Ein Fest der Liebe wird es dann doch nicht so ganz, das Isarinselfest. Trotz besten Wetters und lockender Werbung. Zehntausende strömen am Wochenende an den Fluss zwischen Ludwigs- und Maximiliansbrücke, wo SPD und Arbeiterwohlfahrt jedes Jahr die Isarparallele für Autos sperren lassen für eine Sause mit vielen Essensständen, ein paar Bühnen und ein bisschen Spektakel.
„Eine leuchtende Liebeserklärung an unsere Stadt mit Herz“ versprechen die Veranstalter, eine Drohnenshow am Himmel, von Fest-Sponsor M-Net. So viele Menschen kommen, dass die Polizei am Samstagabend die Ludwigsbrücke für gut eine Stunde für den Verkehr sperrt. Doch dann fällt die luftige Liebeserklärung aus, wegen technischer Probleme. Das GPS-Signal sei zu schwach gewesen, berichtet Isarinselfest-Vorstand Hans Kopp, weshalb die Drohnen sicherheitshalber am Boden geblieben seien. Er sei froh, dass die vielen Besucher gelassen reagiert hätten.



Ein weiteres Liebesversprechen liegt unterm roten SPD-Zelt aus: ein runder Aufkleber mit den Worten „Sex statt Söder“. Wer dem Aufruf folgt und den QR-Code auf dem Sticker mit dem Handy scannt, wird auf die Seite der Bayern-SPD geleitet: „Herzlich willkommen zu unserem Parteitag in Landshut.“ Wird der Treff der bayerischen Sozialdemokraten in ein paar Wochen zu einem Ort der Wollust? Oder ist alles ein leeres Versprechen? Der Sex-suchende Sozi wird jedenfalls noch informiert, dass am 1. Oktober der Weltseniorentag ansteht.
SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter preist im Fest-Heft die Isar, die seit „über 100 Jahren zu den beliebtesten Flaniermeilen der Stadt gehört“. Wie wäre es, die Straße entlang des Flusses dauerhaft frei von Durchgangsverkehr zu machen, für noch mehr Flanierpotenzial und als kühler Ort an heißen Sommertagen? Genau das wünscht sich etwa der Verein Isarlust. Am SPD-Stand sind zufällig die Stadträte Lars Mentrup und Barbara Likus anzutreffen. Sie finden die Vorstellung einer verkehrsberuhigten Isar-Westseite nicht überzeugend. „Die Leute brauchen auch Fläche für Verkehr“, sagt Likus. Und Mentrup? Er ist Klimaforscher von Beruf, setzt sich nach eigenen Angaben für „Begrünung für ein besseres Stadtklima“ ein und sagt, dass die Menschen ja auf der östlichen Isarseite genügend Platz zum Flanieren hätten. Da gebe es abends auch länger Sonne. Die Isarparallele zu sperren sei schon okay, aber nur für ein Wochenende in den Sommerferien.

