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Schule in München:Stadt will internationale Klassen für begabte Schüler einrichten

  • Von September 2020 an soll es an zwei städtischen Gymnasien "Internationale Klassen" geben. Das hat der Bildungsausschuss des Stadtrats beschlossen.
  • Solche Klassen, in denen die Schülerinnen und Schüler schwerpunktmäßig Deutsch lernen, gibt es bisher nur an drei städtischen Realschulen.

Kinder und Jugendliche, die begabt sind, aber nicht gut Deutsch können, sollen künftig leichter einen guten Schulabschluss machen können. Die Stadt München will zu diesem Zweck zusätzliche "Internationale Klassen" einrichten. Das hat der Bildungsausschuss des Stadtrats einstimmig beschlossen. Derartige Klassen, in denen die Schülerinnen und Schüler schwerpunktmäßig Deutsch lernen, gibt es bisher nur an drei städtischen Realschulen. Von September 2020 an soll es sie auch an zwei städtischen Gymnasien geben, zunächst in der fünften Klasse, langfristig in den Jahrgangsstufen fünf bis neun. Welche zwei der insgesamt 14 Gymnasien in städtischer Trägerschaft die Klassen einführen werden, steht laut Bildungsreferat bisher noch nicht fest.

Die neuen Internationalen Klassen sollen dabei helfen, Kinder mit fremder Muttersprache zu integrieren. Von mehrsprachigen Privatschulen abgesehen, landen ausländische Kinder, die schlecht Deutsch sprechen, bisher meistens in Grund- oder Mittelschulen, wo es spezielle Deutschklassen gibt. Nach einem Jahr sollen sie in reguläre Klassen gehen. Begabte Kinder können dann auf eine Realschule wechseln. Schneller dorthin führen "Sprint"-Klassen, die Abkürzung steht für "Sprachförderung intensiv". Dabei werden die Kinder direkt in Realschul-Regelklassen eingegliedert, erhalten aber zusätzlichen Unterricht in Deutsch. Solche Klassen gibt es derzeit an 17 Realschulen in Bayern, darunter an zwei staatliche Schulen in München.

Der Weg ans Gymnasium ist schwieriger. Das staatliche Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Bogenhausen bietet seit Jahren ein Pilotprojekt namens "InGym" an, "Integration am Gymnasium". Zugezogene Kinder mit gymnasialer oder vergleichbarer Vorbildung können hier einen halbjährigen Intensiv-Deutschkurs absolvieren. Das städtische Adolf-Weber-Gymnasium wiederum hat im September 2015 "Sprachvorbereitungsklassen" eingeführt: Hier haben Kinder ohne Deutschkenntnisse die Chance, binnen eines Schuljahres die Sprache so gut zu lernen, dass sie in eine Regelklasse wechseln können. Das Projekt richtet sich an Flüchtlingskinder und an den Nachwuchs von Arbeitsmigranten.

Internationalen Klassen dagegen sollen allen Kindern mit Migrationshintergrund helfen. Erprobt wird dieses Konzept bereits seit den Siebzigerjahren an der städtischen Carl-von-Linde-Realschule. Die Kinder besuchen die Klassen hier zunächst als Gastschüler; nach einem halben Jahr Probezeit entscheidet dann die Lehrerkonferenz auf der Grundlage vor allem eines Deutschtests, ob die Kinder dauerhaft aufgenommen werden. An den Realschulen nehmen aktuell 85 Prozent der Kinder diese Hürde; die anderen machen meist einen Mittelschulabschluss. An den Gymnasien soll ein ähnliches Prozedere eingeführt werden. Nötig sind dazu freilich zusätzliche Lehrer. Für die beiden geplanten Internationalen Klassen rechnet das Bildungsreferat langfristig mit etwa 7,5 Vollzeitstellen und Kosten von etwa 560 000 Euro im Jahr.

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