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Digitalisierung in München:Beliebter als Klopapier? Schnelles Internet

Glasfaserkabel bei M-net, 2010

Durch die Glasfaserkabel im M-net Rechenzentrum sind im vergangenen Jahr deutlich mehr Daten geflossen als zuvor.

(Foto: Catherina Hess)

Der Bedarf an schnellen Übertragungsraten ist im Corona-Jahr 2020 enorm gestiegen. Viele Münchner entscheiden sich für Verträge mit besserer Leitung.

Von Heiner Effern

Die Corona-Pandemie hat auch Gewinner hervorgebracht, die auf einmal rasant gefragt waren. Klopapier zum Beispiel war gerade im ersten Lockdown ein Renner, Hefe auch. Doch durchgehend wie kaum ein anderes käufliches Angebot war im vergangenen Jahr schnelles Internet gefragt. Das würden die meisten Menschen wohl auch vermuten, wenn sie ihr eigenes Berufs- und Freizeitleben im Jahr 2020 nochmals reflektieren. Mit Zahlen belegt wird das nun durch eine Datenrecherche der Stadtwerke-Tochter M-net, die nach ihren eigenen Angaben Bayerns führender Anbieter von schnellen Glasfaser-Verbindungen ist.

Das Münchner Unternehmen, an dem weitere große bayerische Kommunal-Töchter beteiligt sind, hat dafür das Nutzer- und Einkaufsverhalten ihrer knapp 500 000 Kunden analysiert. Die erste Erkenntnis: Mit Beginn der Corona-Krise im März sei der "Datenverkehr für Internet und Telefonie sprunghaft um rund 50 Prozent angestiegen", heißt es in einer Mitteilung. Daran habe sich bis zum Jahresende nichts mehr geändert, trotz des Wellenverlaufs der Pandemie.

"Der Upstream-Traffic hat sich aufgrund von Home-Schooling und Home-Office sogar mehr als verdreifacht. Beim Video- und Musikstreaming sehen wir einen Zuwachs von 30 Prozent", erklärte Hermann Rodler, technischer Geschäftsführer von M-net.

Doch die Münchner Kunden, die den Großteil ausmachen, bewegten sich nicht nur mehr im Netz - sie wollten das auch schneller tun. Besonders deutlich wurde das an den Bestellungen der Neukunden im November: Etwa 1100 von diesen entschieden sich für einen Anschluss mit mehr als 300 Megabit pro Sekunde, das macht eine Quote von zwei Drittel der Gesamtabschlüsse aus. Im Vergleich zum November 2019 sind das etwa zehnmal so viele.

Unter einer Leistung von 100 Megabit pro Sekunde hat praktisch niemand mehr einen Vertrag abgeschlossen. Etwa 8000 Bestandskunden haben sich 2019 für einen neuen Vertrag mit besserer Leitung entschieden, 1000 sind sogar auf 300 Megabit pro Sekunde hochgegangen. Letztere Zahl stieg somit im Vorjahresvergleich um das Siebenfache.

Auch bei den Geschäftskunden haben die M-net-Mitarbeiter eine "bemerkenswerte" Erfahrung gemacht, die aber eher nicht für die einheimische Wirtschaft spricht. "Firmen aus führenden Digitalländern ordern für ihre bayerischen Niederlassungen im Schnitt mehr als die zehnfache Datenrate pro Mitarbeiter als deutsche Firmen", heißt es in dem Bericht.

© SZ vom 07.01.2021
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