Hauptbahnhof München20 Millionen Euro für ein Gebäude, das in zehn Jahren wieder abgerissen wird

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Eine Simulation der deutschen Bahn zeigt, wie der „Interimsbahnhof“ aussehen soll.
Eine Simulation der deutschen Bahn zeigt, wie der „Interimsbahnhof“ aussehen soll. DB Infrago
  • Die Deutsche Bahn baut am Münchner Hauptbahnhof einen fünfstöckigen Interimsbahnhof für 20 Millionen Euro, der ab Mitte 2027 zehn Jahre lang Reisezentrum und andere Services beherbergt.
  • Das temporäre Gebäude wird benötigt, während der Hauptbahnhof umgebaut wird und eine neue U-Bahn-Station sowie die zweite S-Bahn-Stammstrecke entstehen.
  • Nach derzeitigem Stand soll die zweite Stammstrecke 2035 fertig sein und der Hauptbahnhof-Umbau bis 2038 dauern, wobei sich Termine in der Vergangenheit mehrfach verschoben haben.
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Der Umbau des Hauptbahnhofs findet bei laufendem Betrieb statt. Damit der während der Bauarbeiten nicht zusammenbricht, errichtet die Bahn einen „Interimsbahnhof“. Wo er stehen soll und was darin unterkommt.

Von Andreas Schubert

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Fünf Stockwerke, 20 Millionen Euro Baukosten – und nach voraussichtlich zehn Jahren kommt alles wieder weg. An der Bayerstraße, am südlichen Ausgang des Münchner Hauptbahnhofs, hat die Deutsche Bahn (DB) begonnen, einen „Interimsbahnhof“ zu bauen. Von Mitte 2027 an sollen hier wichtige Anlaufstellen für Reisende gebündelt werden: Das Reisezentrum, in dem die Passagiere ihre Tickets kaufen, der Wartebereich, die DB-Lounge, das Fundbüro, die Schließfächer, Toiletten und die Räume für die Bundespolizei.

Dies alles wird benötigt, um den Betrieb des Bahnhofs aufrechtzuerhalten, den nach Angaben der Bahn derzeit täglich bis zu 450 000 Menschen nutzen. Die gastronomischen Betriebe ziehen nicht in das neue Interimsgebäude ein. Sie sollen künftig in Containern unterkommen, wo genau diese dann stehen werden, steht bislang nicht fest.

„Interimsbahnhof“ nennt die DB das Gebäude deshalb, weil es nur so lange gebraucht wird, bis der Umbau des Hauptbahnhofs abgeschlossen ist. Dann wird es wieder abgerissen. Das 23 Meter breite und 45 Meter lange Bauwerk entsteht dort, wo früher der Taxistand war. Die Taxis müssen schon seit mehr als zwei Jahren auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf Kundschaft warten oder an der Nordseite des Bahnhofs, an der Pfefferstraße.

Wenn der Interimsbahnhof bezugsfertig ist, soll die Baugrube auf dem Gelände der früheren Eingangshalle weiter nach Westen in die Gleishalle wachsen. Dort baut die DB dann im Auftrag der Stadt einen Rohbau für eine mögliche U-Bahn-Station der geplanten Linie U9. Ob diese mehrere Milliarden Euro teure Trasse jemals kommt, hängt von deren Finanzierung ab. Doch der Stadtrat beschloss den Bau des Rohbaus, der „Vorhaltebauwerk“ genannt wird, deshalb, weil er sich nachträglich nicht mehr in den neu gebauten Hauptbahnhof hätte integrieren lassen. Zusammen mit der Tiefstation für die zweite S-Bahn-Stammstrecke und dem künftigen Empfangsgebäude ist der Rohbau der U-Bahn-Station Teil einer „integrierten Gesamtlösung“, wie es die DB nennt.

Auch der aktuelle Eingang an der Südseite wandert nächstes Jahr ein paar Meter nach Westen, aktuell entsteht ein neuer Zugang zu den U-Bahn-Linien U4 und U5. Dem Aushub für den Zugang stand ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg im Weg, der Anfang vergangenen Jahres gesprengt wurde. Die übrig gebliebenen Bunkerräume blieben erhalten. Ein Teil des Interimsbahnhofs, der kein Untergeschoss bekommt, steht direkt auf der Bunkerdecke. Ob die Hohlräume unter der Erde dereinst wieder genutzt werden, ist offen. Womöglich ließen sie sich als Regenrückhaltebecken nutzen, mutmaßt Frank Gebhart, der Leiter der Ingenieurbau-Technik an der Baustelle.

Teile der Bunkeranlage dürfen stehenbleiben.
Teile der Bunkeranlage dürfen stehenbleiben. Stephan Rumpf
Noch ist die Fläche am südlichen Bahnhofsausgang an der Bayerstraße eine Baustelle, Mitte 2027 soll hier der Interimsbahnhof stehen.
Noch ist die Fläche am südlichen Bahnhofsausgang an der Bayerstraße eine Baustelle, Mitte 2027 soll hier der Interimsbahnhof stehen. Stephan Rumpf

Noch ist von dem neuen Bahnhofsbau nichts zu sehen. Doch die Errichtung soll relativ zügig ablaufen. Im Sommer beginnt die Montage der Betonfertigteile, pro Monat soll ein neues Stockwerk entstehen. Bis Dezember soll der Rohbau fertig sein, bis Sommer 2027 läuft der Innenausbau. Parallel zu den Bauarbeiten an der Südseite wird diesen Juni an der Arnulfstraße der nördliche Randbau des Starnberger Flügelbahnhofs abgerissen. Dort soll ein neues, 69 Meter hohes Gebäude entstehen, in dem unter anderem Büro- und Gewerbeflächen unterkommen sollen sowie Gastronomie. Im Herbst nächsten Jahres weicht auch das frühere IC-Hotel an der Bayerstraße.

Die 60 mal 80 Meter umfassende Baugrube für das neue Empfangsgebäude und den Tiefbahnhof soll noch dieses Jahr ihren tiefsten Punkt in etwa 45 Metern Tiefe erreichen. Im September ist auch der Start für die Arbeiten an einem Erkundungs- und Rettungsstollen vorgesehen. Hier soll eine 178 Meter lange und 700 Tonnen schwere Vortriebsmaschine zum Einsatz kommen. Die Arbeiten für die Verkehrstunnel sollen 2028 starten.

Nach derzeitigem Stand soll die zweite Stammstrecke 2035 fertig sein, das ist jedenfalls die offizielle Angabe der Bahn. Die Bauarbeiten für den Hauptbahnhof sollen bis 2038 dauern, dann soll die Station eine Kapazität für bis zu 850 000 Reisende haben. Wo einst das alte Empfangsgebäude mit seinem berühmten Vordach, dem Schwammerl, stand, soll es dann ein riesiges unterirdisches Bauwerk geben, darüber entstehen sieben oberirdische Geschosse mit Serviceeinrichtungen der DB, Einzelhandel, Gastronomie und Büros.

Ob das alles wirklich Mitte bis Ende der 2030er-Jahre fertig wird, wird sich zeigen. In den vergangenen Jahren erwiesen sich die Zeitangaben bei der Stammstrecken-Großbaustelle als nicht unbedingt zuverlässig, seit dem Spatenstich im Jahr 2017 hat sich der Termin immer weiter nach hinten verschoben. Ursprünglich nannte die DB 2026 als Jahr der Inbetriebnahme der Stammstrecke, zwei Jahre später galt 2028 als Ziel, im Jahr 2022 schließlich gaben die DB und das bayerische Verkehrsministerium bekannt, dass es doch bis weit in die 2030er-Jahre dauern werde. Damals sprachen die Beteiligten, anders als die DB heute, sogar von 2037.

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