Um kurz nach drei an diesem Donnerstagnachmittag ist es so weit, da stoßen Jakob Margit Wirth und Zora Hünermann mit einem Becher Sekt an, auf den „Launch unseres Start-ups“, wie sie sagen. „René’s Collapse Collection“ heißt es. Welcher René gemeint ist, das ergibt sich auch aus dem Ort, an dem Wirth und Hünermann ihren kleinen Ausstellungsstand errichtet haben: in der Neuhauser Straße, also mitten in der Münchner Fußgängerzone, und zwar vor der Alten Akademie, einer der Bauruinen des gescheiterten Immobilienunternehmers René Benko.
Sofort ins Auge fallen zwei schwarze Boxhandschuhe, die im Zentrum des Standes auf einer kleinen Säule ausgestellt sind. „Die haben wir auf einer Auktion in Benkos Villa am Gardasee gekauft, es stehen sogar seine Insignien RB drauf“, erzählt Wirth. Die fünf Heinz-Ketchup-Flaschen stammten aus der Speisekammer dort.
Der Künstler und die Künstlerin aus Berlin wollen mit ihrer Aktion, die noch bis Sonntag in München zu sehen sein soll, Benkos Wirken und die Hinterlassenschaften hinterfragen.

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Über Jahre hatte Benko ein milliardenschweres Immobilienimperium aufgebaut, das aber auf überzogener Spekulation beruhte. Ende 2023 brach das Konstrukt zusammen. Seit Anfang 2025 sitzt Benko, gegen den zahlreiche Ermittlungsverfahren laufen, in Österreich in Untersuchungshaft. Just in dieser Woche wurde bekannt, dass neue Investoren vor einer Übernahme der Alten Akademie stehen und somit eine Fertigstellung wieder in Sicht rückt. Für Wirth war das aber kein Hinderungsgrund für die Aktion, im Gegenteil: „Die Alte Akademie ist wieder in den Schlagzeilen.“
Aber was hat es mit dem Start-up auf sich, von dem sie sprechen? „Wir sind auch eine Art Insolvenzverwaltung, wir wollen Geld eintreiben“, erläutert Hünermann. Funktionieren soll das über den Verkauf von NFTs, das sind digitale Zertifikate, die als Kryptowert dienen. Man könne die digitale Kopie von einer Ketchup-Flasche Benkos als NFT kaufen, sagt Wirth, oder virtuelle Anteile an seinen Immobilien. Preise will er vor dem Verkaufsstart am Freitag um 19 Uhr noch nicht nennen. 90 Prozent der Einnahmen, kündigt seine Partnerin Hünermann an, werde man an die Gläubiger Benkos weiterreichen. Die Käufer könnten selbst entscheiden, an wen, zum Beispiel an die Stadtsparkasse München, die zu den Kreditgebern für die Alte Akademie gehört hat.
Aber welchen Wert soll so ein Benko-NFT haben? Jakob Wirth sagt: „Wir spiegeln die Logik von René Benko wider: Wenn man an die Geschichte glaubt, gewinnen sie an Wert.“

