Corona-Pandemie:Wenig Interesse an Impfaktionen für Schüler

Coronavirus - Impfung Schüler von Abschlussklassen

Diese Schülerin einer Abschlussklasse lässt sich gegen Corona impfen, doch die Nachfrage könnte besser sein.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Lediglich 23 Schulen haben bisher mit dem Gesundheitsreferat einen Termin vereinbart - 415 Jungen und Mädchen sind derzeit in Quarantäne.

Von Kathrin Aldenhoff

Die mobile Impfkampagne an den Münchner Schulen läuft eher langsam an. Nach Angaben des Gesundheitsreferats wurde seit dem Beginn der Kampagne am 20. September bisher an neun Münchner Schulen geimpft, 14 weitere Schulen haben bis Ende des Monats einen Impftermin für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte geplant. In München gibt es mehr als 200 öffentliche Schulen; die Grundschulen, deren Schüler zu jung für eine Coronaschutzimpfung sind, nicht mitgezählt. Man stehe mit vielen Einrichtungen in engem Kontakt, um zu klären, ob Impfteams an die Schulen fahren oder sich Schulen zu gemeinsamen Impfaktionen zusammenschließen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsreferates.

Damit ein Impfteam des Impfzentrums an eine Schule kommt, müssen sich mindestens 20 Personen für eine Impfung melden. Diese Zahl hätten sie zum Beispiel an der Schule seiner Tochter nicht erreicht, sagt Daniel Schmidt, Vorsitzender der Elternvertreter der Münchner Gymnasien. Auch, weil es am Willi-Graf-Gymnasium bereits eine eigene Impfaktion gab: Eine Mutter, die Ärztin ist, habe auf deren Wunsch Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren geimpft.

Am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium habe man die Eltern vor den Sommerferien über die Möglichkeit, Kinder ab zwölf Jahren impfen zu lassen, informiert, sagt Schulleiter Uwe Barfknecht. Volljährigen Schülern wurde vor knapp drei Monaten ein Impfangebot gemacht. Das sei gut genutzt worden, in der Q12 beispielsweise seien 87 von 115 Schülerinnen und Schülern gegen Covid 19 geimpft. "Schule sollte in diesem höchst privaten Bereich sensibel vorgehen und auf das große Verantwortungsbewusstsein der Eltern setzen", sagt Barfknecht.

Die Schulleiterin einer Mittelschule im Münchner Osten erzählt am Telefon, an ihrer Schule werde es keinen Impftermin geben. Sie würde das gerne anbieten, aber die Vorgabe, dass bei Schülern zwischen 12 und 15 Jahren ein Sorgeberechtigter dabei sein muss, erschwere die Organisation erheblich. Ohnehin ließen sich diejenigen, die sich impfen lassen wollen, im nahen Impfzentrum impfen. Was sie auch sagt: Die Schüler hätten wenig Druck, sich impfen zu lassen - mit dem Schülerausweis als Testnachweis kämen sie ja überall hinein. Trotzdem steige an ihrer Schule die Zahl der geimpften Jugendlichen.

An der Marieluise-Fleißer-Realschule haben sie einen Termin mit einem Impfteam geplant, am kommenden Dienstag sollte der stattfinden. Wahrscheinlich werde daraus aber nichts, sagt Schulleiterin Birgitt Michelly-Jipp, denn bisher haben sich nur wenige Interessenten gemeldet. Sie habe den Eindruck, dass schon viele geimpft seien. Und hofft trotzdem, dass sich noch ein paar melden. Denn die Idee, an den Schulen zu impfen, findet sie gut.

Mit den Lollitests an den Grundschulen gibt es vielerorts noch Probleme

Auf ausreichend Interessenten hofft auch Schulleiterin Petra Reinold. Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler besuchen das Gymnasium München-Nord; 20 Impfwillige, das sollte zu schaffen sein, ist die Schulleiterin überzeugt. Im Gespräch mit Elternbeirat und Schülervertretern sei schnell klar gewesen, dass alle die Idee gut finden. "Für uns ist das Mehrarbeit", sagt Reinold. "Aber wenn es dadurch noch sicherer wird an den Schulen, ist das gut." Und der Organisationsaufwand mit Quarantänefällen falle durch das Impfen hoffentlich geringer aus. Seit Beginn des Schuljahres hätten sie vereinzelt positive Selbsttests an der Schule, sagt Reinold. Es sei aber keine ganze Klasse in Quarantäne.

In ganz München waren an diesem Freitag 415 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne, unter ihnen drei Schulklassen und mehrere Gruppen einer schulvorbereitenden Einrichtung. Das Gesundheitsreferat gibt an, dass die Schulen seit Beginn des Schuljahres am 14. September 271 infizierte Personen gemeldet haben. Eine Schulleiterin sagt, in den vergangenen Tagen sei die Zahl der positiven Selbsttests gestiegen. Einen Fall habe sie Anfang der Woche gehabt, auch der PCR-Test war positiv. Bis Freitagmittag habe sich das Gesundheitsamt aber noch nicht gemeldet, um sich über mögliche Kontaktpersonen zu informieren.

Die Grund- und Förderschulen sollten noch im September auf die sogenannten Lollitests umsteigen. Einige Schulen testen schon damit, andere haben die Eltern informiert, dass nicht ausreichend Material geliefert wurde und man erst einmal weiter teste wie bisher. Lieferschwierigkeiten sind aber nicht das einzige Problem. Die fachliche Leiterin des Staatlichen Schulamtes München, Bettina Betz, spricht von "Anfangswehen". Ergebnisse seien nicht rechtzeitig übermittelt worden, die Eltern müssten neunseitige Einverständniserklärungen unterschreiben, was noch nicht alle getan hätten. Viele Schulleiter mussten händisch Handynummern und E-Mailadressen von Eltern in der Schulsoftware ergänzen, ein Onlineportal war überlastet und ist abgestürzt. "Das ist ein sehr komplexes Verfahren, da müssen viele Rädchen ineinandergreifen", sagt Betz. Bayernweit sei das ein riesiges Projekt - so etwas klappe nicht von einem Tag auf den anderen. In der kommenden Woche, so Betz, solle ein großer Teil der Münchner Schulen mit Lollitests starten.

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