Nichts ist schwerer zu erreichen als das Leichte. Allein dafür verdiente das Bayerische Staatsorchester (BSO) also Jubel: George Gershwins „Cuban Overture“ so durchdacht und präzise aufzuführen, dass man nicht merkt, welche Arbeit dahintersteckt. Das Publikum in der Isarphilharmonie hört davon nur beschwingte Hochenergiemusik, die nicht nur die gut beschäftigten Schlagzeuger zu Tanzbewegungen animiert.
Doch der karibische Auftakt ist nur der erste Teil eines denkwürdigen Konzertabends mit US-amerikanischer Musik. Das BSO verwandelt sich mit unerhörter Flexibilität in ein Tanzorchester – etwa mit Bernsteins orchestral genau choreografierten „Three Dance Variations“ – und Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski mutiert zum fähigen Bandleader.
Dass dieser Abend stattfindet, liegt an einer Kooperation des BSO mit dem Henle-Verlag. Der Münchner Musikverlag, bekannt für seine Urtext-Ausgaben, also musikwissenschaftlich zuverlässige Noten-Editionen, hat sich durch den Dschungel verschiedener Fassungen gekämpft und den ersten Urtext von Gershwins „Concerto in F“ erarbeitet. 100 Jahre nach der Uraufführung des Klavierkonzerts ist das ein Grund zum Feiern, wozu sich zum BSO auch Marc-André Hamelin gesellt. Der kanadische Pianist leert dafür seine Schatztruhe aus. Nicht nur coole Virtuosität, für die Hamelin zu Recht als lebende Legende gilt, ist drin. Auch Klangmagie, die ein paar Wechselnoten zum fesselnden Vorgang macht.
In Kombination mit dem BSO unter Jurowski erweist sich die manchmal ungerechterweise bemängelte episodische Form des Gershwin-Konzerts so als Vorzug. Den Zusammenhang schaffen Hamelin und Jurowski durch die gemeinsame Neugier, mit der sie die Partitur durchstreifen, den Charleston-Rhythmus fühlen und in der finalen Toccata einen Schluss-Sprint hinlegen, auf den nur Bravo-Rufe folgen können. Eine erwartbar brillante Leistung.
Noch etwas wundervoller ist es dagegen vielleicht, wenn junge Musizierende triumphieren. Und so ist Natalie Lewis’ Auftritt mit drei Gershwin-Liedern schlicht das: ein Wunder. Lewis’ dunkler Stimm-Samt, ihre mitreißende, im ironischen „Blah, Blah, Blah“ auch witzige Bühnen-Persönlichkeit, ihre wie selbstverständlich auf den Punkt gebrachten, charaktervollen Interpretationen machen dem Publikum vor Aufregung rote Ohren und lassen jubeln.
Dass Lewis, die vorher schon im Opernstudio aufgefallen ist, nun im Ensemble der Staatsoper singt, ist ein kleiner Coup. Denn sie ist Teil eines Konzertabends, der etwas Großes bewirkt hat: für ein paar Momente eine Gemeinschaft zu stiften in der Begeisterung über großartige Musik.

