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Gasteig-Interim:München bekommt nun eine Isarphilharmonie

Gasteig, Sendling, Interim

Das Rendering zeigt, wie sie dann, hoffentlich voll besetzt, aussehen soll, die Isarphilharmonie.

(Foto: GMP International GmbH)

Der Namenswettbewerb für das Ausweichquartier des Gasteig ist nun endlich entschieden. Doch bis es soweit war, musste die Stadt noch einen Münchner Klassikverein überzeugen.

Von Michael Zirnstein

Hamburg hat die Elbphilharmonie, München nun eine Isarphilharmonie. Auch wenn diese im Ausweichquartier des Gasteig am Großen Stadtbach liegt, dem Gewerbekanal Münchens, lag der Name für die neue Konzerthalle doch nahe. Die Musiker der Münchner Philharmoniker, die hierher im Oktober umziehen werden, sollten sich mit dem Namen ihrer neuen Wirkungsstätte identifizieren können und - sie stammen aus mehreren Dutzend Nationen - ihn auch gut über die Lippen bringen. Internationale Strahlkraft, wie die Elphi eben (mal sehen, ob sich "Iffi" durchsetzen wird). Und auf jeden Fall klingender als das bisher verwendete Bürokratenwort "Interims-Philharmonie", zumal dieses jetzt schon im Rohbau beeindruckende Beton-Holz-Bauwerk neben der denkmalgeschützten ehemaligen Trafohalle allen derzeit Tonangebenden zufolge länger erhalten bleiben wird, als es dauert, den Gasteig zu sanieren.

Deswegen scheute die Stadt auch keinen Aufwand bei der Namenssuche der Zweit-Philharmonie und des entstehenden neuen Kreativquartiers auf dem Flaucher-nahen Stadtwerkeareal in Sendling. Die Bürger sollten eingebunden und mit einem Preisgeld von 5000 Euro belohnt werden. 3814 Vorschläge landeten bei der Jury, die recht flott ihre Favoriten fand und schon im März in geheimer Runde im Stadtrat vorstellte. Dass es dann noch einmal zwei Monate bis zur Verkündung dauerte, liegt an Lizenzverhandlungen. Den Namen "Isarphilharmonie" hatte sich nämlich schon ein Münchner Klassikverein schützen lassen, in dessen Orchester Laien und Profimusiker zusammen musizieren.

Ein Fall für Max Wagner! Der Gasteig-Chef umgarnte die Vereinsoberen, gelobte durch die Namensteilung die Fahne der Klassik hochzuhalten und versprach, das Orchester dürfe auch das eine oder andere Konzert im neuen Saal spielen: Isarphilharmonie goes Isarphilharmonie.

Weitreichender waren die Verhandlungen beim Gelände. Nach Klageandrohung gegen einen zunächst favorisierten Namen (Verschlusssache) blieb man zwar quasi beim Arbeitstitel HP8; solange der Gasteig dort ist "Gasteig HP8". Das Kürzel verwendet allerdings auch der Druckerhersteller Hewlett Packard für eines seiner Geräte. Und weil der sich die europäischen Markenrechte für eventuelle Präsentationen selbst in der Sparte "Entertainment" gesichert hatte, musste auch hier verhandelt werden, was Anwälte in den USA und München übernahmen und was entsprechend lange dauerte. Am Ende gestattet der Elektronikriese München die Namensnutzung ohne Gebühren.

In der Kurzform der Adresse Hans-Preißinger-Straße 4-8 nannten schon viele der bisherigen Nutzer, die auch in der Jury vertreten waren, ihr Revier, und diese Pioniere will man schließlich mitnehmen. "HP8 ist kurz, prägnant und betont das Miteinander mit den bereits ansässigen Kreativen, Start-ups und Handwerkern auf dem Gelände. Zusammen mit den Angeboten des Gasteig ergibt das eine attraktive und einzigartige Mischung", so Max Wagner.

Also haben alle gewonnen. Sogar mehr, als dem Einzelnen wohl lieb ist. Denn weil sieben Teilnehmer, die den Namen "HP8" vorgeschlagen hatten, und 139 für das eben sehr naheliegende "Isarphilharmonie" prämiert werden müssen, gibt es für jeden Gewinner nur 34,50 Euro. Wahlweise dürfen sie sich aber über "höherwertige Sachpreise" freuen, nämlich eine Konzerteinladung der Münchner Philharmoniker im Wert von 80 Euro, einen Gutschein der Münchner Volkshochschule über 25 Euro und eine Jahreskarte der Stadtbibliothek für 20 Euro.

© SZ vom 05.05.2021
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