignet", da es über möblierte Apartments unterschiedlicher Größe mit eigenen Badezimmern verfüge.

Das klingt geräumig, doch die Anker-Zentren mit ihren Dependancen stehen seit Jahren in der Kritik. Erst vor wenigen Wochen hatten der Bayerische Flüchtlingsrat, die Diakonie Deutschland, der Deutsche Caritasverband, der Paritätische Gesamtverband, Arbeiterwohlfahrt und Pro Asyl in einem bundesweiten Appell die Schließung der Anker-Zentren gefordert. "Anker" steht für "Ankunft, Entscheidung, Rückführung". Dort werden seit drei Jahren Geflüchtete untergebracht, bis sie in Kommunen verteilt oder abgeschoben werden. Auch der Münchner Stadtrat hat die Einrichtungen schon vor Jahren kritisiert. Die Menschen dort müssen meist viele Monate in beengten Verhältnissen verbringen, ohne zu wissen, wie ihr Leben in Deutschland weitergehen könnte. In der Hochphase der Corona-Pandemie standen Flüchtlingseinrichtungen - sowohl staatliche als auch städtische - zum Teil wochenlang unter Quarantäne. Die Menschen durften oftmals nicht einmal ihre Zimmer verlassen. Der Flüchtlingsrat kritisiert, dass Familien mit Kindern bis zu sechs Monate dort ausharren müssen, alle anderen bis zu zwei Jahren. Doch die Regierung hält nach wie vor an dem Konzept fest.

Bereits im April hatte die Münchner Lokalbaukommission das ehemalige Hotel in Johanneskirchen für eine Nutzungsänderung genehmigt. Ursprünglich sollten dort offenbar weit mehr als vierhundert Menschen unterkommen, jetzt sollen nach Angaben der Regierung von Oberbayern von Anfang 2022 an etwa dreihundert Menschen dort vorübergehend leben. Es wird damit die dritte Anker-Dependance in München sein, eine gibt es im Münchner Norden und eine weitere in Trudering. Darüber hinaus gibt es das sogenannte Ankunftszentrum für die ersten Tage in München. Die Stadt bietet immer wieder an, Geflüchtete möglichst schnell in dezentrale kommunale Unterkünfte zu übernehmen, um den oftmals traumatisierten Menschen mehr Privatsphäre zu geben. Dort können sie auch besser sozial betreut werden.

In der neuen Anker-Dependance an der Musenbergstraße soll es eine zentrale Essensausgabe geben. Auch Gemeinschaftsräume verspricht die Regierung von Oberbayern, Kinder sollen Spielmöglichkeiten im Gebäude erhalten, eine Kinderspielfläche auf dem Freigelände soll ebenfalls eingerichtet werden. Die Sozialbetreuung soll die Diakonie München und Oberbayern übernehmen, sie ist seit Jahren auch in anderen staatlichen Einrichtungen engagiert und mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen vor Ort. Die Betreuung beinhaltet unter anderem Flüchtlings- und Integrationsberatung, aber auch die Betreuung von Kindern und Eltern.

Sowohl Regierung als auch die Stadt müssen immer wieder neue Gebäude für Unterkünfte suchen, die Anmietungen sind meist befristet oder die Menschen leben in ehemaligen Kasernen wie der Funkkaserne und der Bayernkaserne, die neuen Wohngebieten weichen. Dabei ist die Anmietung neuer Objekte nicht einfach. So hat der Bezirksausschuss Bogenhausen bereits im Frühjahr darauf hingewiesen, dass es im Stadtbezirk schon fünf Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete gibt. Zudem gilt der neue Standort an der Musenbergstraße nicht gerade als ideal für Familien mit Kindern. Die Gegend ist stark von Gewerbe geprägt, soziale Einrichtungen sind eher rar.

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