Was läuft im JazzKaleidoskop der Stars

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Wird als einer der Coltrane-Erben gehandelt: der amerikanische Saxofonist James Brandon Lewis.
Wird als einer der Coltrane-Erben gehandelt: der amerikanische Saxofonist James Brandon Lewis. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Klassischer Tour-Monat: Im späten Oktober türmen sich in und um München herum die Jazz-Termine auf.

Von Oliver Hochkeppel

Der Oktober ist traditionell einer der stärksten Monate im Jazz, wenn nicht der stärkste. Vollständigkeit kriegt man deshalb bei einer Vorschau auf 100 Zeilen nicht hin. Das reicht nicht einmal für die Unterfahrt, deren Programm sich alleine in dieser zweiten Monatshälfte wieder wie ein Who-Is-Who der internationalen Szene liest.

Mit US-Stars wie dem Schlagzeug-Gott Johnathan Blake, der sich mal nicht in Diensten etwa von Oded Tzur, Tom Harrell oder Donny McCaslin, sondern mit seinem eigenen Quintett und dem von der New Yorker Jazz Gallery in Auftrag gegebenes Werk „My Life Matters“ präsentiert (16. Oktober); der Sängerin mit Gender-Botschaft Sarah Elizabeth Charles (21. Oktober); den Saxofon-Lions Immanuel Wilkins (17. Oktober), Lawrence Clark (28. Oktober) und James Brandon Lewis (30. Oktober); der Pianistin Rachel Z mit ihrem Gatten Omar Hakim (31. Oktober); und schließlich dem Gitarristen Pete Roth (23. Oktober), der mit dem legendären Yes- und King-Crimson-Schlagzeuger Bill Bruford kommt (aber allerdings wie Blake und Wilkins bereits ausverkauft ist).

Oder mit grandiosen Großensembles wie dem immer besonderen Andromeda Mega Express Orchestra (18. Oktober), der Schweizer Kultformation Hildegard lernt fliegen um Stimmartist Andreas Schaerer (22. Oktober) und Christian Muthspiels Orjazztra Vienna (24. Oktober).

Immer für einen Spaß zu haben: die Schweizer Combo „Hildegard lernt fliegen“ rund um Stimmakrobat Andreas Schaerer (mit Kappe und Bogen).
Immer für einen Spaß zu haben: die Schweizer Combo „Hildegard lernt fliegen“ rund um Stimmakrobat Andreas Schaerer (mit Kappe und Bogen). (Foto: Oliver Hochkeppel)

Im Vogler ist neben den hiesigen üblichen Verdächtigen auch die indonesische Grand Dame des Jazz Nita Aartsen (22. Oktober) und die vielversprechende amerikanische Sängerin Lucy Wijnands (28. und 29. Oktober) zu Gast. Das Bergson präsentiert die Schweizer Klavier- und Gesangsentdeckung Marie Kruttli mit ihrem Mix aus Jazz, Hip-Hop, französischem Chanson, Alternative-Pop und Neoklassik (Barbastelle, 17. Oktober), den lässigen französischen Trompeter Daoud (Freiraum, 17. Oktober), den gefeierten amerikanischen Sänger Michael Mayo (Elektra, 18. Oktober) und im Rahmen der BR Klubkonzerte das Trio Geoff Goodman/Matthieu Bordenave/ Rudi Mahall mit seinem Programm „Mostly Monk“ (Barbastelle, 22. Oktober). Spannend wird nicht zuletzt die Premiere der „Technosinfonie“, zu der die Hausbands Jazzrausch Bigband und Bergson Phil’ zusammenfinden (Elektra, zweimal am 25. Oktober).

Womit wir schon in größeren Sälen sind: Im Prinzregententheater mischt sich Deutschlands wohl prominentestes Jazz-Duo mit Till Brönner und Dieter Ilg unters Klassikprogramm (18. Oktober). Und die unlängst mit dem Kurt Maas Jazz Award und dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnete aufstrebende junge Sängerin Fernanda von Sachsen – am 7. November steht sie auch im Finale des Jungen Münchner Jazzpreises – darf ihr exzellentes Quartett immerhin im geräumigen Künstlerhaus präsentieren (23. Oktober).

Mit Herz und Gefühl auf den Spuren der klassischen Jazz-Crooner: Sänger Michael Mayo.
Mit Herz und Gefühl auf den Spuren der klassischen Jazz-Crooner: Sänger Michael Mayo. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Hier erst einmal nur kursorisch sei auf das 36. Jazzfest der Jazzmusiker-Initiative München vom 23. bis 26. Oktober hingewiesen. Bei zehn Auftritten von Künstlern wie dem Munich Composers Collective, Hattori Hanzi, Teresa Luna, Anna Leman oder Shuteen Erdenebaatar & Nils Kugelmann geht es diesmal in so viele Spielstätten wie nie zuvor. Vom bewährten Blitz-Club und dem Freien Musikzentrum über die evangelische Kirche und das Forum II im Olympiadorf bis zur Neue Ziegelei und dem Bürgerpark in Bogenhausen.

Freilich lohnt sich auch der Blick nicht weit über München hinaus wie zu kaum einer anderen Zeit. Zum Beispiel auf die KlangWelten-Konzertreihe im Bürgerhaus Germering, in der am 17. Oktober das famose Wiener „Alpen-Swing“-Quartett des Gitarristen Diknu Schneeberger und des Akkordeonisten Christian Bakanic zu Gast ist. Oder wieder einmal auf die Ottobrunner Konzerte, bei deren 8. Jazzfest erst LBT mit ihrem Techno-Jazz einheizen (17. Oktober), bevor der Perkussionist und Elektroniker Lukas Ligeti (ja, er ist der Sohn) Fritz Langs Stummfilm-Monument „Metropolis“ live und improvisierend vertont (18. Oktober).

Beim Leo Betzl Trio „LBT “für die Techno-Stücke zuständig: der hier leicht fremdgehende Bassist Maximilian Hirning.
Beim Leo Betzl Trio „LBT “für die Techno-Stücke zuständig: der hier leicht fremdgehende Bassist Maximilian Hirning. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Wer einen etwas weiteren, womöglich auch längeren Ausflug nicht scheut, der sei einmal auf Salzburg und seine „Jazz & the Citysounds“ verwiesen. Das Festival steht zwar nicht mehr unter bayerischer Leitung und will sich mehr an die Einheimischen wenden, hat aber immer noch ein gewaltiges, durchgehend kostenloses Programm zu bieten, für das sich ein Tagestrip samt Kampf um die Plätze lohnt. So finden sich unter den 60 Konzerten an 20 (fußläufigen) Spielorten vom 15. bis 18. Oktober neben gewohnten Überraschungspaketen wie „Hidden Tracks“ und „House of Impro“ prominente Namen wie LBT, David Helbock, Fred Frith, Adam Ben Ezra, James Brandon Lewis oder Rachel Eckroth.

Mindestens so empfehlenswert ist der NueJazz in Nürnberg, das vom 17. Oktober bis zum 4. November läuft, aber mit einer heißen Phase vom 23. bis zum 26. Oktober. Im vergangenen Jahr als bestes Festival mit dem Deutschen Jazzpreis dekoriert, hat man die diesjährige Ausgabe mit dem Fokus „Berlin – Vibrant Jazz City“ rund um die vielen aktuellen Deutschen Jazzpreisträger (oder mindestens Nominierten) vor allem aus der Hauptstadt gestrickt, von Sonic Intervention über das Andromeda Mega Express Orchestra, Sera Kalo und das Peter Gall Quintett bis zur Neu-Berlinerin Shuteen Erdenebaatar und der Immer-Noch-Münchnerin Enji. Dazu gesellen sich als internationale Acts Bill Laurance, Sharon Mansur und Bilal.

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