Der Junge Münchner Jazzpreis hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Am Anfang stand das Bedürfnis einiger Münchner Jazzfans, mehr für die einheimische Szene zu tun, im Besonderen für die Studierenden. Denn junge Musiker und Musikerinnen werden nach Ende ihrer Ausbildung in eine Clubwelt entlassen, in der es Alleinstellungsmerkmale und manchmal auch ein wenig Geld braucht, um den Sprung auf die nächste Ebene zu schaffen.
Die Landeshauptstadt München hilft da bereits mit Förderpreisen und Stipendien. Aber einen echten Wettbewerb, den man sich in den Lebenslauf schreiben kann, gab es damals noch nicht. Und so wurde der Verein mucjazz e. V. ins Leben gerufen, dessen vorrangiges Ziel es sein sollte, eine Competition auszurichten und einen dotierten Preis für Musiker und Musikerinnen unter 28 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland vergeben zu können.
Es dauerte nicht lange, bis sich die Initiative herumsprach und die Bewerbungen zahlreicher und überregionaler wurden. „Diesmal kamen die meisten Einsendungen aus Berlin, gefolgt von Köln“, sagt Andreas Heuck, der als Initiator von mucjazz von Anfang an dabei ist und als neutraler Organisator sich auch um die Leitung der Jurys kümmert. „Die restlichen Bewerbungen verteilten sich über das ganze Land.“ Insgesamt 38 anonymisierte Musikproben standen bei der 13. Ausgabe des Jungen Münchner Jazzpreises zur Wahl – und am Ende schafften es drei sehr unterschiedliche Bands ins Finale auf der Bühne des Jazzclubs Unterfahrt.
Berlin war mit So Sorry vertreten, einem Quartett um die Sängerin Zuza Jasinska mit vielfältig buntem Sound- und Stil-Crossover. Hamburg ging mit dem Trio des Pianisten Jacob Eckert ins Rennen, das musikalisch sich klar an der Tradition der großen Vorbilder seit den Sechzigerjahren orientierte. München schließlich war mit dem Quartett der Sängerin Fernanda von Sachsen vertreten, die wiederum eine dramaturgisch und inhaltlich sehr ausgefeilte Songbandbreite präsentierte, die sogar eine Prise Schumann ins Programm integrierte.
Für Publikum, Jury und den Bayerischen Rundfunk, der den Wettbewerb aufzeichnete und ihm am 30. Dezember eine Sendung widmen wird, war das eine unterhaltsam bunte Rundreise durch die Ideenwelt aktueller Klangmöglichkeiten. Denn So Sorry bündelte Clubbing-Elemente, Electronics, rhythmische Anlehnungen an Drum & Bass mit einer Ahnung von psychedelischen Verfremdungen und beiläufiger rhythmischer Komplexität. Die Musik wirkte präsent und schwebend zugleich, konstruiert und dabei trotzdem organisch.
So Sorry starteten den Abend sehr homogen als Band um die klare Stimme von Zuza Jasinska gebaut und übergaben dann an Fernanda von Sachsens fein und akustisch großräumig gedachtes Programm. Auch in diesem Fall war die Kommunikation zwischen den Musikern und Musikerinnen brillant. Vor allem der umsichtige Umgang des Pianisten Pablo Struff mit den Möglichkeiten harmonischer Spannung gab dem Ganzen klangliche Weite, was sich fein balanciert mit den dramatisch inszenierten Gesangspassagen ergänzte. Fernanda von Sachsens Texte ließen sich kritisch in Emotionen fallen und das Ende des Sets mit einer Kombination aus „Dichterliebe“ und Oscar Brown Jr. war gefühlstarkes Klangkino.
Jacob Eckerts Trio schließlich rundete das Stilspektrum mit gestalterisch ausgefeilten und klassisch modernen Kompositionen ab, mit lässiger Geläufigkeit und großer Selbstverständlichkeit im gemeinsamen Flow der Band präsentiert.

Am Ende machte So Sorry das Rennen. Fernanda von Sachsen bekam neben dem zweiten Platz noch einen Solistenpreis zugesprochen. Die Wahl aber war für die Jury schwer, denn alle Finalisten spielten bereits in einer Liga, die weit über das übliche Niveau musikalischer Berufseinsteiger hinausreichte.
Der Junge Münchner Jazzpreis hat sich damit als wichtiger Marker im Kulturleben der Stadt, aber auch in der Konkurrenz der Wettbewerbe etabliert. Es wird etwas geboten, für die Teilnehmenden als Messlatte der eigenen Kunst, und für das Publikum mit reichlich Spannung und Können auf der Bühne.

