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Bauprojekt:25 000 Euro pro Quadratmeter

Infanteriestraße - 142 Eigentumswohnungen, nicht ganz preiswert

Die Fassade von "Van B" in der Infanteriestraße 14 besteche durch "einen Dualismus von kupferfarbenem Metall und rauem Glasfaserbeton". Simulation: Bauwerk

Neben dem Kreativquartier entstehen luxuriöse Wohnungen. Selbst für Münchner Verhältnisse sind sie kostspielig. Das günstigste Apartment gibt es für 539 000 Euro: Es hat exakt 38,51 Quadratmeter.

Von Bernd Kastner

Ein bisschen scheinen sie sich dann doch zu genieren, wenn es um den Preis geht. Den nennen sie erst nach der Werbe-Präsentation in der virtuellen Pressekonferenz, und dann eher häppchenweise. Am Ende ist klar, was ohnehin nicht überrascht: Dass in der Infanteriestraße 14, direkt neben dem künftigen Kreativquartier, wo Schwabing, Maxvorstadt und Neuhausen aneinanderstoßen, ein weiteres Luxus-Wohnhaus entstehen wird. Die teuerste Wohnung soll 4,3 Millionen kosten, das günstigste Apartment gibt es für 539 000 Euro, wofür man exakt 38,51 Quadratmeter bekommt. Bauwerk Capital, der Bauträger, nennt sein Objekt "Van B". Es ist eine Anspielung auf den Amsterdamer Architekten Ben van Berkel, dessen Büro das Gebäude mit 142 Wohnungen plant.

Das Haus an der Ecke zur Barbarastraße mit seinen sieben Geschossen soll, so präsentieren es Bauträger und Architekten, neue Sphären des Wohnens eröffnen. Kein Superlativ ist ihnen zu groß, wenn sie es beschreiben: "Eine neue Zeit des urbanen Wohnens beginnt." Eine "neue Dimension von Raummaximierung und Individualität" kündigen sie an. Das ist einerseits übliche Bauträgerprosa, andererseits dürfte sich das Objekt, das 2023 fertig sein soll, tatsächlich abheben vom Münchner Mainstream.

Weil der Wohnraum immer teurer wird, werden die Wohnungen, die sich selbst Gutverdienende gerade noch leisten können, tendenziell kleiner. Diese Apartments sollen in "Van B" möglichst viel bieten, und das will Bauwerk mit flexiblen Möbeln schaffen. Wobei, "Möbel" wollen sie die Dinge nicht nennen, die sich auf Deckenschienen hin- und herschieben lassen. Sie sagen: "Plug-Ins". Das sind Elemente, in denen mal ein herausklappbares Bett drin steckt, mal ein Kleiderschrank oder ein Büroregal mit ebenfalls klappbarer Schreibplatte.

Je nach Wunsch, Bedarf und Gefühl sollen die Bewohner ihre Elemente verschieben und davon träumen, dass sie in einem Drei-Zimmer-Apartment wohnen, obwohl sie nur einen Raum haben. Beinahe erinnert das an die clever eingerichteten Muster-Apartments in den Ikea-Märkten, wären da nicht der andere Preis und die entsprechenden Vokabeln.

Es sollen 90 Apartments entstehen, dazu 28 Wohnungen und 13 "Rooftop-Flats"

Das Projekt hat für den Bauträger ein Volumen von 140 Millionen Euro, es entsteht auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern, dort, wo bis vor Kurzem noch ein Komplex der Hochschule München stand. Nach außen präsentiert sich das neue Gebäude mit kupferfarbenen Metallelementen und hellem Beton. Zu den Straßen hin besteht die Fassade aus einer Abfolge von erkerartigen Ausbuchtungen und kleinen Balkonen, oder, wie es der Bauträger beschreibt: "Asymmetrische Vorsprünge, raumhohe Fensterflächen und Balkone projizieren Plastizität und Lebendigkeit zur Straßenseite." Nach hinten, zum Hof hin, wird die Fassade terrassenartig abgestuft, die Balkone dort sind größer.

In dem Haus sollen 90 Apartments entstehen, um die 40 Quadratmeter klein. Dazu 28 Wohnungen, nein, "Flats", die sind bis zu knapp 160 Quadratmeter groß. Und dann sind da noch 13 Rooftop-Flats, bis zu 172 Quadratmeter groß. Der Name lässt es erahnen: Jede dieser "Flats" hat eine eigene Dachterrasse. Und dann soll es noch Wohnungen geben, die sich auf drei Etagen erstrecken und einen kleinen Garten haben, sie nennen sie "Gallery Lofts", eine Art Haus im Haus.

Vorgesehen sind in dem Komplex auch Elemente, die an Konzepte aus dem Genossenschaftsbau erinnern: Bereiche, wo sich die Menschen treffen. Nur, dass sie hier nicht Gemeinschaftsflächen heißen, sondern "Community-Bereiche". Dazu gehört ein Rooftop Garden, ein Innenhof mit Fitnesszone und die "Co-Living-Spaces zum Networken".

Die Quadratmeterpreise liegen zwischen 9000 und 25 000 Euro

Zunächst wird man die Wohnungen nur kaufen können. Wer mieten will, muss darauf warten, dass Eigentümer nicht selbst dort wohnen wollen. Jürgen Schorn, einer der geschäftsführenden Bauwerk-Gesellschafter, geht davon aus, dass über Kapitalanleger bestimmt die Hälfte am Ende auf den Mietmarkt komme.

Günstig wird es so oder so nicht: Die Kaufpreise liegen zwischen knapp 9000 Euro pro Quadratmeter und "über 20 000 Euro". Erst auf Nachfrage, wie viel "über 20 000" die Top-Wohnung denn genau liege, verrät Schorn den Endpreis: "Knapp 25 000 Euro." Wer mieten will, müsse mit mehr als 20 Euro kalt pro Quadratmeter rechnen, sagt Schorn, damit es sich für den Eigentümer rechne. München eben.

Und wer soll sich das leisten? Bauwerk hat eine "Zielgruppe" vor Augen: Singles, maximal Pärchen, im Beruf stehend, "definitiv sehr urban und kosmopolitisch eingestellt" mit sehr hohen Ansprüchen bei Design und Qualität. Also die Wohlhabendsten? Da widerspricht Schorn nicht: "Es ist die Oberschicht." Um dann ein wenig nach unten zu gehen: Man wolle mit ein paar Wohnungen schon auch die Mittelschicht ansprechen.

© SZ vom 11.02.2021/van/aner
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