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Wirtschaft in München:Jeans Kaltenbach meldet Insolvenz an

Ausverkauf - einer der Läden von Jeans Kaltenbach in der Münchner Innenstadt macht wohl dicht.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Corona-Krise beutelt das nächste Traditionsunternehmen. Eines der beiden Bekleidungsgeschäfte in der Innenstadt soll voraussichtlich Ende August schließen.

Von Max Ferstl

Es klingt wie das Ende: Das Traditionsgeschäft Jeans Kaltenbach, wo seit 1953 Hosen und mehr verkauft werden, hat einen Antrag auf Insolvenz im Eigenverfahren gestellt. "Die Folgen der Corona-Krise für den innerstädtischen Einzelhandel haben auch uns schwer getroffen", wird Geschäftsführer Norbert Kaltenbach in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert.

Tatsächlich könnte in der Insolvenz die Chance auf einen Neuanfang liegen. Daran glaubt zumindest Thomas Klöckner von der Kanzlei Lecon, die auf Sanierungsfälle spezialisiert ist. Klöckner gehört nun der Geschäftsführung an und soll dafür sorgen, dass der Jeansladen nach der Krise eine Zukunft hat.

Ohne harte Einschnitte wird es aber nicht funktionieren: Zwei Filialen betreibt Jeans Kaltenbach in der Innenstadt. Der Stammladen in der Herzogspitalstraße laufe schon wieder sehr gut, sagt Klöckner. "Die Umsätze im Juli liegen bisher auf dem Niveau vor Corona." Schlechter steht es um den Laden an der Sendlinger Straße. Laut dem Sanierungsexperten wird dieser voraussichtlich Ende August schließen.

Für Klöckner liegt darin einer der Vorteile des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung: Ein Unternehmen kann sich neu aufstellen. Langfristige Verträge lassen sich kündigen, die Arbeitsagentur zahlt Mitarbeitern drei Monate lang Insolvenzgeld. Ein Geschäft, das gegen das Ertrinken kämpft, bekommt so neue Luft. "Gerade Firmen, deren Geschäfte vor der Krise gut gelaufen sind, haben dadurch eine tolle Möglichkeit", sagt Klöckner. Sie legen ihr Schicksal nicht in die Hand eines externen Insolvenzverwalters, sondern entscheiden selbst. Klöckner sagt, dass seine Kanzlei gerade sehr viele Anfragen zu dem Thema bekomme. Die Corona-Pandemie hat viele Geschäfte gebeutelt wie ein Sturm. Immer deutlicher werden die Verwüstungen sichtbar. Ende Juni war bekannt geworden, dass Galeria Karstadt Kaufhof seine Sportfiliale in München schließen will. Auch Sport Münzinger wird zum Jahresende dichtmachen. 130 Jahre Firmengeschichte, einfach vorbei.

Über eine große Tradition verfügt auch der Jeansladen Kaltenbach. Anfangs wurden dort Strümpfe und Berufskleidung verkauft. Daraus wuchs über die Jahrzehnte ein Modegeschäft, bekannt für kundige Mitarbeiter und ein großes Sortiment. Alteingesessene Münchner erzählen, dass wer in den 80er Jahren etwas auf sich hielt, nicht etwa zu C&A ging, sondern "zum Kaltenbach, weil der alle Marken hat". 2012 kam der zweite Laden in der Sendlinger Straße hinzu, der die Krise nun wohl nicht übersteht. Die Geschichte von Jeans Kaltenbach soll aber weitergehen. Von den 35 Mitarbeitern will Klöckner "möglichst viele behalten". In fünf Monaten, schätzt er, könnte das Verfahren abgeschlossen sein. Er sagt: "Den Makel einer Insolvenz will man nicht lange haben."

© SZ vom 09.07.2020/aner
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