Kultur in der Stadt:München leuchtet, rummelt und brummt

Kultur in der Stadt: Am Freitagabend wurde das Volkstheater in der Isarvorstadt eröffnet.

Am Freitagabend wurde das Volkstheater in der Isarvorstadt eröffnet.

(Foto: Stephan Rumpf)

Erst die Eröffnung der Isarphilharmonie, jetzt das neue Volkstheater: Die Stadt hat zwei Gründe mehr geschaffen, die neidvolle Blicke auf sie ziehen werden. In den kommenden Jahren darf sich München auf weitere Kulturbauten freuen.

Kommentar von René Hofmann

Nein, die Pandemie ist noch nicht vollständig überwunden. Auch wenn es sich im Moment anders anfühlt, gerade in München. In Großbritannien hatte die Regierung den 19. Juli als "Freedom Day" ausgerufen, als Datum, an dem viele Pandemie-Vorgaben fielen. Ähnliche Ideen haben sich hierzulande nicht durchgesetzt, und doch schwellen die Freiheit und die Gefühle, die diese bringt, seit Wochen an. Vor zwei Wochen öffneten die Clubs - und die Lebensfreude explodierte. Am vergangenen Wochenende wurde die Isarphilharmonie mit einem Fest eröffnet, bei dem nicht nur die Kultur gefeiert wurde, sondern auch das Wiederaufleben des gesellschaftlichen Lebens. Und in dieser Reihe ging es an diesem Wochenende weiter: Erst mit der Eröffnung des Volkstheaters, dann mit der langen Nacht der Museen. Und wem der Sinn nach einer anderen Art von Kultur stand, der ließ sich über die Auer Dult treiben.

Obwohl die Inzidenzwerte immer noch bange notiert und die freien Intensivbetten immer noch jeden Tag durchgezählt werden: München leuchtet wieder, München rummelt wieder, München brummt wieder. Die Pandemie ist nicht mit einem Schlag verschwunden. Aber ihr Zurückdrängen wird Schlag auf Schlag gefeiert, mit zunehmender Frequenz.

Die Kultur hat der Lockdown besonders hart getroffen. Das, was sie auszeichnet, das, wovon sie lebt, galt plötzlich als brandgefährlich: unmittelbare Begegnungen. Diese Erfahrung wirkt nach. Viele Anbieter müssen gerade erleben, wie schwer es fällt, das Publikum wieder zu locken. Dass in München just in dieser Phase zwei Kulturmagnete in neuer Form an den Start gehen, ist eine glückliche Fügung. Es war nicht abzusehen, in welche Pandemiephase die Eröffnung des Gasteig-Interim und des Volkstheater-Neubaus fallen würden. Nun kommen diese genau zur richtigen Zeit und als Doppelschlag, der wirklich nicht zu überhören ist. Dass beide Projekte in der geplanten Zeit und für die kalkulierten Kosten fertig gestellt wurden, erlaubt ein Feiern ohne schlechtes Gewissen.

Die Stadt hat zwei Gründe mehr geschaffen, die neidvolle Blicke auf sie ziehen werden. Denn welche Kommune kann sich Vergleichbares schon leisten? In den nächsten Jahren darf sich München noch auf einige Kulturbauten freuen, die in der Vor-Pandemie Zeit auf den Weg gebracht wurden: den ertüchtigten Gasteig, das runderneuerte Deutsche Museum, womöglich gar einen weiteren Konzertsaal im Werksviertel, wenn ihn der Freistaat wie versprochen spendiert. Das Leuchten, Brummen und Rummeln wird weitergehen. Gerade aber ist es besonders schön.

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